Wer hat Angst vor Apples Gesichtserkennung?

Die neue Technik Face ID stösst erst einmal auf Ablehnung. Bleiben wir cool.

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Das iPhone X bringt auch eine neue Authentifizierungstechnik, die Face ID. Sie scannt das Gesicht des Nutzers und schaltet das Handy automatisch frei, wenn es seinen Besitzer identifiziert. Das macht verständlicherweise Angst, aber Panik ist nicht angebracht.

Sicher ist es bedrohlich, wenn Überwachungskameras Verkehrssünder identifizieren, wenn Maschinen erkennen, welche ethnischen Wurzeln einer hat oder ob jemand schwul, lesbisch oder hetero ist, wie dieser Tage immer wieder ins Feld geführt wurde. Aber das hat wenig mit Apples Face ID zu tun. Sie setzt Gesichtserkennung ein, um das Smartphone zu entsperren.

Skepsis gegenüber Technologiekonzernen ist nötig

Face ID löst damit Touch ID ab, die Authentifizierung mittels Fingerabdrucksensor, die 2013 auf dem iPhone Einzug hielt. Damals tauchten dieselben Fragen auf: Ist das sicher? Was macht Apple mit meinem Fingerabdruck? Und innert Kürze konnten Hacker zeigen, dass sich die Sperre austricksen lässt. Heute können wir uns ein Leben ohne Touch ID kaum mehr vorstellen.

Skepsis gegenüber Technologiekonzernen ist nötig. Aber wer heute ein Smartphone nutzt, schafft sich nun mal einen Minicomputer mit Kamera, Sensoren und Mikrofonen an – nicht nur von Apple. Dasselbe gilt auch für Laptops, TV, Spielkonsolen und Handys wie etwa das Samsung Galaxy S8, ganz zu schweigen von Flughafen-Scannern. Sie alle haben schon länger das Zeug, Gesichter zu erkennen. Das macht Apple nicht vertrauenswürdiger, relativiert aber die Hysterie um die neue iPhone-Funktion.

Face ID ist laut Experten sehr sicher

Im Unterschied zu anderen Herstellern informiert der Konzern zudem offensiv über Face ID. So gab Software-Chef Craig Federighi diese Woche mehrere Interviews zum Thema. Er versicherte, dass Apple selbst keinen Zugang zu den gescannten Daten habe, die auf dem Gerät und nicht in der Cloud abgelegt würden. Sollten Polizeibehörden Informationen verlangen, könne Apple diese nicht liefern, weil die Daten verschlüsselt in einem sicheren Bereich, der «Secure Enclave» liegten. Daraus lasse sich auch kein Gesicht rekonstruieren. Auch andere Apps hätten keinen Zugriff auf die Daten, und zudem werde Face ID deaktiviert, wenn es fünfmal ein falsches Gesicht erkenne.

Das müssen wir, wie so vieles, glauben, wenn wir die Technik nutzen wollen. Ob diese im Alltag taugt, wird sich zeigen. Experten weltweit attestieren ihr indes den bestmöglichen Sicherheitsstandard: «Ich denke, dass die Vorurteile gegenüber Face ID übertrieben sind, gerade weil Apple eigentlich mit der Secure Enclave und den lokal gespeicherten Biometriedaten eine recht solide Sicherheitsarchitektur der Lösung vorgelegt hat», sagt auch Stefan Friedli, Forscher bei der Sicherheitsfirma Scip AG, die sich unter anderem auf biometrische Systeme spezialisiert hat.

Niemand muss Face ID nutzen

Und schliesslich sollten wir nicht vergessen: Niemand muss die Gesichtserkennung nutzen, man kann weiterhin das Passwort gebrauchen. Dann aber bitte nicht «5555» oder gar kein Passwort, weil es am bequemsten ist. Also, falls Sie sich gegen ein iPhone X entscheiden, dann nicht wegen der Face ID. Es ist das falsche Argument.

Erstellt: 20.09.2017, 11:07 Uhr

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