Facebook verfolgt auch ausgeloggte Mitglieder

Das soziale Netzwerk hat einen Bericht bestätigt, wonach es auch an seinen Usern dranbleibt, wenn diese abgemeldet sind. Facebook will die Daten schnell löschen. Doch kann man dem Unternehmen noch trauen?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Kann man seinen Beteuerungen Glauben schenken?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Kann man seinen Beteuerungen Glauben schenken? Bild: AFP

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Ein Bericht des australischen Bloggers Nik Cubrilovic sorgt in der IT-Szene für Aufregung. Laut seinen Untersuchungen verfolgt Facebook seine Nutzer auch dann, wenn sie sich ausgeloggt haben. Das Netzwerk könne dank den abgelegten Facebook-Cookies die Account-ID auf jeder Seite mit «Gefällt mir»- oder «Share»-Knopf erkennen. Dies zu verhindern sei nur möglich, wenn man nach dem Ausloggen die Cookies lösche.

Am Montag hat das Unternehmen gegenüber dem «Wall Street Journal» den Sachverhalt nun bestätigt. Allerdings sei es nicht das Ziel, das Surfverhalten seiner Mitglieder (zu Werbezwecken) auszuspionieren. Die speziellen Cookies dienten nur dazu, die Nutzer vor Spam und Phishing-Attacken zu schützen und den Newsfeed zu aktualisieren. Ausserdem würden die Daten nicht lange gespeichert.

Lange Liste von Versäumnissen

Cubrilovic hat laut eigenen Angaben Facebook bereits 2010 auf das sogenannte Cookie-Tracking aufmerksam gemacht, ohne aber eine Antwort erhalten zu haben. Dies und der Umgang mit früheren Privacy-Fragen lassen Zweifel an der Ehrlichkeit von Facebook aufkommen:

  • 2009 klagten US-Datenschützer gegen Facebook, weil das Unternehmen private Nutzer-Infos öffentlich machte, welche vorher nicht zugänglich waren. «Die Veränderungen missachten die Erwartungen der Nutzer, schwächen die Privatsphäre und widersprechen der eigenen Darstellung von Facebook», hiess es in der damaligen Klageschrift des Electronic Privacy Information Center (EPIC).
  • Vor eineinhalb Jahren wurde bekannt, dass das Netzwerk still und heimlich seine Nutzungsbestimmung verändert hatte, womit Mitglieder die Rechte an ihren Daten fast vollständig abgeben.
  • Im vergangenen Sommer warf der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür Facebook anlässlich der eingeführten automatischen Gesichtserkennung vor, «das Recht am eigenen Bild völlig auszuhebeln».

Die Liste ist keineswegs abschliessend. Der Umgang des weltgrössten Netzwerks mit Datenschutzfragen lässt klar erkennen, dass in Palo Alto nur reaktiv reagiert wird bzw. erst, wenn der öffentliche Widerstand zu gross wird.

«Europa Versus Facebook»

Bislang hat diese Methode durchaus funktioniert, schliesslich nutzen derzeit etwa 800 Millionen Menschen Facebook. «Die Leute haben sich nicht nur daran gewöhnt, mehr und unterschiedlichere Informationen zu veröffentlichen. Sie tun dies auch offener und lassen mehr Menschen daran teilnehmen», hat Firmenchef Mark Zuckerberg bereits 2010 gesagt.

Allerdings verhalten sich nicht alle Nutzer so, wie es der Welt oberster Netzwerkler gerne hätte. In Wien hat Max Schrems, Gründer der Initiative «Europa Versus Facebook», Anzeige gegen das Netzwerk eingereicht. Der Jus-Student wirft Facebook nicht weniger als 22 Verstösse gegen die Datenschutzgesetzgebung der EU vor. Der Hauptverstoss sei die nur oberflächliche Verwendung von Facebook-Daten. Selbst wenn der Nutzer Daten aus seinem Profil entferne, würden diese in einem Archiv gesammelt. (rek)

Erstellt: 27.09.2011, 11:52 Uhr

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