Apple enthüllt iOS 7 und Streamingdienst

Mit einer breiten Software-Offensive, einem neuen Musikdienst und mit in den USA produzierten Macs will Apple Kunden und Investoren bei Laune halten.

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Apple präsentierte am Montagabend an der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco neue Software und einen Musikdienst. Auch Hardware hatte Tim Cook im Gepäck.

Doch die erste kleine Sensation passierte rund 45 Minuten vor der Keynote. Das gesamte Top-Management Apples, darunter Chefdesigner Jony Ive, CEO Tim Cook und Verwaltungsrat und früherer Vizepräsident Al Gore, zeigten sich den geladenen Gästen der vorderen Ränge, locker plaudernd und demonstrativ gut gelaunt. Die zur Schau gestellte Einigkeit der Apple-Spitze sollte signalisieren: Apple ist in einer neuen, harmonischeren Ära angekommen.

Standing Ovations für Chef-Designer

Bei Laune gehalten wollen derzeit vor allem die Investoren werden, die Aktie hat seit dem Höchststand um rund 40 Prozent an Wert verloren - und das müsste Apple mit den am Montag in San Francisco präsentierten Neuheiten gelungen sein. Jony Ive zumindest hat für seine Neugestaltung von iOS vor Ort eine kurze Standing Ovation von grossen Teilen der 6000 angereisten Entwickler und Gästen erhalten.

Softwareentwickler bei Laune zu halten gelingt Apple nicht zuletzt, weil diese mit keiner anderen mobilen App-Plattform so viel Geld verdienen können. In den vergangenen 12 Monaten hat Apple 5 Milliarden Dollar an App-Macher ausgezahlt, insgesamt seit Lancierung des App Stores vor fünf Jahren 10 Milliarden Dollar.

iOS 7: Neues Design, neue Funktionen

Apple hat wie erwartet neue Versionen von OS X und iOS vorgestellt, dazu neue, leistungsfähigere MacBook Airs und einen komplett neu gestalteten Mac Pro, der im Herbst erhältlich sein wird. Dieser kommt als kleiner Hochglanzzylinder daher, ein regelrechtes Hightech-Füllhorn, das Anwender mit hohen Ansprüchen an die Leistung ihres Macs endlich wieder zufrieden stellen wird.

Am spannendsten ist indes das komplett neu gestaltete iOS, das Betriebssystem von iPhone und iPad. Dabei beweist Apple wieder einmal die in jüngster Zeit etwas vermisste Fähigkeit, sich neu zu erfinden. «Wie ein neues iPhone, das man aber bereits bedienen kann», beschreibt es Tim Cook. Tatsächlich ist Ive und seinem Team der Spagat gelungen, etwas Frisches und Zeitgemässes abzuliefern. iOS 7 führt Bewährtes weiter und stösst bestehende Kunden nicht vor den Kopf. 600 Millionen iOS-Geräte hat Apple bisher verkauft, 235 Millionen davon alleine in den letzen 12 Monaten.

Neuer Diebstahlschutz

iOS 7 kommt aufgeräumt, klar und äusserst elegant daher. Und bringt nebst einem neuen Look auch zahlreiche, teils überfällige Verbesserungen, etwa bei den System-Meldungen (Notifications), dem Zugriff auf wichtige Funktionen wie Ein- und Ausschalten von WLAN, Bluetooth oder dem Umschalten zwischen Apps. Neu kann ein Gerät bei Diebstahl nicht nur gesperrt, sondern endgültig unbrauchbar, also wertlos für Diebe gemacht werden. Nebst Videochat kann man damit auch kostenlos von einem iOS-Gerät auf ein anderes oder auf einen Mac anrufen, das nennt sich Face Time Audio. Siri soll deutlich verbessert worden sein. Der Sprachassistent erhält eine neue, weniger roboterhafte Stimme und spricht nun als Frau oder Mann.

Neuer Musikstreaming-Dienst

Apples Musik-Shop iTunes wird um ein wichtiges Angebot erweitert: iTunes Radio. Das Streaming-Angebot – ab Herbst vorerst in den USA verfügbar – stellt Sender nach Genres oder Künstlern zusammen, die man kostenlos anhören kann, ohne die Musik zu kaufen (was jederzeit möglich ist). Für Kunden des Zusatzdienstes iTunes Match (35 Franken im Jahr) ist iTunes Radio werbefrei, ansonsten ist es kostenlos, enthält jedoch Werbung. Damit reagiert Apple auf die zwar noch kleine, aber wachsende Konkurrenz durch Streaming-Angebote wie Spotify oder Radio. Mit iTunes Radio und einem Kundenstamm von weit über 500 Millionen dürfte iTunes seine Vormachtstellung als grösster Musikshop der Welt wieder gefestigt haben.

OS X hört auf den Namen «Mavericks»

Auch das Mac-Betriebssystem OS X wird im Herbst neu aufgelegt. Nachdem zehn Jahre lang Raubkatzen als Namensgeber gedient hatten, wird OS X fortan nach bekannten Orten in Kalifornien benannt werden, die erste Version nennt sich «Mavericks», nach einem bekannten Surfer-Ort. Hier sind die Neuerungen etwas weniger augenfällig, aber dennoch willkommen. Apples Karten und iBooks gibt es neu auch am Mac. Und das Interface ist ebenfalls komplett von genähtem Leder und dergleichen befreit worden.

Apple hat seine Hausaufgaben fürs erste mehr als erledigt und die Begeisterung dürfte über die Entwickler hinaus auf den Rest der Kundschaft springen. Im Spätsommer oder Herbst wird die gestern gezeigte Software für alle zugänglich werden.

Erstellt: 10.06.2013, 23:25 Uhr

iOS 7: Tim Cook stellt das neue Apple-Betriebssystem vor. (Video: Reuters )

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