Bei diesem 13-Jährigen können Erwachsene etwas lernen

Gymnasiast Lorenzo Tural Osorio lebt in der Social-Media-Welt. Beeindruckt hat er die 500 Teilnehmer an der re:publika 2014.

Diese Welt ist Lorenzo vertraut: Handy mit Apps von Facebook & Co..

Diese Welt ist Lorenzo vertraut: Handy mit Apps von Facebook & Co.. Bild: Keystone

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Lorenzo Tural Osorio entwickelt eigene Marken, erstellt Grafiken und Logos, Internet-Shops, nimmt Youtube-Videos auf und veranstaltet Workshops von Schülern für Erwachsene. Lorenzo begeisterte mit seiner frechen, frischen und beeindruckenden Art 500 Teilnehmer an der re:publika 2014, der grössten Konferenz Europas im Bereich Internet und digitale Gesellschaft.

Das Interview wurde erstmals am Samstag, 6. Dezember, im Kader-Stellenmarkt «Alpha» publiziert.

Lorenzo, welche sozialen Netzwerke nutzt du?
Social Media: Youtube, Facebook, Twitter, Instagram, Linkedin, Xing, Google Plus. Für Messaging: Whatsapp, Snapchat. Für die persönliche Webpräsenz: meine eigene Website.

Von welchen denkst du, dass sie in Zukunft von anderen abgelöst werden? Gibt es bereits einen neuen Trend in deiner Generation?
Für die Plattformen wie Facebook werden eher neue Apps und Features entwickelt und angeboten. Verbreitete Plattformen wie Facebook werden immer mehr versuchen, meine Generation für sich zu gewinnen. In deutschsprachigen Ländern wird sich zwischen Linkedin und Xing die Konkurrenz verschärfen. Ausserhalb dieser Länder hat Xing keine Chance. Instagram-Videos und Vine werden für die Werbung wichtig werden. Damit die Nutzer nicht von einer Plattform zur anderen zappen müssen, wird es Überplattformen geben, von denen aus mehrere Plattformen genutzt werden können.

Wie wird sich die Welt der sozialen Netzwerke verändern?
Schon in wenigen Jahren werden wir nicht mehr über soziale Netzwerke reden, sie werden ein ganz normaler Alltagsgegenstand sein. Wir werden nicht darüber reden, ob wir zum Beispiel Facebook nutzen sollten. Ohne Facebook und andere soziale Netzwerke werden Internetdienste nicht funktionieren. Ähnlich wie heute: Wer läuft zu einer Telefonzelle, um mit seinem Freund zu telefonieren? Wer schickt die Ferienbilder noch per Post?

Welchen Tipp würdest du Eltern geben, die die Mediennutzung Ihrer Kinder steuern möchten? Welche Abmachungen wären sinnvoll?
Keine andauernde Rund-um-die-Uhr-Überwachung, am besten altersbezogen: genauer hinschauen, wenn ihr Kind 8 Jahre alt ist. Wenn es aber schon 13 Jahre alt ist, nerven Sie es mit dem übertriebenen digitalen Bemuttern. Dem Kind Freiraum lassen, aber seine Neigungen bezüglich Tools und Apps beobachten und es gezielt begleiten, damit es seinen Horizont erweitern kann. Verstehen Sie Ihr Kind in seiner Denkwelt.

Was für Erfahrungen hast du mit deinen Eltern gemacht?
Sie haben genauer hingeschaut, als ich 9 bis 10 Jahre alt war, damit ich nicht aus Unwissen falsche Sachen machte. Ich durfte meine Onlineshops selbst erstellen und auf der Impressumseite die Daten von meinem Vater – mit seinem Einverständnis –angeben. Mein Vater fragte damals seine Bekannten, die selbst Geschäfte haben, ob ich die Facebook-Seite für ihr Geschäft erstellen und betreiben dürfe. Er ermöglichte mir den praktischen Einstieg ins Social Business. Ich lernte zum Beispiel, worauf ich achten muss, wenn ich Beiträge poste.

Warum nutzt du Linkedin und Xing?
Ich bekomme durch meine Kontaktanfragen raus, ob ein erwachsenes Mitglied bereit ist, sich auf Augenhöhe mit einem Menschen meines Alters einzulassen. Es gibt zum Beispiel Mitglieder, die über künftige Bildungskonzepte für uns viel schreiben, aber nicht in der Lage sind, mit mir altersgerecht zu kommunizieren. Zugegeben, ich verstehe öfter auch nicht, was sie schreiben. Sie machen die Rechnung ohne den Wirt. Es gibt wieder andere, die auf meine Fragen eingehen und versuchen, mich so zu nehmen, wie ich bin. Ich bin eine Art Katalysator zwischen den Generationen.

Was können Erwachsene von deiner Generation lernen?
Meine Generation ist schon heute ein wichtiger Akteur der Digitalisierung. Wir werden das Zusammenleben in der digitalen Gesellschaft mitbestimmen. Heute können aber noch wenige erwachsene Menschen mit uns darüber reden. Viele denken, dass das Reden mit einem 12- bis 13-Jährigen nichts bringt. Wenn Unternehmer mit uns reden würden, könnten sie sich schon jetzt über neue Produkte Gedanken machen, oder wenn ein Bürgermeister mit uns reden würde, könnte er die Entscheidungen für Kinder passgenau treffen.

Telefoniert ihr noch, oder ist das out?
Ja, manchmal telefonieren wir auch. Es ist nicht out, aber die Telefonnutzung ist nicht mehr wie früher erforderlich. Ich muss meiner Tante am Telefon nicht erklären, dass ich ein neues, rot kariertes Hemd habe. Das Bild sende ich gleich, sodass eine Erklärung überflüssig wird. Die Hausaufgaben muss ich einem Mitschüler nicht mehr am Telefon diktieren. Per Whatsapp senden wir gleich die Kopie der Heftseite - manchmal gleich mit den Lösungen der Aufgaben – an die Gruppe der Klassenkameraden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.12.2014, 11:49 Uhr

Lorenzo Tural Osorio trat an der Internetkonferenz re:publika vor 500 Besuchern auf. Am 26. Januar 2015 kann man ihn an der Zürcher Querdenkertagung erleben. (Bild: PD)

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