Echte Namen von echten Menschen

Bei Google+ ist die Angabe der wahren Identität notwendig. Der Internetkonzern will hier keine Kompromisse machen. Der Grund ist einfach: Es geht um viel Macht und um noch mehr Geld.

Wollen mehr Identität im Internet: Eric Schmidt von Google (links) und Mark Zuckerberg von Facebook.

Wollen mehr Identität im Internet: Eric Schmidt von Google (links) und Mark Zuckerberg von Facebook. Bild: Keystone

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Für die Registrierung bei Google+ gilt die Klarnamen-Politik wie bei Konkurrent Facebook. Wer einen falschen Namen im sozialen Netzwerk des Internetkonzerns einträgt, muss damit rechnen, dass sein Konto gelöscht wird.

Die Richtlinien stossen auf Kritik. Immerhin waren Pseudonyme bei den Google-Dienstleistungen bislang kein Thema. Andy Carvin von National Public Radio fragte am Edingburgher TV-Festival bei Google-Verwaltungsrat Eric Schmidt nach. «Schmidt antwortete, dass Google Plus vorrangig als Identitätsservice gebaut worden sei», fasst Carvin auf seinem eigenen Google-Plus-Konto das Gespräch zusammen.

«Nichts Böses»

Die Nutzung der echten Namen sei fundamental wichtig, um weitere Produkte darauf aufbauen zu können, soll Schmidt weiter gesagt haben. Die Kritiker argumentieren, dass gerade Menschen in Gefahr, wie politische Dissidenten in autoritären Ländern oder Gewaltopfer, auf ein Pseudonym angewiesen seien. Ausserdem sieht sich Google als Vorreiter eines offenen Internets, das laut eigenem Slogan «nichts Böses tue». Dafür war der Internetkonzern sogar bereit, seine Tätigkeit von China nach Hongkong zu verschieben.

Für Schmidt gelten all diese Argumente nicht. Google Plus sei ein völlig freiwilliger Dienst. «Niemand wird gezwungen, Google Plus zu nutzen», zitiert Andy Carvin den Ex-Chef von Google. Für Menschen, die ihren wahren Namen aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben dürfen, sei es offensichtlich, dass sie Google Plus nicht nutzen sollten. «Nach meinem Verständnis bedeutet das für Schmidt, dass es gar keinen Sinn macht, einen Service zu unterhalten, der Pseudonyme zulässt», folgert der Journalist von National Public Radio.

Der Vorsprung von Facebook

Was steckt hinter dieser Policy? Google hat seine Lektion gelernt. Der Konzern will möglichst schnell seinen Rückstand auf das Netzwerk Facebook verringern, das inzwischen präzise Informationen über Namen, Alter, Beruf, Vorlieben und Beziehungen seiner über 750 Millionen Nutzer weltweit besitzt. Es ist die Internetidentität, welche die Grundlage für die Macht und die Einnahmen von Facebook darstellt – die sensiblen Daten erlauben dem grössten sozialen Netzwerk personalisierte Werbung, eine Vereinheitlichung von Logindaten (Facebook Connect) oder den Unterhalt eines eigenen Bezahlsystems (Facebook Credits).

Trotz Kritik will Google bei der Klarnamen-Politik keine Kompromisse eingehen. Das hat Eric Schmidt mit seinen Äusserungen klargemacht. Denn sonst drohe der Wettlauf gegen Facebook um digitale Identitäten unwiederbringlich verloren zu gehen. Für das grösste soziale Netzwerk Facebook ist denn auch schon länger klar: «Die Anonymität im Internet muss verschwinden», erklärte Randi Zuckerberg, Marketingchefin von Facebook, gemäss MSNBC. «Die Menschen verhalten sich viel besser, wenn sie unter ihrem wahren Namen agieren.» Dies bedeutet aber auch: Die wahren Revolutionen werden künftig nur noch auf Twitter stattfinden. (jak)

Erstellt: 30.08.2011, 10:31 Uhr

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