Auch der MP3-Player wird zum Auslaufmodell

Streamingdienste machen die eigene Musiksammlung (fast) obsolet. Wir stellen die wichtigsten Services vor – und ihre Nachteile.

Nur einer von vielen vergleichbaren Streamingservices: Xbox Music.

Nur einer von vielen vergleichbaren Streamingservices: Xbox Music. Bild: Keystone

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Das Handy wird zur riesigen Musikbox mit Millionen von Songs. Streamingdienste liefern gegen Monatsgebühr die Musik aus dem Internet und machen die eigene Musiksammlung zu Hause überflüssig. Im boomenden Markt lockt Microsoft mit Gratisangeboten, und auch die Mobilfunkanbieter verwöhnen Jugendliche mit kostenloser Musik.

Kassetten-Walkmen sind Relikte aus den 80er-Jahren. Als Nächstes werden wohl Audio-CD und selbst MP3-Player in der Kategorie des «technisch Überholten» landen. Denn Smartphones sind die mobilen Musikanten von heute und Musik-Streaming-Dienste verwöhnen unterwegs und zu Hause mit Millionen von Songs. Sie machen den Musikgenuss nicht nur vielfältiger, sondern auch günstiger.

Millionen von Songs mieten

Mit Classical, Deezer, Juke, Simfy, Spotify, Rara und Xbox Music werben in der Schweiz ein halbes Dutzend vergleichbare Musikstreamingdienste um Abonnenten. Gegen eine monatliche Gebühr kann man unbeschränkt viel Musik am PC, auf dem Tablet oder Smartphone und über Unterhaltungsgeräte hören.

Dabei hat man die Auswahl unter bis zu 30 Millionen verschiedenen Titeln. Man besitzt diese Songs aber nicht, sondern sie werden lediglich während des Hörens aus dem Internet angeliefert. Die Musikdaten werden als sogenannter Stream - ähnlich wie ein Internetradio - ausgeliefert.

Damit unterscheiden sie sich von herkömmlichen Online-Musikläden wie iTunes oder Cede.ch. Denn dort kauft man einzelne Songs für die permanente Nutzung. Die gekauften Musikdateien werden auf der PC-Festplatte als sogenannter Download gespeichert. Streamingdienste haben gegenüber dem Musikkauf den Vorteil, dass man für fixe Monatskosten beinahe alles hören kann, was man will.

Die Musiksammlung muss man nicht selber verwalten und man hat auch jederzeit Zugriff auf Neuheiten. Der Nachteil von Streamingdiensten ist, dass man ihr komplettes Angebot nur nutzen kann, solange eine Internetverbindung besteht. Damit man im Flugzeug oder im Ausland nicht musikalisch aushungert, nutzen die meisten Streamingdienste aber einen Trick. Eine beschränkte Anzahl Musiktitel können im Handyspeicher abgelegt werden. Diese können auch ohne Internetverbindung abgespielt werden. Läuft das Abo für den Streamingdienst aus, werden die Songs auf dem Handy gesperrt.

Kostenloses Internet

Den Wechsel von Silberscheiben zu Streamingdiensten haben die Jugendlichen am schnellsten vollzogen. Diese hören Musik häufig unterwegs und mit einem Smartphone. Deshalb haben sich die Handy-Netzbetreiber mit den Musiklieferanten verbündet und locken Jugendlichen mit Sonderangeboten für sorgenfreies Musikstreaming unterwegs und zu Hause.

Wer unter 27 Jahre alt ist und bereits ein Telefon besitzt, kann beispielsweise bei Orange für 19 Franken nicht nur unbeschränkt SMS nutzen und umfassend plaudern, sondern ohne Mehrkosten auch den Musik-Streamingdienstes Spotify nutzen. Der dabei anfallende Internetverkehr ist schweizweit gratis und wird nicht vom Datenkontigent abgerechnet.

Sunrise hat sich mit dem Musikanbieter Juke verbandelt. Je nach Mobilfunk-Tarif erhält man ein Juke-Jahresabo geschenkt und Jugendliche profitieren von vergünstigten Abos. Swisscom hat zwar kein spezielles Musikangebot, aber in den meisten Abos eh unbeschränkten Internetverkehr.

Swisscom verweist Musikfreunde auch auf die neuen Smartphones mit Windows Phone 8. Auf diesen kann man mit dem Musikdienst Xbox Music kostenlos in 30 Millionen Musiktiteln stöbern. Wer keine Werbepausen will, muss monatlich knapp 13 Franken bezahlen.

Einige Streamingdienste lassen sich inzwischen auch auf üblichen Stereoanlagen zu Hause direkt nutzen. Über ein Dutzend Hersteller bieten solche streaming-tauglichen Geräte an.

Für den speziellen Geschmack

Zwar gibt es mit Classical.com auch einen auf klassische Musik spezialisierten Dienst, aber dennoch fehlt im USA-lastigen Angebot der Streamingdienste oft das Spezielle und vor allem auch das Lokale.

Wer seine persönliche Plattensammlung via Internet hören will, muss Dienste wie iTunes Match oder den kostenlosen Amazon Cloud Player nutzen. Mit diesen kopiert man die persönliche Musik ins Internet und kann sie dann ebenfalls einfach unterwegs auf dem Smartphone geniessen.

Wer beim Musikgenuss Wert auf Privatsphäre legt, speichert stattdessen sein Musikarchiv auf einer Netzwerkfestplatte (NAS) im trauten Heim. Da sich dieser Datenspeicher mit dem Internet verbinden kann, lässt sich so die private Musiksammlung einfach unterwegs auf Smartphones, Notebooks und Tablets konsumieren. (rek/sda)

Erstellt: 29.01.2013, 11:40 Uhr

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