«Das Ein und Alles im Internet»

Google+ ist nicht nur eine Reaktion auf den Facebook-Boom. Es geht für Google auch darum, einen Einblick in das Leben der Menschen zu bekommen - die Voraussetzung dafür, dass Facebook in Schach gehalten werden kann.

Zukunft ungewiss: Noch ist Google+ in einer geschlossenen Testphase, Einladungen sind heiss begehrt.

Zukunft ungewiss: Noch ist Google+ in einer geschlossenen Testphase, Einladungen sind heiss begehrt. Bild: Keystone

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Google+ ist vielleicht der beste Ansatz, den Google bislang verfolgt hat. Dabei nimmt das Tool durchaus Anleihen bei Facebook, greift die Idee der Vernetzung der Menschen auf, gibt dem Nutzer aber gleichzeitig mehr Möglichkeiten, seine Privatsphäre und Daten zu schützen.

Noch ist Google+ in einer geschlossenen Testphase, Einladungen sind heiss begehrt. Deshalb ist es wohl auch noch zu früh zu sagen, ob Google+ den Erwartungen gerecht wird oder ob es wieder heisst: too little, too late (zu wenig, zu spät), so wie es Microsoft mit der Suchmaschine Bing erging.

Dabei geht es Google bislang auch ohne soziales Netzwerk ganz prima. Über die Suchmaschine laufen in den USA zwei Drittel aller Anfragen, in Europa ist der Marktanteil sogar noch höher. Der Umsatz dürfte in diesem Jahr bei mehr als 36 Milliarden Dollar liegen, das meiste kommt von den Textanzeigen, die neben den Suchergebnissen stehen.

Facebook sammelt Milliarden Informationen jeden Tag

Aber das Online-Verhalten ist im Wandel begriffen. Die Menschen verbringen mehr und mehr Zeit auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken, und sie verlassen sich immer häufiger bei Entscheidungen auf die Empfehlungen von Freunden. Von den 750 Millionen Nutzern, die Facebook inzwischen weltweit hat, ist rund die Hälfte jeden Tag in dem Netzwerk unterwegs.

Der frühere Google-Chef Eric Schmidt hat eingeräumt, dass das Unternehmen nicht schnell genug auf die Bedrohung durch Facebook reagiert hat. Sein Nachfolger, Google-Mitgründer Larry Page, hat den Aufbau eines sozialen Netzwerks zur Priorität erklärt.

Ein Pfund, mit dem Facebook wuchern kann, ist der riesige Berg an Informationen, die die Nutzer täglich untereinander austauschen. Vier Milliarden Einträge und Links sind es täglich. Facebook weiss, was die Menschen lesen, essen, sehen. Es weiss, wer mit wem befreundet ist, wer wem bei Empfehlungen vertraut. An diese Informationen kommt Google bislang nicht heran, kann sie auch nicht in seinem Suchindex erfassen, weil Facebook sie nicht weitergibt.

Stattdessen ist Facebook eine Partnerschaft mit Microsoft eingegangen.Suchmaschine Bing kann die Informationen aus Facebook bei der Erstellung der Trefferlisten berücksichtigen, was - zumindest in der Theorie - zu persönlicheren Ergebnissen führen kann. Das kann Google so nicht bieten.

Präzise Werbekampagnen angestrebt

Wenn Google nicht an ähnliche Daten kommt, dann ist das Unternehmen weiter auf seine Formel angewiesen, die die Bedeutung einer Website aus den Daten anderer Computer ermittelt. Das System kann aber manipuliert werden, was ja auch immer wieder geschieht. Die Suchergebnisse sind damit vielleicht nicht mehr so nützlich, was das Interesse der Werbung beeinträchtigen dürfte, zumal Facebook durch die persönlichen Daten höchst präzise Werbekampagnen ermöglicht.

Ein eigenes soziales Netzwerk, das ähnliche Daten liefert, könnte Google da helfen. Ein Erfolg von Google+ wäre zumindest «eine gute Lebensversicherung» für Google angesichts des Aufstiegs der sozialen Netzwerke, erklärt Danny Sullivan, Chefredakteur des Blogs Search Engine Land.

Es muss zu Google passen

Deshalb muss Google+ auch nicht notwendigerweise ein Facebook-Klon sein. «Google braucht eine soziale Strategie, die zu Google und der Art und Weise, wie die Menschen Google-Anwendungen nutzen, passt», erklärt die Analystin Susan Etlinger von Altimeter Group. «Das ist sehr unterschiedlich zu dem, wie Facebook genutzt wird.»

Facebook ist derzeit vor allem ein Treffpunkt. Die Menschen gehen dahin, um Statusmeldungen abzurufen, mit Freunden zu chatten oder um Fotos anzuschauen. Etwas Spezielles im Sinn haben sie dabei selten. Bei Google haben die Menschen hingegen ein konkretes Ziel, ob es die Suche nach dem nächsten Friseur oder das Versenden einer E-Mail ist. Googles Ziel müsse es deshalb sein, seine bestehenden Produkte so sozial wie möglich zu machen, da das Soziale die Norm im Internet sein werde, erklärt Etlinger. «Soziale Möglichkeiten werden das Ein und Alles im Internet sein».

Erstellt: 20.07.2011, 08:08 Uhr

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So genannte URL-Verkürzer haben zuletzt an Popularität gewonnen. Sie dienen dazu, komplizierte lange Internetadressen zu vermeiden und stattdessen einen möglichst kurzen Link anzugeben. Nützlich ist das zum Beispiel beim Kurzbotschaftendienst Twitter, wo die Länge der Mitteilungen auf 140 Zeichen begrenzt ist. (SDA)

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