Cookies löschen genügt nicht mehr

Canvas Fingerprinting heisst eine Tracking-Technik, die das Onlineverhalten eines Nutzers registriert und ein Profil erstellt. Auch auf Schweizer Seiten ist sie bereits im Einsatz.

Digitaler Fingerabdruck: Im Internet surfen hinterlässt Spuren. (Symbolbild)

Digitaler Fingerabdruck: Im Internet surfen hinterlässt Spuren. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Werbeunternehmen sind sehr interessiert daran, welche Internetseiten potenzielle Kunden aufrufen. Bisher taten sie dies meistens mit Cookies. Wer die Spuren verwischen wollte, konnte dies mit wenigen Mausklicks tun.

Nun haben Wissenschaftler in einer Studie aufzeigen können, dass Werbefirmen auf wesentlich ausgefeiltere Techniken zugreifen, um ein Profil eines Nutzers zeichnen zu können.

Die Forscher der amerikanischen Princeton-Universität und der belgischen Katholischen Universität Leuven haben im Mai die laut dem Internetranglistendienst Alexa 100'000 meistbesuchten Internetseiten der Welt mit einem präparierten Browser untersucht. Das Resultat der Suche war, dass auf ungefähr 5500 der 100'000 Seiten die sogenannte Canvas-Fingerprinting-Technik eingesetzt wurde. Betroffen sind Nachrichtenseiten, Internetseiten von Regierungen sowie Erotikportale – kurz: alle möglichen Sorten von Internetseiten. Auch prominente Schweizer Seiten wie zum Beispiel RTS.ch, Deindeal.ch oder Ticketcorner.ch sind auf der Liste zu finden.

Blitzschnelles, unsichtbares Profiling

Das bei Experten bereits seit zwei Jahren bekannte Canvas Fingerprinting nutzt eine Programmschnittstelle von Internetbrowsern für die Erstellung des digitalen Fingerabdrucks. Das System fordert zum Beispiel den Internet Explorer oder Firefox auf, ein Bild zu zeichnen. Es werden Informationen wie die Art des Betriebssystems, installierte Schriftarten oder die ausgewählte Bildschirmauflösung abgefragt. Dies geschieht innerhalb von Millisekunden und ohne dass es der Nutzer mitbekommt. Das erstellte Bild kann als Code aus Zahlen und Buchstaben dargestellt werden.

Der digitale Fingerabdruck wird gemäss der Studie vor allem von der amerikanischen Firma Addthis genutzt. Der Bookmarking-Dienst gab gegenüber dem amerikanischen Internetmedium Propublica bekannt, dass es auf der Suche nach einem Ersatz für Cookies sei.

«Browserhersteller werden nachrüsten»

Laut Hannes Lubich, Informatikprofessor der Fachhochschule Nordwestschweiz, gibt es momentan kaum Möglichkeiten sich vor dieser Art von «Tracking» zu schützen: «Es ist tatsächlich so, dass man diesem System im Moment ausgeliefert ist.» Addthis nutze einige sehr prominente Websites, gar ohne deren Wissen, sagt Lubich gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

«Das Abrufen der verwendeten Informationen bewegt sich in einer Grauzone. Man kann aber davon ausgehen, dass die verschiedenen Browserhersteller bald mit Plug-ins nachrüsten werden, um dieses Tracking zu unterbinden», erwartet Lubich. Dies wäre eine mögliche Lösung, um die Privatsphäre im Netz wieder besser schützen zu können. In dieser Branche habe immer eine Seite einen kleinen Vorsprung, der von der Gegenseite wieder wettgemacht werden müsse, ergänzt der Experte für Internetsicherheit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.07.2014, 12:43 Uhr

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