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Das Internet ist die Musikanlage

Neben Apple, Amazon und Spotify bietet seit kurzem auch Microsoft einen Dienst, der Musik aus der Cloud auf Laptops, Mobiltelefone und Spielkonsolen bringt. Eine Übersicht der wichtigsten Dienste.

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Die Musiksammlung überall dabei – das ist für viele längst Alltag. Dank des Internets spart man sich das kabelgebundene Synchronisieren von Computer und mobi­len Geräten. Cloud­dienste stellen Songs und Wiedergabelisten via Internet bereit, und dank der Online-Anbindung ergeben sich auch keine Probleme mehr, wenn die Musiksammlung grösser ist als die Speicher­kapazität vom Smartphone. Die eigene Musik wird nach Bedarf aus dem virtuellen Plattenregal geholt und auf dem gerade in Verwendung befind­lichen Gerät konsumiert.

Die Musikdienste erlauben es auch, die eigene Musiksammeltätigkeit ganz einzustellen. Streamingdienste fungieren als globale Jukebox und liefern ­Musik aus einem riesigen Repertoire (je nach Angebot 15 bis 30 Millionen Songs). Die Titel können nicht gespeichert werden, doch für kurzlebige Trends und die ­Musik als Gebrauchsware ist das auch gar nicht nötig – per Streaming hört man einen persönlichen Dudelfunk, bei dem man das Programm nach Lust und Laune steuert. Zur Nutzung in mobilen Apps ist ein kostenpflichtiges Abo notwendig.

Xbox Music

Microsoft hat den Dienst Mitte Oktober gestartet. Er vereint sämtliche Nutzungsmöglichkeiten: Per Streaming steht das ganze Repertoire offen, und zwar kostenlos. Der Katalog umfasst rund 30 Millionen Songs. Wer die Musik nach wie vor besitzen will, kann Titel oder Alben aus diesem Angebot käuflich erwerben. Schliesslich wird es möglich sein, die vorhandene Sammlung in die Cloud zu verfrachten. Titel, die in Microsofts Store vorhanden sind, müssen nicht hochgeladen werden. Die (ab nächstem Jahr verfügbare) Funktion namens «Scan and Match» stellt sie automatisch im Cloud-Speicher bereit.

Der «Smart DJ» will bei der Ent­deckung neuer Musik behilflich sein. Er findet anhand der vorhandenen Musik weitere passende Stücke und stellt ein massgeschneidertes Musikprogramm zusammen. Microsofts App ergänzt am PC und an der Spielkonsole die Musik­wieder­gabe nicht nur durch Cover- und Bandfotos, sondern auch durch Diskografien und Angaben zum Künstler. ­Legale kostenlose Streaming-Angebote finanzieren sich über Werbung. Auch bei Xbox Music in der Nutzung ohne Abo gibt es alle 15 bis 20 Minuten Unter­brecher­werbung. Für 12.95 Franken pro Monat erspart man sich diese, und man erhält Zugriff zu vielen Musikvideos.

Um den neuen Musikdienst zu nutzen, braucht man einen Windows-8-PC oder ein -Tablet, eine Xbox 360 oder ein Windows Phone 8. Bei Windows 7 und älter steht nur der Vorgängerdienst ­namens Zune Music (Zune.net) offen.

iTunes Match

Apples Dienst spediert die Musiksammlung in Apples iCloud-Datendienst. Die wolkige Musiksammlung spielt bei Macs und Windows-Rechnern in iTunes, ebenso auf iOS-Geräten in der Musik-App. Wiedergabelisten und Meta-Informationen wie die Playcounts (Anzahl Wiedergaben) und Be­wertungen werden abgeglichen. Im iTunes Store gekaufte Stücke müssen nicht hochgeladen werden.

Titel, die man selbst von CDs kopiert oder aus anderen Quellen hat und die in Apples Online-Musikladen verfügbar sind, stehen ebenfalls automatisch zur Verfügung, und zwar in hervorragender Qualität (als AAC-Datei mit 256 kbps), selbst wenn die Originaldatei minderer Güte ist. Ein Algorithmus analysiert analog zu «Scan and Match» die Musikdateien und erkennt, was in der iCloud bereits vorhanden ist. Stücke, die es dort nicht gibt, werden hochgeladen. Bis zu zehn Geräte werden synchro­nisiert; der Preis pro Jahr beträgt 35 Franken.

Amazon Cloud Player

Musik, die bei Amazon als MP3 gekauft wurde, ist automatisch verfügbar und lässt sich kostenlos direkt im Browser wiedergeben. Seit wenigen Wochen ist er auch in der Schweiz verfügbar. Bei der kostenlosen Nutzung darf man zusätzlich 250 Stücke hochladen, ein Abgleich mit dem Store wie bei iTunes Match findet jedoch nicht statt. Mit der Premium-Option für 25 Euro erhöht man die Kapazität auf 250'000 Stücke. Für iOS, Android und das Heim-Unterhaltungssystem Sonos existieren kostenlose Apps, die Musik aus dem Internet streamen und Titel zum Offline-Konsum aufs Gerät herunterladen. Wiedergabelisten können mit allen dazugehörenden Titeln in einem Rutsch geladen werden.

Spotify

Er stellt rund 18 Millionen Songs bereit und ist der populärste der Streaming-Dienste. Die Computersoftware integriert auch die lokale Sammlung. Ein Hochladen von Stücken, die im Repertoire von Spotify fehlen, ist aber nicht möglich. Um Spotify auf Mobil­geräten zu nutzen, braucht es ein Premium-Abo für 12.95 Franken im Monat. Musik nutzt man über Wieder­gabe­listen, bei denen man «eigene», gekaufte Titel mit solchen aus dem Streaming-Repertoire mischen kann.

Zur Entdeckung neuer Musik gibt es das Künstlerradio. Ausgehend von einem Titel oder Interpreten, strickt diese Funktion automatisch ein (mehr oder minder) stimmiges Musikprogramm. Es gibt auch die sogenannten Apps. Das sind Module innerhalb der Spotify-Software, die Musikmixes bereitstellen. Es gibt handverlesene Angebote und solche, die mit mehr oder weniger stilsicheren Algorithmen operieren. Streaming-Alternativen sind der französische Musikdienst Deezer und Simfy aus Deutschland. Ein Schweizer Dienst, der auf seine ausgeklügelte Vorschlagsfunktion setzt, ist Museeka.

Dropbox

Man kann sich eine Musikcloud auch selbst basteln: Dropbox synchronisiert übers Internet beliebige Dateien, nicht nur Musik. Es ist sowohl bei iTunes als auch bei Windows Media Player keine Hexerei, die Musiksammlung in den Dropbox-Ordner zu verschieben, wodurch sie zwischen allen mit der Dropbox verknüpften Computern abgeglichen wird. Musiktitel lassen sich im Browser abspielen. Für Mobilgeräte gibt es Wiedergabe-Apps, die auf die Dropbox zugreifen: Für Android kann man Dropbox Musik-Player verwenden, für iOS beispielsweise Tunebox. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.11.2012, 11:44 Uhr

Spotify: Musik im Blog

Der Musikdienst wurde 2006 in Schweden gestartet und kam vor genau einem Jahr in der Schweiz an. Der Dienst ist seit 2011 an Facebook gekoppelt, was der Spielart des «sozialen Musik-Streamings» Tür und Tor öffnete. In der Spotify-Software ist ersichtlich, welche Musik die Facebook-Freunde gerade hören, und auch der eigene Musik­konsum wird gnadenlos veröffentlicht, wenn man keine «Private Session» gestartet hat. Es ist möglich, seine Wiedergabelisten öffentlich zu machen oder anderen Nutzern im Facebook-Kreis Musikvorschläge zu unterbreiten. Seit April 2012 können Spotify-Wiedergabelisten über den «Spotify Play Button» auf Websites und in Blogs eingebunden werden – anhören kann man sie aber nur, wenn man selbst ein Benutzerkonto beim Musikdienst hat. (schü.)

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