Der sicherste Browser der Welt

Eine der gefährlichsten Tätigkeiten am Computer ist das Surfen. Eine raffinierte Lösung aus Deutschland macht sie um Welten risikoärmer.

Kein Browser ist hundertprozentig sicher. Doch bei diesem hier liegen die Hürden für eine Schadsoftware hoch.
Video: Matthias Schüssler

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Beim Schutz vor Viren, Würmern und Trojanern kommt dem Browser eine Schlüsselrolle zu. Die Schwachstellen im Browser sind zwar nicht die einzigen Wege, über die schädliche Programme auf den Computer finden. Aber sie werden von Cyberkriminellen gerne und oft für Angriffe gewählt. Denn für einen Drive-by-Download reicht es schon, dass man als Internetnutzer eine verseuchte Website aufruft. Etwas anzuklicken oder herunterzuladen, ist für diese Infektionsmethode nicht notwendig. Und da Schadsoftware auch schon über infizierte Werbebanner ausgeliefert wurde, können sich Schadprogramme selbst über seriöse und eigentlich sichere Webangebote verbreiten.

Gehärteter Browser

Der Browser in the Box ist ein «gehärtetes» Surfprogramm, das die Hürden für Schadprogramme beträchtlich erhöht. Es wird im Auftrag des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelt, und sein Schutzmechanismus ist einleuchtend: Dieser Browser wird nicht ungeschützt zusammen mit allen anderen Anwendungen ausgeführt, sondern in eine sichere Umgebung verlagert. Wenn eine Schadsoftware es schafft, via Browser auf den Computer zu gelangen, dann ist sie noch längst nicht am Ziel: Um das Betriebssystem zu infizieren und Dateien zu beschädigen oder anderes Unheil anzustellen, müsste sie erst aus der sicheren Umgebung ausbrechen und auf Windows überspringen.

Die sichere Firefox-Variante sieht nicht ganz Windows-like aus.

Das ist zwar nicht ganz unmöglich, aber sehr schwierig. Denn der sichere Browser läuft unter dem freien Betriebssystem Linux, und das ist für Windows-Viren immun. Für technisch Interessierte: Zum Einsatz kommt eine angepasste Version der Virtualisierungssoftware Virtualbox und ein aufs Nötigste reduziertes, ebenfalls auf Sicherheit getrimmtes Debian-Linux. Der Browser selbst ist entweder Firefox oder Google Chrome, je nachdem, welche der beiden verfügbaren Varianten man installiert.

Optisch ein Aussenseiter

Diese Linux-Herkunft sieht man dem Browser an: Menüs und Programmoberfläche sehen etwas anders aus als bei den normalen Windows-Programmen. Die Verwendung unterscheidet sich jedoch nicht gross von Firefox oder Google Chrome, und es gibt auch keine funktionellen Einschränkungen. Doch wenn Dateien zwischen der sicheren Umgebung und dem Betriebssystem ausgetauscht werden müssen, wird es teilweise etwas umständlicher:

Fürs Hochladen von Dateien muss man einen Trick kennen.

Das Herunterladen von Dateien funktioniert zwar fast genauso wie gewohnt, doch beim Hochladen von Dokumenten ins Netz muss man diese erst in die sichere Umgebung transferieren. Unser Video erklärt, wie das geht – und wie Sie es anstellen, dass Sie Ihre gewohnte Konfiguration und alle Lesezeichen auch im Browser in the Box zur Verfügung haben.

Das Video erläutert auch, wie sich der Standardmodus vom Expertenmodus unterscheidet und wann welche Option angebracht ist.

Komfortabel genug für den Dauereinsatz

Fazit: Der Browser in the Box (kurz auch Bitbox genannt) ist eine raffinierte Sicherheitslösung, die sich für besonders heikle Tätigkeiten wie das Online-Banking anbietet. Sie ist aber komfortabel genug für den Dauereinsatz: Internetnutzer mit hohem Sicherheitsbewusstsein können Bitbox auch als Standardbrowser einrichten. Einen gewissen Tribut fordert er allerdings. Die abgesicherte Umgebung ist ressourcenhungrig, und das führt am Laptop zu deutlich verkürzten Akkulaufzeiten. Nicht empfehlenswert ist der Einsatz, wenn die Virtualisierungssoftware Virtualbox im Einsatz steht: Sie wird während der Installation entfernt.

Der Browser-Sync sorgt dafür, dass im sicheren Browser keine Lesezeichen fehlen.

Es gibt Bitbox wie erwähnt in zwei Varianten: Die eine setzt auf Firefox, die andere auf Google; beide können nicht parallel ausgeführt werden. Der Download ist kostenlos. Es ist bei unserem Test vorgekommen, dass das Installationsprogramm nicht komplett geladen werden konnte. Weichen Sie in dem Fall auf eine andere Downloadquelle aus, zum Beispiel Chip.de (Firefox-Edition/Chrome-Edition). Achten Sie beim Download darauf, dass der Chip-Installer Ihnen nicht zusätzliche Software andreht – diese gebündelten Downloads sollten Sie ausschlagen.

Spione extra abwehren

Zu beachten gilt: Der Browser schützt zwar vor Schadsoftware, aber spionierenden Programmen und Datensammlern ist man genauso ausgeliefert. Wenn Sie sich auch dagegen schützen möchten, dann sollten Sie den Browser in the Box zusätzlich absichern, zum Beispiel mit einer Erweiterung wie Ghostery oder Disconnect.me. Auch HTTPs everywhere ist eine sinnvolle Zusatzmassnahme. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.10.2017, 08:55 Uhr

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Falls Sie ein Anliegen haben, das sich für die Behandlung in unserer neuen Rubrik eignen würde, dann unterbreiten Sie uns das bitte über die Kommentarfunktion oder schreiben Sie an matthias.schuessler@tages-anzeiger.ch.

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