Facebook und Microsoft schliessen sich Googles Anfrage ans FBI an

«Nichts zu verbergen»: Bereits drei grosse Internetfirmen verlangen von den US-Behörden das Recht, über die Datenweitergabe zu informieren. Offenbar gehen sie davon aus, dass dies gut für ihre Glaubwürdigkeit wäre.

Der Internetriese geriet im Zusammenhang mit der Spionageaffäre in die Kritik: Ein Mann geht nahe dem Sitz von Google in Kalifornien durch den Park.

Der Internetriese geriet im Zusammenhang mit der Spionageaffäre in die Kritik: Ein Mann geht nahe dem Sitz von Google in Kalifornien durch den Park. Bild: Keystone

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Die Internetkonzerne Google, Facebook und Microsoft wollen offener über bisher geheime Anfragen von US-Behörden nach Nutzerdaten berichten können. Facebook und Microsoft schlossen sich in der Nacht einem entsprechenden Vorstoss von Google an.

Die Unternehmen sind unter Druck geraten, weil in Medienberichten seit vergangener Woche der Eindruck entsteht, der US-Geheimdienst NSA könne nach Belieben auf Informationen der Nutzer zugreifen. Dabei sind die Firmen mit ihren Geschäftsmodellen auf das Vertrauen der Nutzer angewiesen. Offenbar gehen die Firmen nun davon aus, dass eine Veröffentlichung gewisser Angaben über die Datenweitergabe gut für ihre Glaubwürdigkeit wäre.

Offener Brief ans FBI

Google machte am Dienstag den Anfang und forderte in einem offenen Brief an die Bundespolizei FBI und das US-Justizministerium das Recht, Informationen zum Ausmass der Behördenanfragen nach dem Auslandsspionagegesetz Fisa veröffentlichen zu dürfen. Dies werde zeigen, dass Google weit weniger Informationen herausgebe, als derzeit behauptet werde, erklärte Chefjustiziar David Drummond.

«Google hat nichts zu verbergen.» Bisher dürfe man weder die Zahl der Anträge noch der betroffenen Profile nennen. Laut Medienberichten darf nicht einmal die Existenz der Fisa-Anfragen bestätigt werden.

Google betonte zudem, dass angeforderte Informationen immer nur vom Unternehmen selbst übermittelt würden. Dafür werde meist eine sichere FTP-Serververbindung genutzt, manchmal würden sie auch bei persönlichen Treffen übergeben, sagte ein Google-Sprecher dem «Wall Street Journal»-Blog Digits.

Legitimation im Zuge des Antiterrorkampfs

Die Überwachungsaffäre hält die USA und zahlreiche Staaten der Welt seit Tagen in Atem. Die britische Zeitung «Guardian» und die «Washington Post» hatten die Existenz eines Spähprogramms namens Prism aufgedeckt, mit dem die NSA angeblich direkt auf Server grosser Internetkonzerne wie Google, Facebook, Yahoo, Microsoft und Apple zugreift und Netznutzer weltweit überwacht.

Zudem veröffentlichte der «Guardian» einen geheimen Gerichtsbeschluss, der es der NSA erlaubt, im Antiterrorkampf wahllos Daten über die Handyverbindungen von Millionen Menschen in den USA zu sammeln. (kpn/sda)

Erstellt: 11.06.2013, 21:56 Uhr

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