Hintergrund

Der Soundtrack des Internets

Der Streaming-Service Spotify ist erst der Anfang. Apple, Microsoft, Amazon und Co. wittern in der Download-Alternative das grosse Geschäft. Und nicht nur sie. Das finden sogar die Internetpiraten toll.

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Im November 2011 ging Spotify in der Schweiz an den Start. Wie viele den Musikdienst in der Schweiz nutzen, gibt das Unternehmen nicht bekannt. Kommuniziert werden nur die globalen Zahlen. Diese aber sind durchaus ansprechend: Weltweit gibt es 15 Millionen Nutzer, vier Millionen davon sind zahlende Abonnenten. Neben der Schweiz ist der vor sechs Jahren in Stockholm entwickelte Dienst in 14 weiteren Ländern verfügbar.

Der schwedische Musikdienst kann auf starke Partner zurückgreifen. Im April gab Coca-Cola die Zusammenarbeit mit Spotify bekannt (unter anderem wird Spotify auf der Facebook-Seite des Getränkemultis eingebunden). Am Mittwoch verkündete nun Yahoo eine weltweite Kooperation mit Spotify: Der Streaming-Anbieter wird in das 700 Millionen Menschen umfassende Netzwerk der Suchmaschine integriert. So können künftig Nutzer mit dem Play-Button von Spotify Musik hören, während sie auf Yahoo-Sites surfen. Quasi als Gegenleistung entwickelt Yahoo eine Spotify-App, die den Musikkonsumenten Inhalte aus dem Entertainment-Bereich liefert.

Der Unterschied zum Downloaden

Spotify ist ein sogenannter Streaming-Dienst. Was heisst das? Anders als beim Downloaden von Musik werden beim Streamen nicht komplette Songdateien auf den Computer heruntergeladen, sondern gelangen schubweise im sogenannten Store-and-Forward-Verfahren auf die entsprechenden Geräte. Der Unterschied zum Download ist also, dass bei einem kontinuierlichen Datenstrom dieser nicht beendet sein muss, bevor die übertragenen Inhalte (Musik, Videos) von einem Computer weiterverarbeitet werden können.

Die IT-Riesen mischen mit

Über die Nutzung von Streaming-Diensten in der Schweiz schweigt sich die Ifpi, der Dachverband der Ton- und Tonbildträgerhersteller, aus. Anders das Pendant in Deutschland: Laut einer Umfrage des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) ist jeder fünfte Internetnutzer auf Streaming-Sites wie Spotify und Co. aktiv. Kostenfreie oder kostenpflichtige Musikangebote aus dem Internet (Downloads inklusive) nutzen einer aktuellen Studie des Hightech-Verbands Bitkom zufolge sogar 47 Prozent.

Dies ist erst der Anfang. Die Nutzerzahlen von Musik-Streaming-Services dürften bald explosionsartig ansteigen. Denn die Grossen der IT-Industrie lancieren in den nächsten Monaten entsprechende Dienste respektive bauen sie aus.

  • Microsoft stellte an der Gamemesse E3 Xbox Music vor. Via Windows-Computer, -Tablets und -Smartphones können Nutzer künftig 30 Millionen Lieder streamen. Wann genau Xbox Music lanciert wird und wie viel der Dienst kostet, hat Redmond bislang nicht kommuniziert.
  • Apple wiederum baut iTunes Match aus. Apples Musik-Streaming-Service ist seit iOS 5 auf Mac und PC verfügbar (Kostenpunkt: 35 Franken pro Jahr) und kommt mit dem Start von iOS 6 im Herbst auf das iPhone und das iPad. Musste in iTunes verfügbare Musik auf diesen Geräten bislang heruntergeladen werden, so unterstützt iTunes Match in iOS 6 nun das Streaming der Musikstücke aus der iCloud (siehe dazu das Video hier).
  • Google Play Music – im Herbst 2011 als Google Music gestartet – funktioniert ähnlich. Offiziell ist Googles Musik-Streaming-Service nur in den USA verfügbar. Wer von der Schweiz aus auf die Musik-Cloud zugreifen will, muss tricksen (siehe die Anleitung hier).

Für Denis Simonet, ehemaliger Präsident der Piratenpartei Schweiz, ist diese Entwicklung zukunftsträchtig – unter einer Bedingung. «Streaming-Dienste müssen unkomplizierte Bezahlmöglichkeiten bieten.» Das Stichwort heisse Kundenfreundlichkeit: «Es muss einfach sein, Geld auszugeben. Wenn sich die Musikindustrie auf die neuen Technologien einlässt und diese für sich nutzt, könnte sie neue Geschäftsmodelle entwickeln, welche die Vorteile des Internets für sich nutzen.»

Musiker, welche sich gegen diese Dienste wehren, versteht Simonet nicht: «Sie jammern, dass pro gestreamten Song wenig Geld reinkommt. Aber das ist immerhin mehr als vorher – mehr als nichts – und es beweist, dass die Internetnutzer sehr wohl bereit sind, in Zeiten des Downloads und Filesharings Geld für Musik auszugeben.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.06.2012, 10:38 Uhr

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So streamt man Musik

Bei Spotify werden Songs via Internet gestreamt, können aber nicht lokal gespeichert werden. Zum Musikhören verwendet man eine Anwendung für Windows, Mac OS X oder Linux. Die Software importiert ausserdem die auf dem eigenen PC vorhandene Musiksammlung, sodass sich eigene Tracks und gestreamte Titel beliebig mischen lassen.

Das Basisangebot von Spotify ist gratis. Es gibt bei diesem Abo namens Open allerdings Werbung zu hören.
Mit dem Premium-Abo für 12.95 Franken pro Monat lässt sich Musik ohne Internetverbindung auf iPhones, Android-Handys, Blackberrys und Windows- sowie Mac-OS-X-Geräten hören, da die Titel zwischengespeichert werden. Songs werden mit diesem Abo in der hohen Bitrate von 320 kbps geliefert, und das Zeitlimit von zehn Stunden pro Monat fällt weg (in den ersten sechs Monaten können auch Nutzer des Open-Angebots unlimitiert Musik konsumieren). Ohne Werbung und Zeitlimit kann man Spotify auch über das Unlimited-Abo für monatlich 6.45 Franken nutzen.

Spotify ist nicht der einzige Dienst dieser Art:
Die Schweizer Musiksuchmaschine Museeka.com bietet kostenlos unlimitiertes Streaming.
Sogar ohne Benutzerkonto lässt sich auf Grooveshark.com und Mflow.com direkt im Browser Musik hören.
Auf Jamendo.com gibt es alternative Musik mit Creative-Commons-Lizenz zum Herunterladen.
Auf Musicovery.com kann man Musik nach Stimmung auswählen – indem man den Mauszeiger in einer Matrix zwischen den vier Polen energetisch, positiv, dunkel und ruhig positioniert.
Matthias Schüssler

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