Interview

«Das Swisscom-Angebot dürfte für viele Kunden interessanter sein»

Sunrise reagiert mit «Flat»-Abos auf die Swisscom-Angebote, mit denen sich unlimitiert innerhalb der Schweiz telefonieren und surfen lässt. Welches Angebot ist besser? Comparis-Experte Ralf Beyeler vergleicht.

Deren Angebote genau zu prüfen lohnt sich: Schweizer Mobiltelefonie-Anbieter (Bild: TA).

Deren Angebote genau zu prüfen lohnt sich: Schweizer Mobiltelefonie-Anbieter (Bild: TA).

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Am Montag hat Sunrise die Offensive der Swisscom bei Handyabos gekontert. Wie war Ihre Reaktion?
Ich war überrascht, dass Sunrise so schnell reagiert. In der Vergangenheit war Sunrise langsamer. Ich erinnere an die Offensive von Orange mit Orange Me, mit der auch Anrufe ins Ausland inklusive sind – es verging fast ein Jahr, bis Sunrise reagierte und eine Flat anbot, die auch Anrufe ins Ausland beinhaltet.

Im Gegensatz zur Swisscom wird Sunrise keine Unterscheidung nach Geschwindigkeit einführen. Welches Modell ist besser?
Die Unternehmen verfolgen unterschiedliche Ansätze. Für den Durchschnittskunden dürfte das Swisscom-Angebot einfacher sein. Der Kunde erhält für den monatlichen Betrag unlimitierte Kommunikation innerhalb der Schweiz. Die Kunden können ihr Handy in der Schweiz nutzen und müssen sich keine Sorgen machen, dass plötzlich hohe Kosten entstehen - man kann auch mal ein Video ansehen. Bei Sunrise ist es bei den teureren Flat-Abos (ab 90 Franken) ähnlich. Grundsätzlich sind die Flat-Angebote zwar einfacher, aber für viele Kunden auch zu teuer.

Bis im Herbst soll das Tempo auf dem Sunrise-Handynetz auf bis zu 42 Megabit pro Sekunde ausgebaut werden, im nächsten Schritt peilt Sunrise 84 Mbit/s an. Zudem wird ab Ende Jahr schrittweise die vierte Mobilfunkgeneration LTE eingeführt, die noch höhere Geschwindigkeiten ermöglicht. Sunrise scheint gut eingestellt zu sein.
Das wird man sehen. Die wichtigste Frage ist: Wird Sunrise genügend investieren, um die Netzabdeckung zu verbessern? Bei unabhängigen Netztests hat Sunrise vergleichsweise schlecht abgeschnitten.

Sunrise-Chef Oliver Steil erwartet dank der neuen Tarifstruktur einen Kundenansturm.
Ich bin skeptisch. Das Swisscom-Angebot dürfte für viele Kunden interessanter sein. Wer mit 1 MBit/s leben kann, erhält bei Swisscom eine Flatrate für 75 Franken. Mit 7.2 MBit/s kostet es bei Swisscom 99 Franken. Das ist nicht viel mehr als die 90 Franken, die Sunrise verlangt.

Das Sunrise-Internet ist aber schneller.
Theoretisch. Aber in der Praxis dürften die Unterschiede gering sein. Ich zum Beispiel habe ein Smartphone, das theoretisch 21 MBit/s übertragen könnte. Ich habe es soeben ausprobiert und über das Sunrise-Netz wurden effektiv 1,5 MBit/s übertragen, ich war also 14-mal langsamer unterwegs als die theoretische Maximalgeschwindigkeit.

Was kommt nun auf Orange zu, den dritten grossen Player im Markt?
Orange muss antworten. Orange ist teurer als Sunrise und Swisscom. Wahrscheinlich wird Orange die Tarife von Orange Me anpassen.

«Wird Telefonieren bald gratis?» titelt der «Blick».
Weshalb sollte Telefonieren gratis werden? Die Anbieter müssen ein Netz betrieben und das kostet.

Apropos Kosten: Die Einführung von Pauschaltarifen für SMS und Telefonie ist ein Indiz dafür, dass die Einnahmen im Telefonbusiness wegbrechen.
Sagen wir es so: Verglichen mit der Belastung der Netze verdienten die Telcos am Datenverkehr wenig. Deshalb müssen Swisscom, Sunrise und Orange überlegen, wie sie ihre Einnahmen sichern können. Ihre Hoffnung ist, dass die Kunden grössere Pakete kaufen und die Anbieter damit mehr verdienen. Die grosse Stärke der Mobilfunkprovider: Sie besitzen die Netze, über welche die Kunden das Internet nutzen. Dies im Gegensatz zu Apple, Skype und WhatsApp.

Smartphones sind Absatzträger und generieren Abos. Andererseits torpedieren Multimediageräte mit Apps wie WhatsApp oder Skype das Telefoniegeschäft.
Trotzdem sind die Smartphones für die Anbieter wichtig: Denn viele Kunden kaufen so Pakete, die sie sonst nie kaufen würden. Der Anbieter muss einfach darauf achten, dass er das Internet nicht zu günstig verkauft.

Wenn Telefonieren mit dem Handy immer günstiger wird, fällt die Festnetztelefonie dann irgendwann weg?
Nein, es gibt genügend Leute, welche die gute Gesprächsqualität des Festnetzes nicht aufgeben wollen. Und viele Kunden bezahlen für Anrufe auf Handys mehr als für Anrufe auf Festnetztelefone.

Erstellt: 03.07.2012, 17:33 Uhr

Ralf Beyeler ist Telekom-Experte beim Vergleichsdienst Comparis.ch.

Sunrise-Geschäftsführer Oliver Steil erklärt die neuen Preise. (Video: Keystone)

«Weshalb sollte Telefonieren gratis werden? Die Anbieter müssen ein Netz betreiben und das kostet», sagt Telekomexperte Ralf Beyeler. (Bild: Keystone )

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