Aus 1 Kilometer Entfernung Gesichter scannen

Das FBI entwickelt eine Datenbank zur Gesichtserkennung mit zwölf Millionen Porträts. Auch Facebook sieht darin grosses Potenzial. Beide geraten damit ins Visier von Datenschützern und Bürgerrechtlern.

Personen sollen mit der neuen Technik aus einem Kilometer Entfernung erkannt werden: Eine Echtzeit-Gesichtserkennung analysiert mehrere Männer. (Archivbild)

Personen sollen mit der neuen Technik aus einem Kilometer Entfernung erkannt werden: Eine Echtzeit-Gesichtserkennung analysiert mehrere Männer. (Archivbild) Bild: AFP

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Vergangenen Monat thematisierte Jennifer Lynch, Anwältin der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF), in einem Beitrag von der Öffentlichkeit kaum beachtete Datenbanken, in welchen diverse US-Behörden nach biometrischen Daten von US-Bürgern suchen können.

Auf «Networkworld» beschrieb Lynch Kameras, welche das National Institute of Justice einsetze und welche mittlerweile fähig sein sollen, Personen aus einer Entfernung von 1000 Metern zu erkennen und die Informationen an eigene Server zu transferieren. Und weiter: Die Grenzen der biometrischen Erkennung sind längst gesprengt, schreibt Gulli.com: Mittlerweile sei in den USA Software im Einsatz, welche Menschen anhand typischer Kleidung identifizieren könne und speichere, wer zu welcher Uhrzeit mit wem gesehen werde.

Datenzentrale gehört zu FBI-Projekt

Die EFF hat ausserdem Unterlagen veröffentlicht, welche belegen, dass die amerikanische Bundespolizei FBI in den nächsten zwei Jahren in einer zentralen Datenbank zwölf Millionen Porträts speichern will. Informationen von «Spiegel online» zufolge gehört diese Datenzentrale zu einem FBI-Projekt namens Next Generation Identification (NGI), das es erlaube, auf Fotos, Iris-Scans und Fingerabdrücke zuzugreifen. Laut einem von der EFF publizierten Dokument («Hawaii Memorandum of Understanding (MOU) with FBI for Face Recognition Fotos») muss kein krimineller Hintergrund vorliegen, um von dieser Datenbank erfasst zu werden. Die EFF fürchtet, so «Spiegel online», «dass auf Basis derart umfassender Genehmigungen auch Fotos aus öffentlich zugänglichen Quellen in die Datenbank aufgenommen werden könnten».

Eine solche Quelle könnte Facebook sein – das Netzwerk also, das selber einige Erfahrung mit Gesichtserkennungssoftware hat. Diese wurde vor einem Jahr auch in der Schweiz aktiviert. Die Funktion ist standardmässig eingeschaltet. Wer nicht will, dass der eigene Name den Facebook-Freunden in deren Bildern automatisch zum Markieren vorgeschlagen wird, muss selber aktiv werden (siehe Anleitung in der linken Spalte).

Widerstand aus Skandinavien

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, wird der Widerstand gegen dieses Tool immer grösser. Facebook habe «Fotos von vielen Hundert Millionen Menschen. Wir müssen mit Facebook über dieses Material in ihrer Datenbank sprechen», wird Norwegens oberster Datenschützer Björn Erik Thon zitiert. Die Gesichtserkennung sei ein mächtiges Werkzeug, und es sei überhaupt nicht klar, «wie das alles funktioniert».

Da das europäische Facebook-Geschäft von Irland aus gelenkt wird, ist Thon an die zuständige irische Datenschutzbehörde gelangt. Sowohl Bloomberg als auch das IT-Portal «Zdnet» sprechen in diesem Zusammenhang von Ermittlungen respektive Untersuchungen. Ein Facebook-Sprecher dementiert dies jedoch gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: Richtig sei, dass man regelmässig mit den verschiedenen Behörden in Kontakt sei. Die Gesichtserkennung sei datenschutzrechtlich unbedenklich, und dem Nutzer werde klar kommuniziert, dass er diese jederzeit deaktivieren könne.

«...dann werden wir einen solchen Schritt prüfen»

Wird auch die Schweiz aktiv? Der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte lässt sich nicht in die Karten blicken. «Wir sind in Sachen Facebook mit verschiedenen europäischen Datenschutzbehörden in Kontakt und verfolgen die verschiedenen Entwicklungen», sagt Hanspeter Thür auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Gemäss seinen Abklärungen sei es schwierig, «Facebook in der Schweiz ins Recht zu fassen». Sollten die Abklärungen der norwegischen Behörde allerdings zu einer erfolgreichen Intervention führen, «werden wir einen solchen Schritt auch für die Schweiz prüfen».

Dessen ungeachtet investiert das weltgrösste Online-Netzwerk weiter Millionen in die Technik. Mitte Juni gab Firmenchef Mark Zuckerberg den Kauf von Face.com bekannt – der israelische Gesichtserkennungsspezialist hat laut eigenen Angaben bis heute Hunderte Millionen von Fotos mit Markierungen versehen. Das Unternehmen kann neben der Identität von Nutzern auch Geschlecht und Alter von Personen in Fotos erkennen (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Erstellt: 08.08.2012, 08:49 Uhr

So deaktivieren Sie die Gesichtserkennung auf Facebook


  • Oben rechts in Ihrem Konto auf den Pfeil klicken und «Privatsphäre-Einstellungen» auswählen.

  • Dann auf «Profil und Markieren» klicken.

  • Dann bei «Wer kann Markierungsvorschläge sehen, wenn Fotos hochgeladen werden, die dir ähneln» von «Freunde» auf «Niemand» wechseln.

Sicherheit in Netzwerken

Jugendliche sollen private Daten und Fotos nicht bedenkenlos in den sozialen Netzwerken im Internet veröffentlichen. Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) hat am Dienstag eine Checkliste veröffentlicht, um die jungen Internetnutzer zu sensibilisieren.

Sie soll es den Jugendlichen ermöglichen, ihre Daten und Bilder besser gegen Missbrauch zu schützen, teilte die SKP mit.

Die Liste klärt die Jugendlichen über die Funktionsweise der sozialen Netzwerke auf. So erinnert sie daran, dass Seiten wie etwa Facebook nichts vergessen; dass sich Informationen über ein Netzwerk rasend schnell verbreiten können und dass Virtuelles plötzlich auch in der Realität eine Wirkung haben kann.

«Wir hoffen, dass die meisten Jugendlichen sich vor dem Posting ihrer Daten überlegen, welche Informationen sie mit der Öffentlichkeit teilen wollen», schreibt die SKP. Damit würden die Auswirkungen von Cybermobbing und sexuellen Übergriffen, die auf Grundlage der veröffentlichten Daten und Fotos erfolgten, verhindert.

Die SKP gibt den Jugendlichen mit der Checkliste zudem konkrete Handlungsanweisungen: «Nutzen Sie die Sicherheitseinstellungen; löschen Sie unerwünschte Einträge; reagieren Sie nicht auf Attacken oder Belästigungen und melden Sie unliebsame Begegnungen in den sozialen Netzwerken.» (SDA)

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