Die Schweiz entdeckt die «Shareconomy»

Autos, Parkplätze, Bohrmaschinen, Stau- und Wetterinformationen – dank Cloud und Smartphones teilt sich der moderne Mensch immer einfacher Dinge und Informationen. Dabei profitieren alle.

Schnell fotografiert, schnell auf dem Netz geteilt und beworben: Besucher einer Modeschau machen Bilder mit ihren Handys. (29. September 2013)

Schnell fotografiert, schnell auf dem Netz geteilt und beworben: Besucher einer Modeschau machen Bilder mit ihren Handys. (29. September 2013) Bild: Reuters

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Gemeinsam können wir es besser. Diese gesellschaftliche Weisheit hat sich seit Jahrtausenden bewährt. Auf Marktplätzen treffen jene, die etwas zu bieten haben auf solche, die etwas brauchen. Gemeinsame Anstrengung machte die Grosswildjagd bei den Ureinwohnern möglich und erschuf Pyramiden und Verkehrswege.

Dank Internet, Clouddiensten und Smartphones erleben diese sozialen Funktionen eine neue Blüte. Im virtuellen Marktplatz des Internets finden sich weltweit Bieter und Suchende. Da Smartphones wissen, wo ihr Besitzer ist und was dieser bevorzugt, finden sie automatisch nicht nur das passende, sondern auch das sich am nächsten befindliche Angebot. Parallel bereichern Milliarden Handys mit ihren Daten über Position, Bewegung, Luftdruck und Temperatur den globalen Informationspool.

Vom Teilen profitieren alle

Von Bohrmaschine bis Parkplatz wird in der Schweiz bereits vieles dank Internetdiensten geteilt. Das Gottlieb Duttweiler Institute hat eine Studie zu diesem neuen Trend verfasst, der mit Sharity oder Shareconomy bereits eigene Namen erhalten hat. «Wir lernen zu teilen, bevor wir zu kaufen lernen», erklärt Studien-Ko-Autorin Karin Frick die Freude an der gemeinsamen Nutzung.

Dutzende Online-Märkte im Internet machen das Teilen einfach. Vor allem in Deutschland kann man bereits auf Plattformen wie leihdirwas.de oder whyown.it vom Akkuschrauber über die Hüpfburg bis zum Zelt alles ausleihen. Bei foodsharing.de wird stattdessen dafür gesorgt, dass der Überfluss im Garten oder die Reste von der Party hungrige Mäuler finden.

Schweizer am Start

In der Schweiz stehen mit sharely.ch und shrebo.ch eigene Verleihplattformen vor dem Start. Bereits bewährt haben sich Tauschplattformen wie talent.ch, giveandget.ch und exsila.ch. Auch der Car-Sharing-Pionier Mobility will nächstes Jahr das Mitbenutzen von Autos aus ihrer Flotte einfacher machen. Dank Free-Floating ortet das Smartphone automatisch das nächste freie Fahrzeug, das nach der Fahrt auf städtischen Parkplätzen abgestellt wird.

Als Konkurrenz will sharoo.com demnächst in der Schweiz das Teilen von Privatautos koordinieren. Geteilt werden auch die raren Parkplätze. Über parkit.ch und parku.ch kann man seinen privaten Platz stundenweise vermieten.

Gemeinsam messen

Immer häufiger stellen tausende Smartphone-Besitzer Informationen zugunsten der Allgemeinheit zur Verfügung. Ein Klassiker sind die Bewegungsdaten von Smartphones, welche im Strassenverkehr zur Stauerkennung verwendet werden. Solche Infos werden beispielsweise von Handy-Netzbetreibern anonymisiert an Navi-Hersteller weitergereicht. Eine kostenlose Alternative ist das Navigationsprogramm Waze, bei dem die Positionsdaten und Karteninformationen aller Nutzer beim Finden staufreier Routen helfen.

Massenpanik sollen sogenannte Crowd-Monitoring Apps auf dem Handy verhindern. Diese erkennen kritische Menschenansammlungen und informieren die Smartphone-Besitzer aber auch, wo sie den Verpflegungsstand mit kürzerer Warteschlange finden. Erste Erfahrungen mit Crowd-Monitoring sammelte die ETH-Zürich am städtischen Silvesterfeuerwerk.

Globales Mess- und Warnsystem

Das weltweit riesige Netz von Smartphones soll in Zukunft auch als globales Mess- und Warnsystem arbeiten. Italienische Wissenschaftler untersuchen, wie sich die Bewegungssensoren in Smartphones für Erdbebenwarnung nutzen lassen.

Holländische Forscher versuchen, die Barometer und Temperaturfühler in Smartphones für Wettervorhersagen zu nutzen. Vom Frauenhofer Institut stammt die Idee, die Autohupen als Ersatz für die bisherigen Alarmsirenen auf Hausdächern zu verwenden.

Bei zahlreichen Projekten des Volunteer computing können ferner PC- und Smartphone-Besitzer die Rechenkapazität ihrer Geräte zur Verfügung stellen, um wissenschaftliche Fragen zu klären. (rub/sda)

Erstellt: 11.10.2013, 21:34 Uhr

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