Neues Kriegsspiel meidet unbequeme Wahrheiten

Wie der neuste Teil der populären Videospielreihe «Call of Duty» die Geschichte umschreibt.

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«Call of Duty» ist eine gigantische Entertainmentmarke. Während es der Kinofilm «Star Wars: The Force Awakens» am Eröffnungswochenende auf eine knappe Viertelmilliarde Dollar Einnahmen brachte, spielte das Game «Call of Duty: Black Ops 2» 2012 mehr als eine halbe Milliarde ein – in nur 24 Stunden.

«Call of Duty» ist ein vor allem bei Jugendlichen beliebtes Spiel, bei dem aus der Ichperspektive Gegner mit diversen Waffen bekämpft werden. In «Call of Duty: WWII» kehrt die Serie diesen Herbst zu ihren Wurzeln zurück: zum Zweiten Weltkrieg. Für den Mehrspieler-Teil – das Herzstück – des Games gibt es eine besondere Neuerung: Spielende dürfen «sich selber spielen», wie das Entwicklerstudio erklärt. Die brachiale Konsequenz: Es ist selbst auf Naziseite möglich, eine schwarze Frau zu verkörpern.

Gute Gründe für Kritik

Die Linken jubilieren über diesen Inklusivitätsgedanken, die Rechten rufen zum Boykott auf. Die historische Ungenauigkeit sei von «Gutmenschen» in Gang gesetzt worden, um die «politische Korrektheit» um jeden Preis zu erzwingen. In Wahrheit geht es den Kritikern darum, dass Krieg in Videospielen weiterhin eine Heldenfantasie weisser Männer zu bleiben habe.

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Geschichtsverzerrung, übermässige politische Korrektheit oder ist alles halb so schlimm beim Mehrspielermodus von «Call of Duty: WWII»?




Dabei gibt es gute Gründe für Kritik: In Nazideutschland galten Frauen als Gebärmaschinen ohne Entscheidungsgewalt. Schwarze waren den Nürnberger Rassengesetzen unterworfen, um sie durch Zwangssterilisation letztlich auszumerzen. Diese Opfer des NS-Regimes neben ihre Peiniger zu stellen, ist ein absurder Eingriff, der an Geschichtsklitterung grenzt.

Es ist ein Schritt-für-Schritt-Vergessen, ein Meiden unbequemer Wahrheit. Das passt nicht zu einem Videospiel. Immerhin ein Medium, das wirtschaftlich wie kulturell längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist – und immer öfter die Rolle des Geschichtsunterrichts übernimmt.

Erstellt: 20.06.2017, 10:37 Uhr

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