Hintergrund

Die schlimmsten Wikipedia-Manipulationen

Das Mitmachlexikon wird am 15. Januar zehn Jahre alt. Weltweit sind fast 18 Millionen Artikel in rund 270 Sprachen entstanden. Einige von ihnen wurden auch gefälscht oder geschönt. Wir zeigen die bekanntesten Fälle.

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Das Mitmachlexikon wird am 15. Januar zehn Jahre alt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Weltweit sind fast 18 Millionen Artikel in rund 270 Sprachen entstanden. Immer wieder wurden auch Beiträge gefälscht oder geschönt. Wir stellen die bekanntesten Manipulationen vor.

In dem Artikel über den amerikanischen Journalisten John Seigenthaler Sr. stand im Jahr 2005 mehrere Monate lang zu lesen, dass dieser in Verbindung mit den Morden an John F. Kennedy und dessen Bruder Robert gestanden haben soll. Jemand hatte sich einen Scherz erlaubt und die falschen Angaben eingefügt.

Im Mai 2005 manipulierten offenbar Bundestagsmitarbeiter den Artikel über den CDU-Spitzenkandidaten im NRW-Wahlkampf, Jürgen Rüttgers. Sie strichen negative Passagen.

Der schottische Call-Center-Angestellte Alan Mcilwraith legte im Oktober 2005 einen Wikipedia-Artikel über sich selbst an und behauptete, ein hochdekorierter Kriegsheld zu sein. Im April 2006 deckte eine Zeitung den Schwindel auf. Der Artikel existiert noch heute.

Im November 2005 wurde bekannt, dass in der deutschsprachigen Wikipedia fast der gesamte Bereich Philosophie mit Artikeln aus älteren DDR-Lexika gefüllt worden war, die die marxistisch-leninistische Staatsphilosophie wiedergaben.

Wegen Pädophilie soll der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg ein Jahr im Gefängnis gesessen haben. So stand es im November 2005 einen Tag lang in der englischsprachigen Wikipedia.

Der Schweizer Informatikprofessor Bertrand Meyer starb laut Wikipedia am Heiligen Abend 2005. Nach fünf Tagen wurde der Fehler entdeckt. Es soll sich um einen Studentenscherz gehandelt haben.

Im Mai 2006 stellte sich heraus, dass der Siemens-Konzern den Eintrag über den damaligen Vorstandschef Klaus Kleinfeld schönschreiben wollte. So wurde seine Rolle beim Verkauf der Handy-Sparte positiver dargestellt.

Mehr als zehn Monate existierte in der englischsprachigen Wikipedia ein Artikel über die Insel Porchesia vor der syrischen Küste. Im September 2006 flog der Schwindel auf.

Nach der Ernennung Karl-Theodor zu Guttenbergs zum Bundeswirtschaftsminister im Februar 2009 ergänzte ein anonymer Nutzer dessen Vornamen. Der falsche Wilhelm wurde von zahlreichen Medien übernommen.

Im Februar 2009 berichtete die britische BBC, dass der damalige Premierminister Gordon Brown in einer Rede ein falsches Alter des Malers Tizian genannt haben soll. Dafür kritisierte ihn der konservative Oppositionsführer im Unterhaus. Die Wikipedia bestätigte aber die Angaben Browns, sodass ein Mitarbeiter der Opposition den entsprechenden Eintrag wiederum schnell abänderte.

(rek/dapd)

Erstellt: 11.01.2011, 12:49 Uhr

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Die Internet-Enzyklopädie in sechs Daten

Die englische Version der Wikipedia startete am 15. Januar 2001. Der erste Artikel in der deutschsprachigen Version folgte im Mai 2001.

Weltweit gibt es derzeit 278 Sprachversionen der Wikipedia mit mehr als 17 Millionen Artikeln.

Die Seite wikipedia.org rangierte im Dezember 2010 in Deutschland auf Platz acht und weltweit auf Platz sieben in der Liste der populärsten Internetseiten.

Die deutschsprachige Wikipedia-Version verfügt derzeit über rund 1'170'000 Artikel und 1'140'000 registrierte Benutzer, von denen etwas mehr als 1000 als besonders aktiv gelten.

Der längste Artikel behandelt den «Schamanismus» und ist ausgedruckt fast 150 Seiten lang.

Die deutschsprachige Wikipedia umfasst derzeit rund 600 Millionen Wörter und damit 18 Mal mehr als die 30-bändige Brockhaus-Ausgabe.

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