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«Die Schweiz sollte Angst haben»

«Für Estland hat der Brexit eine positive Seite», sagt Taavi Kotka. Foto: Urs Jaudas

Sehen Sie sich doch bitte kurz die Unterlagen für die Abstimmungen von morgen Sonntag an. Hier werde ich meine Kreuze setzen. Dann bringe ich den Zettel mit dem Stimmrechtsausweis ins Schulhaus. Oder ich schicke sie ein. Was halten Sie vom Schweizer Prozedere?

Sind es in Estland vor allem die jüngeren Leute, die elektronisch abstimmen?

Estland ist ein E-Voting-Pionier. Weshalb pilgern trotzdem noch immer zwei Drittel der Wahlberechtigten an die herkömmliche Urne?

In der Schweiz stimmen erst wenige Leute elektronisch ab. Manche Kantone erlauben E-Voting zumindest für Gruppen wie etwa Auslandschweizer, andere gar nicht. Bis diese Möglichkeit für alle eingeführt wird, dürfte es noch länger dauern. Denn es ist eine heftige Kontroverse ums E-Voting entbrannt. Kritiker befürchten, dass Hacker in Zukunft Wahlen und Abstimmungen fälschen könnten – in viel grösserem Umfang, als dies beim Papierprozedere selbst mit viel Aufwand möglich ist.

Was ist präziser: die konventionellen oder die digitalen Abstimmungen?

Dies hier ist meine Identitätskarte. Sieht sie so aus, wie Sie es von einem modernen Land wie der Schweiz erwarten?

Der Schweizer Bundesrat hat soeben erklärt, wie er sich die E-ID vorstellt. Estland ist schon zwei Schritte weiter. So bietet das Land etwa einen virtuellen Wohnsitz an. Was soll das?

Offenbar beantragen auch Privatpersonen ohne grosse geschäftliche Interessen einen virtuellen Wohnsitz in Estland. Weshalb?

Vor zwei Jahren hat eine Mehrheit der Briten für einen Austritt aus der EU gestimmt. Hatte der Entscheid Auswirkungen auf Ihr E-Residency-Programm?

«Die Leute haben die Bürokratie satt und erwarten mehr vom Staat.»

Weshalb wollen Deutsche virtuell nach Estland emigrieren?

Wurden Sie nervös, als die Panama Papers an die Medien gelangten?

Weshalb ist Estland so weit fortgeschritten bei der Digitalisierung?

Ein weiterer Grund könnte sein: Estland musste nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er-Jahre ganz neu aufgebaut werden. Anders die Schweiz: Hier gibts ein historisch gewachsenes, bis ins kleinste Detail austariertes System.

Könnte Estland der Schweiz wirklich Leute und Unternehmen abspenstig machen?

Wie müsste die Schweiz vorgehen, um den Anschluss nicht zu verpassen?