Hintergrund

«Der Wahlkampf war auf Twitter ernüchternd»

Wie wichtig waren Facebook und Twitter im Wahlkampf? Experten halten die im Trend liegenden Internetplattformen für überschätzt.

Keine politische Relevanz: Im Wahlkampf 2011 spielte Facebook nur eine marginale Rolle.

Keine politische Relevanz: Im Wahlkampf 2011 spielte Facebook nur eine marginale Rolle. Bild: Keystone

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CVP-Politiker Urs Hany schaffte die Wahl in den Nationalrat knapp nicht. Der Zürcher Politiker war in sozialen Medien nicht präsent. «Ich finde solche Sachen oberflächlich, und ich hätte dafür auch gar keine Zeit», sagte er dem «Tages-Anzeiger» jüngst. SP-Politiker Matthias Aebischer schaffte die Wahl in den Nationalrat. Der Berner Politiker war auf Twitter und Facebook sehr aktiv. «Ich bin wohl gerade gewählt worden, weil ich innert kürzester Zeit ein Social-Media-Netz aufbaute, das bestens funktioniert», meint Aebischer.

Zwei Politiker, zwei unterschiedliche Wahlschicksale. Aber wie wichtig waren Twitter und Facebook im Wahlkampf tatsächlich? Konnten Schweizer Politiker über die neuen Kanäle ihre Wähler mobilisieren?

Keinen spürbaren Einfluss

«Nein», sagen verschiedene Experten. Das einhellige Verdikt lautet: Social Media hatten keine wahlentscheidende Funktion. Nur eine Handvoll gewählte National- und Ständeräte waren in Social Media ernsthaft präsent. Sie hätten keinen spürbaren Einfluss gehabt.

Politikberater Mark Balsiger sagt: «Der Wahlkampf war auf Twitter und Facebook ernüchternd, ja konsternierend.» Die wenigsten Politiker verstünden die Mechanismen. Die Mehrheit der Volksvertreter hätte die Kanäle stiefmütterlich behandelt, auch weil die Zeit dafür chronisch fehlte. Die Chance des glaubwürdigen Dialogs sei praktisch nicht umgesetzt worden. Balsiger sagt: «Viele Politiker betrachten Social Media immer noch als Einwegkommunikation.»

Tiefe Kompetenz in Social Media

Auch der führende Social-Media-Experte Thomas Hutter stellt ein ähnliches Zeugnis aus: «Unsere Politiker haben eine viel zu tiefe Kompetenz in Social Media. Viele haben nicht verstanden, dass eine reine Präsenz in Social Media nicht ausreicht.» Die meisten Politiker hätten es verpasst, Reichweiten aufzubauen. Das Einrichten einer Facebookseite, eines Twitterprofils und das Schalten von Werbung auf diesen Plattformen allein reiche nicht aus, meint Hutter.

«Social Media haben im Wahlkampf noch eine kleine Rolle gespielt», sagt PR-Profi Kaspar Loeb. Einzig Kandidaten und Kandidatinnen der Web-2.0-Generation wie Natalie Rickli (SVP) oder Balthasar Glättli (Grüne) hätten mit ihrem Twitter- und Facebook-Einsatz mit Sicherheit ein paar junge Wähler mobilisieren können. Die grosse Mehrheit habe von Social Media allerdings kaum Notiz genommen. Matchentscheidend würden die im Trend liegenden Kommunikationskanäle in den kommenden Wahlen, sicher aber in acht Jahren werden. Derzeit stehe man erst am Anfang der Entwicklung. Die Nutzung des Mediums müsse erst gelernt werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.10.2011, 20:05 Uhr

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