10 Dinge, die an Webdiensten furchtbar nerven

Das Internet mit seinen leistungsstarken Anwendungen könnte so ein schöner Ort sein – würden wir im Alltag nicht ständig über banale Probleme stolpern.

Man muss schon ein ziemlicher Nerd sein, um Facebooks Benutzerführung zu verstehen. Foto: Dmitriy Shironosov (Alamy)

Man muss schon ein ziemlicher Nerd sein, um Facebooks Benutzerführung zu verstehen. Foto: Dmitriy Shironosov (Alamy)

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Da kennt man seine Lieblingsseite so gut, dass man blind an die richtige Stelle klickt. «Muskelgedächtnis» nennt sich das umgangssprachlich. Und dann, ­eines Morgens, nach einem ­Totalumbau über Nacht präsentiert sich die Website mit neuem Design und einer komplett überarbeiteten Benutzerführung. Wie ein Erstklässler am zweiten Schultag versucht man sich zurechtzufinden, während man in seinen Bart murmelt, dass früher alles besser war.

Das soziale Netzwerk Foursquare hat sogar einmal das Kunststück geschafft, seine App komplett neu zu stricken. ­Ursprünglich war sie dazu da, sich in ­öffentliche Orte wie Bars oder Bahnhöfe einzubuchen, um von Freunden gefunden zu werden. Bis sie zu einem selbst ernannten Freizeit-Guide mutierte.

Face­book hält seine Nutzer durch konstante, kleine Veränderungen auf Trab. Am Smartphone werden ständig Funktionen in neue Apps ausgelagert, sodass man sich inzwischen mit dem ­Messenger, dem Seitenmanager und (als Promi) mit der Mention-App herumschlagen muss.

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Eine Benutzerführung, die auf Holzwege leitet, ist eher die Norm als die Ausnahme. Eine unergründliche Navigation und fehlende Orientierungshilfen machen vor allem Gelegenheitssurfern das Leben schwer. Ein schwarzes Schaf ist das soziale Netzwerk mit dem blau-weissen Logo: Facebook stellt Anwendern bei der Konfiguration der Privatsphäre Hürden in den Weg.

Bei Facebook ist nicht nachvollziehbar, welche Beiträge in den «Hauptmeldungen» erscheinen und welche der Dienst für nicht betrachtenswürdig hält. Facebook verwirrt bei den «Nachrichten». Dort gibt es einen «Posteingang» und nebenan die Box «Sonstiges». Sie enthält bei den meisten Nutzern über­sehene Nachrichten, die vermutlich wichtig gewesen wären.

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Kalamitäten mit dem Benutzerkonto gibt es oft schon bei der Anmeldung. Die Webdienste schreiben vor, wie lang oder kurz das Passwort sein muss, welche Zeichen enthalten sein müssen oder unbedingt fehlen sollten, und manchmal ringen sie einem auch Antworten auf hanebüchene Sicherheitsfragen à la «Wie hiess das erste Haustier deiner Grossmutter mütterlicherseits?» ab.

Bei der Verwaltung seines Benutzerkontos steht man oft nur händeringend da ob der Unflexibilität dieser Internetdienste. Zwei Konten zusammenzulegen, ist bei Apple oder Google ein Ding der Unmöglichkeit. Manche Dienste erlauben es noch nicht einmal, ein Konto zu löschen. Umgekehrt wird man bei Amazon oder der Hörbuchplattform Audible gezwungen, mehrere Konten anzulegen, wenn man sich nicht nur beim deutschen, sondern auch beim englischen Angebot bedienen will.

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Das aufdringliche Buhlen um Aufmerksamkeit treibt immer seltsamere Blüten. Dass niemand automatisch öffnende Fenster mag, hat sich inzwischen zwar herumgesprochen. Dafür brüllen heute Videos und Audio-Clips los, obwohl man nicht (noch nicht einmal versehentlich) auf den Wiedergabeknopf gedrückt hat. Bei Facebook setzen sich Videos von allein in Gang. Und vor wenigen ­Wochen hat auch Twitter angekündigt, Videos automatisch starten zu wollen.

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Die geografische Ausgrenzung führt dazu, dass man auf Youtube ungezählte Clips nicht zu sehen bekommt, sondern mit einer achselzuckenden Null-Erklärung abgespeist wird: «Dieses Video ist in deinem Land leider nicht verfügbar!»

Ähnliches erlebt man auch als Käufer von Digitalinhalten. Manche Hörbücher sind via Audible hierzulande nicht in Englisch zu kaufen, wobei der Anbieter bedauernd auf beschränkte Verlagsrechte hinweist. Das gleiche Problem haben auch Nutzer des Streamingdienstes Netflix. Das Angebot ist in den USA deutlich besser als in der Schweiz. Die dritte Staffel von «House of Cards» gibt es nur mittels einschlägiger Browser-Erweiterungen. Sie lenken den Aufruf über einen amerikanischen Server um. Diese Praxis wird meist geduldet. Doch nun hat der US-Bezahlsender HBO E-Mails an «Game of Thrones»-Fans verschickt, die VPN- oder Proxy-Dienste benutzen: Das sei ein Verstoss gegen die Nutzungs­bedingungen und werde mit Deaktivierung des Accounts geahndet.

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Die dumme künstliche Intelligenz, die unsinnige Vorschläge macht – sie könnte einen vom Internetglauben abfallen lassen. Zugegeben, manchmal liegt der Algorithmus goldrichtig. Wie der bekannte Tipp von Amazon: «Kunden, die einen Glasschneider kauften, kauften auch eine Skimaske.»

Doch wenn Spotify mit seinen Songempfehlungen im Seichten badet und Netflix Allgemeinplätze bedient (jeder mag «Breaking Bad»!), dann ist klar, dass ein technischer Riesensprung nötig ist, bevor man sich mit seiner Freizeitgestaltung blind auf die Software verlassen darf. Und wer sich auf seiner Linkedin-Seite von der «Stellen, die Sie vielleicht interessieren»-Liste beeinflussen lässt, darf sich überraschen lassen, ob der Karriereknick nach oben oder nach unten verläuft.

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Gestaltung ist Geschmackssache. Aus Sicht des Benutzers sind Design-Extravaganzen anzuprangern, wenn sie die Lesbarkeit oder Bedienbarkeit erschweren. Eine für Mobilgeräte angepasste ­Variante müsste heute selbstverständlich sein. Und auch die Nutzungsbedingungen dürfen durchaus so gestaltet sein, dass ein Nichtjurist sie versteht.

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Suchfunktionen, die nichts finden.

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Das Damoklesschwert namens Sicher­heit baumelt über den Köpfen von uns Internetnutzern. Viele namhafte Dienste sind in den letzten Jahren gehackt worden: Sonys Playstation-Network, Adobes Creative Cloud, die Notiz-App Evernote und Apples iCloud – um nur einige zu nennen. Der letzte Fall war im August 2014 besonders peinlich, weil es die Einbrecher auf die Nacktselfies von Prominenten abgesehen hatten.

Für «Wired»-Journalist Mat Honan, der 2012 Opfer eines gezielten Identitätsdiebstahls wurde, scheint der Schutz privater Daten schlicht nicht möglich. Er schrieb im Februar, wir Mitglieder der Onlinegemeinschaft sollten uns besser früher als später daran gewöhnen, «dass unsere Penisbilder überall im Netz auftauchen». Honan rät deswegen nicht etwa dazu, keine verfänglichen Fotos mehr aufzunehmen. Der bessere Weg sei es, die Scham über geleakte Nackedeis abzulegen.

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Last but not least: Gesprächsverweigerung der Betreiber. Als Kontaktmöglichkeiten findet man oft nur ein Formular, bei dem sich der Verdacht aufdrängt, dass es Eingaben direkt an «dev/null» schickt (Entwicklerslang fürs digitale Nirwana). Klar, Facebook mit bald 1,5 Milliarden Nutzern kann nicht mit jedem Kunden persönlichen Kontakt pflegen. Doch wenn man sich die Mühe macht, Nazi­stumpfsinn zu melden, dann müsste das eine Reaktion auslösen.

Erstellt: 05.05.2015, 23:34 Uhr

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