Der Social Graph findet Intimes in den Tiefen von Facebook

Facebook schaltet derzeit nach und nach seine neue Suchfunktion frei: den Social Graph. Was die neue Funktion alles aufspürt und wie Sie sich davor schützen.

Neues Tool für sein Netzwerk: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Neues Tool für sein Netzwerk: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Bild: AFP

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Der Social Graph durchsucht sämtliche Daten seiner Nutzer - und kann unter Umständen Unerwünschtes und längst Vergessenes aus der Facebook-Vergangenheit der Nutzer hervorkramen. Dagegen helfen konsequent strikte Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre im sozialen Netzwerk.

Was ist der Social Graph?
Die Suchfunktion soll passende Antworten auf Fragen der Facebook-Nutzer liefern, indem sie Daten der Nutzer und ihrer Freunde auswertet. Die Suchmaschine antwortet auf Fragen wie: «Wo ist das beste indische Restaurant in Berlin?» oder «Freunde von Freunden in Berlin, die Tennis mögen?»

Wer kann die neue Facebook-Suchmaschine nutzen?
Die Suche wird seit dieser Woche nach und nach für Nutzer freigeschaltet, die in Facebook «US English» als Sprache eingestellt haben. Eine deutsche Version soll folgen, es ist aber noch unklar, wann sie kommt. Die meisten Nutzer werden irgendwann von Facebook nach dem Einloggen darauf hingewiesen werden, dass sie auf die neue Suchmaschine umstellen können. Wer nicht darauf warten will, kann die Funktion auf Facebook nach dem Einloggen freischalten.

Wer und was ist mit dem Social Graph zu finden?
Im Prinzip alle Facebook-Nutzer und alles, was sie je in dem sozialen Netzwerk veröffentlicht haben. Dies wird aber nicht immer und jedem auch als Suchergebnis angezeigt: In der Ergebnisliste taucht nur auf, was Nutzer als «öffentlich» einsehbar markiert oder was sie für ihre Freunde und Bekannten freigegeben haben. Das heisst: Angezeigt wird nur das, was bislang auch schon einsehbar war - aber vorher war es nicht so einfach zu finden. Zusätzlich werden teilweise Suchergebnisse der Microsoft-Suchmaschine Bing angezeigt.

Was ist das Kritische daran?
Viele Menschen geben auf Facebook unbedacht Details aus ihrem Privatleben preis oder verhindern nicht, dass dies andere tun. Das liegt teils auch daran, dass die Datenschutz-Einstellungen bei Facebook standardmässig eher lasch sind. Möglich sind Anfragen wie «Arbeitgeber von Menschen, die die NPD mögen?» oder «Verheiratete Menschen, die Prostituierte mögen».

Wie kann ich meine Daten schützen?
Facebook weist seine Nutzer nach dem Einloggen zumindest einmal darauf hin, dass sie ihre Privatsphäre-Einstellungen überprüfen sollten, da nun Social Graph verfügbar ist. Das sollten die Nutzer des sozialen Netzwerks aber ohnehin regelmässig tun. Dafür reicht ein Klick auf das kleine Schlosssymbol in der Leiste links oben. Am besten ist es, hier auf «See More Settings» zu klicken, um die Einstellungen noch genauer regeln zu können.

Was muss ich in der Zukunft beachten?
Nutzer sollten sich bei den Privatsphäre-Einstellungen genau überlegen, was sie für Freunde freigeben und was sie nur für sich selbst sichtbar machen wollen. Datenschützer raten davon ab, Daten komplett öffentlich zu machen. Unabhängig von den generellen Einstellungen können einzelne Statusaktualisierungen oder Fotos auch immer nur für einen eingeschränkten Kreis freigegeben werden, etwa nur die besten Freunde oder nur die Familie.

Was ist mit meinen bisherigen Daten?
In den Privatsphäre-Einstellungen ist es auch möglich, die Sichtbarkeit von bisherigen Daten zu beschränken. Die Nutzer müssen dafür auf «Möchtest du das Publikum für Beiträge einschränken, die du mit Freunden von Freunden oder öffentlich geteilt hast?» (englisch: «Limit the audience for posts you've shared with friends of friends or public») klicken. Besonders wichtig ist es, noch einmal die Einstellungen für schon veröffentlichte Fotos zu überprüfen, denn die sind nun besonders leicht auffindbar. Auch unachtsam verteilte «Likes» sollten Facebook-Nutzer noch einmal prüfen. Wer wissen will, was andere Nutzer von ihm sehen können, klickt auf «Was sehen andere Personen in meiner Chronik?» (englisch: «What do other people see on my timeline?»). (AFP)

Erstellt: 13.07.2013, 11:34 Uhr

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