Eine eigene Datenwolke steigen lassen

Ein Start-up löst einen alten Widerspruch auf: Seine Box paart den Komfort der Cloud mit Datensicherheit.

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Das Hamburger Start-up Protonet hat kürzlich erneut eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abgeschlossen: Zoe ist eine Schaltzentrale fürs smarte Heim, die Licht und Heizung regelt, auf Sprachbefehle reagiert und eine simple Hausautomatisierung ermöglichen soll. Das Ziel von 100'000 Dollar wurde um 317 Prozent übertroffen – auch weil Zoe ein Versprechen macht, das bei anderen Herstellern als unauflösbarer Widerspruch gilt: Der Komfortgewinn durch die schlaue Technik soll nicht durch einen Verlust an Privatsphäre erkauft werden müssen. Zoe ist nicht mit der Cloud verbunden, sondern verwaltet alle Daten ­lokal, unter der Obhut seines Besitzers.

Cloud-Komfort mit dem Komfort einer privaten Datenhaltung: Das ist die Mission von Protonet, seit das Unternehmen 2014 per Schwarmfinanzierung innert zehn Stunden 1,5 Millionen Dollar für den «einfachsten Server der Welt» eingesammelt hat. Protonet Maya ist ein sechseckiger orangefarbiger Zylinder, der chic genug ist, auch auf dem Schreibtisch platziert zu werden. Und der für KMU, Teams und Freiberufler fremde Datenwolken von Apple, Microsoft, Google und Amazon überflüssig machen soll.

Schnelle Inbetriebnahme

Maya wurde in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Die beiden grösseren Modelle Carla und Carlita sind dazugekommen, und die Softwareunterstützung ist ausgebaut worden. Es können Lösungen für die Kundenpflege (Customer Relationship Management) und die Ressourcenplanung (ERP) betrieben werden, und über Open XChange wird die Box zum Server-Gegenstück für Microsoft Outlook. Demnächst öffnen die Hamburger einen App-Store, über den Dritthersteller ihre Module bereitstellen können.

Im Test einer aktuellen Version des kleinen Maya-Servers (Intel-Celeron Prozessor, 16 GB RAM und 512 GB SSD) vermag Proton den Beweis zu erbringen, dass die Inbetriebnahme eines Servers keine Hexerei sein muss. Die Konfiguration wird über das WLAN-Netz der Box initiiert und vollständig über den Browser abgewickelt. Im Wesentlichen gilt es, ein Benutzerkonto für die Administration einzurichten und die Adresse festzulegen, über die die Box künftig von überall her zugänglich sein wird.

Diese ersten Schritte sind in wenigen Minuten erledigt. Danach kann man sich daran machen, die Arbeitsumgebung einzurichten. Sie ist auf die Projektarbeit im Team ausgelegt. Man holt Kollegen pro Projekt in eine Gruppe, teilt Aufgaben zu, hinterlegt Dateien und pflegt den Kalender. Auf der Projektseite startet man Chats und Anrufe und versendet Nachrichten. Per App gelangen die Chats auch aufs Smartphone.

Flink als Fileserver

Nebst der Teamarbeit ist die Box auch stark beim Datenaustausch. Sie lässt sich als Laufwerk bei Windows- und Mac-Computern einbinden, und es stehen Desktop-Programme zur Verfügung, die Verzeichnisse automatisch synchronisieren, wie man es von Dropbox, iCloud oder One Drive her kennt. Per App greift man auch vom Tablet oder Smartphone auf diese Dateien zu. Dateien per Internet freizugeben, ist ebenfalls erlaubt.

Fotografen, Marketing- oder Videoagenturen, Anwälte und Beratungsunternehmen seien prädestinierte Betreiber ihrer eigenen Cloud, findet Protonet – einerseits wegen der grossen Datenmengen, andererseits aufgrund der besonders sensiblen Daten.

Für KMU, die im klassischen Office-Bereich beheimatet sind, ist die Box in der Standardkonfiguration im Moment zu limitiert. Ein Umstand, der sich ändern könnte, wenn Drittentwickler im Store ihre Erweiterungen anbieten. Für Privatanwender ist die Box wegen des Einstiegspreises ab 1781 Franken nicht unbedingt die richtige Wahl – sie kommen mit einem Raspberry Pi oder einer Netzwerkfestplatte günstiger weg.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2016, 20:02 Uhr

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