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Das anachronistische Spielvergnügen

Textabenteuer werden in Fernsehserien und in Romanen gefeiert und sind aus der Nerd-Kultur nicht mehr wegzudenken. Wie man sie kostenlos im Browser spielt.

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Der leistungsfähigste Grafikchip der Welt sei die menschliche Vorstellungskraft, behauptet Sheldon Cooper in der Nerd-Serie «The Big Bang Theory». Er argumentiert für eine inzwischen mehr als anachronistisch anmutende Spielgattung, nämlich das Text-Adventure.

Während moderne Titel wie «GTA V» ganze Städte perfekt simulieren, kämpft man sich in Dialogform durch Klassiker wie «Zork». Das Geschehen wird durch Anweisungen wie «Gehe nach Westen» in Gang gebracht. Das Spiel reagiert mit einem Situationsbeschrieb wie «Du stehst vor einem weissen Haus mit einer vernagelten Eingangstür. Es gibt einen Briefkasten». Darauf gibt es natürlich nur eine sinnvolle Handlungsoption. Nämlich die Eingabe «Öffne den Briefkasten!».

Das Spiel im Spiel

«Zork» wurde von 1977 bis 1979 von den beiden Studenten Marc Blank und Dave Lebling am MIT entwickelt. Die Macher des 2010er-Titels «Call of Duty: Black Ops» huldigen dem Wegbereiter, indem sie im Menü einen Weg zu einem alten, flimmernden Fernseher eröffnen, über den man mit der Eingabe «Zork» in dem Spiel im Spiel landet.

Der erste Vertreter seiner Art war «Colossal Cave Adventure» oder kurz «Adventure», der auch gleich dem Genre der Abenteuerspiele seinen Namen geliehen hat. Es weist die typischen Elemente auf, indem der Spieler Gegenstände findet, im Gespräch mit Figuren Informationen sammelt, Rätsel löst und sich dem Finale entgegenarbeitet. Typischerweise gibt es amüsante Charaktere und witzige Dialoge, und oft liegt der Schlüssel zum Erfolg in der möglichst geschickten Handhabung des Inventars.

«Colossal Cave Adventure» stammt vom Informatiker und Höhlenforscher William Crowther und wurde 1976 entwickelt. Das Spiel verwendet die Tropfsteinhöhlensysteme Kentuckys als Schauplatz. Ursprünglich als interaktives Informationsarchiv über die miteinander verbundenen Höhlenräume gedacht, wurde es um Schätze, Labyrinthe und Rätsel erweitert und zur Schatzsuche umgemünzt.

Die Geburtsstunde von Leisure Suit Larry

«Adventure» wiederum inspirierte den Entwickler Chuck Benton 1981 zu «Softporn Adventure», einem Spiel für Erwachsene, aus dem sechs Jahre später der berühmt-berüchtigte Frauenheld Leisure Suit Larry hervorgegangen ist. Dass trotz fehlender Grafik komplexe Spielmechaniken möglich sind, zeigte Michael Berlyn 1983 mit seinem Titel «Suspended: A Cryogenic Nightmare»: Der Spieler ist im Kälteschlaf gefangen und agiert nur mithilfe von Robotern. Der Clou ist, dass die Roboter über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen. Nur ein Roboter verfügt über Kameras, er ist jedoch nur sehr beschränkt mobil. Ein anderer Roboter kann dank Echolot die Umgebung erkunden, ein dritter mittels Mikrofonen Geräusche auffangen und ein anderer beherrscht die Kommunikation.

Interaktive Fiktion zelebrieren

In der Nerd-Kultur geniessen Textabenteuer längst Kultstatus – nicht zuletzt dank Romanen wie «Ready Player One» von Ernest Cline. In Letzterem wurde die urtümliche Spielmechanik geradezu zelebriert. Unter dem Stichwort «interaktive Fiktion» gibt es unter Ifwizz.de eine Datenbank mit mehr als 3800 Textabenteuern in 13 Sprachen. Nebst Englisch und Deutsch sind unter anderem auch Französisch und Italienisch vertreten. Die meisten der Games sind frei online spielbar, natürlich meistens direkt im Browser – denn nennenswerte Systemanforderungen kennt dieses Gerne nicht.

Die Website informiert im Blog über aktuelle Geschehnisse und über Autorensysteme, mit deren Hilfe man eine eigene interaktive Fiktion schreibt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2013, 09:02 Uhr

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