Hintergrund

Das Ende von iTunes, iPod und der eigenen Musiksammlung?

Spotify hat ihn, Google und Apple wollen einen und Microsoft lanciert ihn: Einen Service, mit welchem Nutzer Millionen Songs streamen können. Der Verteilkampf um das Musikdatenstrom-Geschäft ist lanciert.

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An der Gamemesse E3 im Frühsommer präsentierte Microsoft Xbox Music: Mit Windows-Rechnern, -Tablets und -Smartphones sollen Nutzer 30 Millionen Lieder streamen oder herunterladen können.

Xbox Music ist vollständig cloudbasiert. Ganz egal ob kostenloses Streaming unter Windows 8, eine kostenpflichtige Mitgliedschaft unter Windows Phone 8 oder das Bearbeiten einer Playlist auf Xbox 360 – mit der Cloud-Anbindung von Xbox Music kann direkt auf den gesamten Katalog zugegriffen und die eigene Musiksammlung verwaltet werden. Dabei beschränken sich Änderungen an der Playlist nicht nur auf das jeweilige Endgerät – Playlisten können beispielsweise auf einem Windows-8-Tablet angelegt werden und stehen dank der automatischen Synchronisation auf allen Geräten zur Verfügung.

Via App auf Windows 8 vorinstalliert

Wann genau Xbox Music lanciert wird und wie viel der Dienst kostet, hat Redmond damals jedoch nicht kommuniziert. Jetzt liefert Microsoft einige Infos nach.

Xbox Music wird im Ende Oktober erscheinenden Windows 8 als App vorinstalliert sein. Der Streaming-Service kann – mit Werbung und einer 10-Stunden-Begrenzung pro Monat – gratis genutzt werden. Wer die App auch auf mobilen Devices wie Windows Phones (ab Version 8) und dem Tablet Surface sowie werbefrei nutzen will, zahlt 12.95 Franken monatlich. Dieses Angebot nennt sich Xbox Music Pass. Damit erhalten Besitzer des Xbox Music Pass auf Xbox 360 Zugang zu tausenden Musikvideos.

Xbox Music: Start bereits am Dienstag

Auf der Xbox 360 wird der Service bereits am Dienstag laufen, auf der restlichen Hardware ab dem 26. Oktober. Die Verfügbarkeit in der Schweiz via Xbox 360 ab dem 16. Oktober ist noch nicht sicher. «Ab morgen wird der Service in einzelnen Ländern auf der Xbox 360 ausgerollt, die volle Verfügbarkeit auf allen Devices ist aber erst am 26. Oktober sichergestellt», so Mila Dimic von Microsoft Schweiz.

Microsoft arbeitet gemäss den am 14. Oktober gelieferten Informationen zusätzlich an einer Xbox-Music-App für iOS- und Android-Geräte. Diese wird aber kaum vor 2013 verfügbar sein.

«Wir wollen den Dienst»

Aller Wahrscheinlichkeit nach kommt Redmond somit Apple zuvor, welches dem Vernehmen nach ebenfalls ins Streaming-Business einsteigen will. Ein hochrangiger Sony-Manager bestätigte Ende September gegenüber der «New York Times» entsprechende Pläne des iPhone-Herstellers mit den Worten: «Wir wollen den Dienst, wir wollen aber fair bezahlt werden.»

Vorreiter Spotify

Google dürfte noch weiter zurückliegen: Wie bereits gestern Sonntag berichtet, hat auch der Suchmaschinenriese das grosse Geschäft gewittert. Google schaue sich «den Markt sehr genau an. Google glaubt fest an das Streaming-Modell für den Zugang zu Musik», zitiert «Focus» Googles Direktor für digitale Inhalte, Jamie Rosenberg. Sein Unternehmen investiere stark in den Aufbau seines Angebotes von Musik, aber auch von Filmen unter der Marke Google Play.

Wie beliebt Musik-Streaming-Services sind, zeigen aktuelle Zahlen des Marktführers Spotify. Das Unternehmen hat derzeit 15 Millionen aktive Nutzer, die auf 18 Millionen Titel von über 300'000 Labels zugreifen können. Seit November 2011 haben Schweizer Nutzer rund 1,8 Millionen Spotify-Playlists erstellt. Vier Millionen Spotify-Kunden nutzen Premium- oder Unlimited-Modelle, zahlen also für die Nutzung (13 respektive 6.45 Franken pro Monat).

Physischer Besitz ist nicht mehr zentral

Laut einer vor zwei Monaten publizierten Untersuchung von Strategyanalytics.com wachsen die Umsätze von gestreamter Musik dieses Jahr fünfmal so stark wie der Download von Liedern. Weltweit mache die Musikindustrie 2012 mit Song-Streaming einen Umsatz von umgerechnet über einer Milliarde Franken.

«Zugänglichkeit und Verfügbarkeit», ist in der Zusammenfassung zu lesen, «werden von den Nutzern mehr geschätzt als der Besitz von digitaler Musik.» Vor allem Streamingdienste wie Spotify und Pandora würden das Wachstum in den nächsten Jahren antreiben, so Strategyanalytics.com. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.10.2012, 12:01 Uhr

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So funktioniert Xbox Music


In Windows 8 integriert: Xbox Music.
Quelle: Youtube

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