Deutsche Innenminister wollen an die Daten von Siri und Co.

Digitale Spuren sollen schon bald vor Gericht verwertet werden können.

Mit der Beliebtheit steigt auch das Risiko für die Privatsphäre. Im Bild der speziell für Kinder entwickelte Echo-Dot-Lautsprecher von Amazon.

Mit der Beliebtheit steigt auch das Risiko für die Privatsphäre. Im Bild der speziell für Kinder entwickelte Echo-Dot-Lautsprecher von Amazon. Bild: Mike Stewart/Keystone

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Die digitalen Assistenten sind dabei, sich in unseren Häusern und im Alltag breitzumachen. Eine Studie der deutschen Postbank ergab, dass in unserem Nachbarland inzwischen 32 Prozent der Bevölkerung per Sprachsteuerung mit ihren Geräten interagieren. Das ist ein Plus von satten 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den unter 40-Jährigen liegt die Quote sogar bei 48 Prozent. Am weitesten verbreitet ist Google Assistant, gefolgt von Siri und Alexa von Amazon.

Diese zunehmende Verbreitung macht die Geräte auch für die Ermittler interessant. Die Innenminister von Bund und Ländern in Deutschland seien dabei, Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Demnach könnte das Smart Home schon bald Beweismittel für Gerichtsverhandlungen liefern. Der Vorstoss stammt vom schleswig-holsteinischen Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU).

Die Begründung lautet, dass den sogenannten digitalen Spuren «eine immer grössere Bedeutung» bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen und terroristischen Bedrohungslagen zukomme. Das haben Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland ergeben, das mehr als 50 Redaktionen in Deutschland mit Inhalten beliefert.

Furcht vor «Lauschangriff 4.0»

Zu den digitalen Spuren zählen nebst den digitalen Assistenten auch smarte Fernseher und Kühlschränke, digitale Alarmanlagen und andere vernetzte Haushaltsgeräte. Die Innenminister tagen ab morgen in Kiel und wollen durch einen Beschluss verfassungsrechtliche Bedenken ausräumen. Für die Verwendung der Daten wäre eine richterliche Anordnung nötig.

Gegen die Pläne der Innenminister regt sich Widerstand. Die FDP befürchtet einen «Lauschangriff 4.0», zumal Bundesinnenminister Horst Seehofer vor kurzem gefordert hat, die Betreiber von Messengerdiensten müssten verschlüsselte Chats für Behörden lesbar machen.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) sieht im Zugriff auf die digitalen Assistenten eine Gefahr für Freiheit und Demokratie: Über die Sprachassistenten könnten Journalisten abgehört werden. US-amerikanische Technologieplattformen würden eine völlig unregulierte Datenerfassung in den Haushalten und der intimen Privatsphäre der Menschen betreiben.

Fremde Daten erhalten

Was den Umgang der Hersteller mit den Daten angeht, gab es in der letzten Zeit mehrere Vorfälle, die geeignet sind, das Vertrauen zu erschüttern: Das Fachmagazin «C’t» hat Anfang Jahr einen Fall publik gemacht, bei dem ein Nutzer eines Echolautsprechers seine gespeicherten Daten angefordert und die Aufzeichnungen eines fremden Nutzers erhalten hatte.

Und im April 2019 hatte Bloomberg berichtet, dass bei Amazon ein ganzes Team mit der Analyse der Aufzeichnungen der Echolautsprecher beschäftigt ist und dort entsprechende Clips auch fleissig untereinander geteilt werden. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.06.2019, 15:18 Uhr

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