Ein Recht auf Namensänderung wegen Facebook-Sünden?

Das Netz vergisst nie und speichert auch die peinlichsten Videos und Bilder auf Lebzeiten. Mit einer neuen Identität soll man sich von schlimmen Internetauftritten loslösen können, fordert Eric Schmidt.

Gesellschaftskritischer Google-Chef Eric Schmidt: «Die Gesellschaft versteht nicht, was passiert, wenn alles verfügbar, kenntlich und von jedem jederzeit aufgezeichnet wird.»

Gesellschaftskritischer Google-Chef Eric Schmidt: «Die Gesellschaft versteht nicht, was passiert, wenn alles verfügbar, kenntlich und von jedem jederzeit aufgezeichnet wird.» Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Verhältnis der Internetkonzerne Facebook und Google zur Privatsphäre ihrer Nutzer ist zwiespältig: Einerseits wollen sie diesen mit individuell gestaltbaren Datenschutzeinstellungen ein Sicherheitsgefühl vermitteln, anderseits sind die Privacy-Tools mittlerweile derart kompliziert, dass die überforderte Internetgemeinde frustriert kapituliert.

So denkt mittlerweile selbst der oberste Google-Chef, Eric Schmidt. Gegenüber dem «Wall Street Journal» gibt er zu bedenken, dass die Gesellschaft nicht versteht, «was passiert, wenn alles verfügbar, kenntlich und von jedem jederzeit aufgezeichnet wird», sagt der Google-Chef. Über diese Dinge müsse die Gesellschaft «wirklich nachdenken».

Zweites Leben mit Volljährigkeit

Da sich aber die jungen Nutzer von sozialen Netzwerken und anderen Online-Diensten vielfach über die Konsequenzen ihres Tuns nicht bewusst sind, müsse man ihnen die Möglichkeit geben, ab einem gewissen Alter eine neue Identität aufzubauen: Schmidt möchte, dass Jugendliche bei Erreichen der Volljährigkeit ihren Namen ändern können. So könne verhindert werden, dass sich im Internet publizierte Jugendsünden wie Promille-Partys oder Oben-Ohne-Fotos für das spätere Berufsleben negativ auswirken.

Meint es Google wirklich ernst?

Dass gerade sein Unternehmen darauf spezialisert ist, den Nutzern ein möglichst perfektes Recherche-Instrument zu geben – auch um Identitäten aufzudecken –, erwähnt Schmidt wohlweislich nicht. Überhaupt sollte man Schmidts Worte mit Vorsicht geniessen. Laut einem Bericht von «derstandard.at» arbeitet Google daran, dass Fotos, Status-Updates und andere Inhalte von Nutzern ohne Umwege sofort über die Suchmaschine gefunden werden können. Zudem wird seit längerem spekuliert, dass Mountain View eine Facebook-Konkurrenz aufbaut, um die wertvollen persönlichen Nutzerdaten mit Werbung verbinden zu können.

(rek)

Erstellt: 18.08.2010, 11:07 Uhr

Umfrage

Soll man bei Erreichen der Volljährigkeit seinen Namen ändern können, um beispielsweise Facebook-Sünden aus der Vergangenheit loszuwerden?

Ja

 
53.4%

Nein

 
46.6%

3128 Stimmen


Bildstrecke

Datenschutz auf Facebook

Datenschutz auf Facebook Wie Sie im grössten sozialen Netzwerk Ihre Privatsphäre schützen

Artikel zum Thema

Daten-Sammlerei: Auch Google muss sich in den USA erklären

Für Google wird es in den USA jetzt ernst: Insgesamt 38 Bundesstaaten haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen den Internetkonzern und seine Daten-Sammelwut vorzugehen. Mehr...

Politiker lehnen spezielles Google-Gesetz ab

In der Diskussion über den Strassenkarten-Dienst Street View hat der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière zur Gelassenheit geraten und ein spezielles Gesetz für den Dienst abgelehnt. Mehr...

Die Geburt des «Anti-Facebook»

Ein soziales Netzwerk, das keine Datenschutz-Probleme kennt und Erfolg hat? Das soll möglich sein – sagen jedenfalls die Macher von Diaspora. «Ich finde die Idee cool», sagt selbst Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Mehr...

Bildstrecke

Google-Skandal um Speicherung von WLAN-Daten

Google-Skandal um Speicherung von WLAN-Daten Der IT-Riese hat für seinen Dienst Street View auch persönliche Nutzerdaten aus drahtlosen Computernetzwerken aufgezeichnet.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Mamablog Die Tage der Ehe sind gezählt

Blog Mag Das Ende der Seifenoper

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

In Reih und Glied: An einem Wettbewerb für Roboter in China zeigen die futuristischen Maschinerien ihre Fähigkeiten. (21. August 2017)
(Bild: Stringer ) Mehr...