300'000 nutzen neues Handy-Angebot

Swisscoms Natel infinity kommt bei den Kunden gut an – allerdings verhalten sich die Abo-Nutzer anders als vom blauen Riesen erwartet.

Swisscom-Chef Carsten Schloter präsentierte im Juni neue Mobilfunkabonnemente.  Inzwischen machen gegen 300'000 Kunden davon Gebrauch.

Swisscom-Chef Carsten Schloter präsentierte im Juni neue Mobilfunkabonnemente. Inzwischen machen gegen 300'000 Kunden davon Gebrauch. Bild: Keystone

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Swisscom-Chef Carsten Schloter versicherte gestern an einer Telefonkonferenz noch einmal, dass Natel infinity bisher auf der Welt einzigartig sei. Zwar gebe es in den USA und in Holland ähnliche Angebote, bei denen der Kunde ebenfalls abhängig von der Geschwindigkeit im mobilen Datenverkehr zahle. Im Unterschied zu Natel infinity sei das Datenvolumen aber beschränkt.

25'000 Neukunden pro Woche

Erstmals gab Swisscom gestern mit der Veröffentlichung des Halbjahresresultats offizielle Zahlen zu Natel infinity bekannt. Demnach nutzten per Ende Juli 2012 insgesamt 275'000 Kunden das neue Angebot. Derzeit kommen jede Woche gegen 25'000 weitere Nutzer hinzu. «Wir dürften also heute bereits bei 300'000 angelangt sein», sagte Carsten Schloter.

Swisscom hatte Natel infinity am 25.Juni 2012 auf den Schweizer Markt gebracht. Es ist auf eine Reaktion auf kostenlose Internetdienste, welche mit Smartphones immer mehr genutzt werden. Erhältlich sind fünf Tarifstufen, die von 59 Franken im Monat bis 169 Franken reichen.

«Deutlich über dem Ziel»

Bei zwei von drei Zielvorgaben für Natel infinity ist Swisscom auf Kurs. Bei den angestrebten Neukunden sei man «gut unterwegs und über den Erwartungen», erklärte Schloter. Bei den eigenen Kunden, die aufs neue Angebot wechseln, sei das Unternehmen «deutlich über dem Ziel», so der Swisscom-Chef.

Nur beim Tarifmix ist die Swisscom vom Verhalten der Kunden überrascht worden. «Es haben sich mehr Nutzer für Natel infinity XS entschieden als erwartet», sagte Schloter. XS ist mit 59 Franken monatlich das günstigste Angebot und bietet eine langsame Übertragungsgeschwindigkeit von 0,2 Megabit pro Sekunde. Das reicht höchstens, um auf dem Smartphone zu surfen und E-Mails ohne Anhänge zu lesen. «Offenbar genügt die Bandbreite von XS sehr vielen Leuten», sagte Schloter.

Warten auf LTE

Weiter stellt die Swisscom fest: Weniger Kunden als erwartet nutzen Natel infinity S und mehr als angenommen Natel infinity M. S kostet 75 Franken im Monat und bietet eine Bandbreite von 1 Megabit pro Sekunde. Das ist bereits schnell genug, um etwa den SBB-Fahrplan abrufen zu können und Facebook zu nutzen. Für das Angebot M verlangt Swisscom 99 Franken im Monat. Die darin enthaltenen 7,2 Megabit pro Sekunde reichen für geografische Ortungsdienste.

Schloter betonte, für Natel infinity brauche es eine hohe Netzqualität mit grosser Verfügbarkeit. Er glaubt deshalb, dass die Konkurrenz erst auf das neue Angebot von Swisscom reagieren wird, wenn in der Schweiz die schnelle vierte Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) kommt.

Einbruch bei SMS

Per Ende Juni 2012 verzeichnete Swisscom 6,1 Millionen Handykunden. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 201'000 oder 3,4 Prozent mehr. Der blaue Riese verkaufte im ersten Halbjahr 640'000 Mobilfunkgeräte (+1,7 Prozent). Knapp sieben von zehn verkauften Geräten waren Smartphones. Fast jedes zweite Handy im Swisscom-Netz ist bereits ein Smartphone.

Herkömmlich verrechnete Dienste werden damit immer weniger genutzt: Aufgrund von Gratisdiensten wie Whatsapp verringerte sich die Zahl der direkt verrechneten SMS innert Jahresfrist um ein Drittel. Der Rückgang beim Umsatz mit direkt verrechneten SMS und Mobiltelefonie betrug 15 Prozent.

Der durchschnittliche Preis pro Megabyte sank im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent. Der durchschnittliche Umsatz pro Mobilfunkkunde im Monat sank um 4,3 Prozent auf 45 Franken.

Erstellt: 09.08.2012, 12:40 Uhr

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