Freipass für Mark Zuckerberg

Die Facebook-Mitglieder hatten die Chance, über die Nutzungs- und Datenschutz-Richtlinien des weltgrössten Online-Netzwerks abzustimmen. Sie haben sie nicht genutzt. Jetzt setzt Facebook die neuen AGB einfach um.

Daumen rauf? Facebooks neue Datenschutz-Richtlinie sieht vor, dass einige Informationen länger als bisher aufgehoben werden können.

Daumen rauf? Facebooks neue Datenschutz-Richtlinie sieht vor, dass einige Informationen länger als bisher aufgehoben werden können. Bild: Keystone

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Facebook hat die geplanten Änderungen der Regeln für Nutzung und Datenschutz direkt in Kraft gesetzt, nachdem eine Abstimmung der Mitglieder an der hohen Beteiligungshürde gescheitert ist. Facebook- Kommunikationschef Elliot Schrage verteidigte die Entscheidung unter anderem damit, dass die neuen Richtlinien für mehr Transparenz sorgten.

Ausserdem habe Facebook positive Reaktionen von Regulierern und Datenschützern bekommen, schrieb Schrage in einem Blogeintrag. Bis Ablauf der Wochenfrist am Freitagabend hatten aber nur 342'632 Facebook-Mitglieder ihre Stimme abgegeben - weniger als 0,04 Prozent. Dabei gab es unter den Teilnehmern der Abstimmung eine überwältigende Ablehnung der neuen Richtlinien: Lediglich 44 749 stimmten dafür, 297'883 dagegen.

Daten werden länger gespeichert

Zu der Abstimmung war es gekommen, weil mehr als 7000 Nutzer Kommentare zu den Mitte Mai veröffentlichten Änderungsvorschlägen an der Richtlinie zur Datenverwendung abgegeben hatten. Für diesen Fall sehen die Facebook-Regeln vor, dass alle Mitglieder über einen Entwurf abstimmen können. Damit das Abstimmungsergebnis für das Online-Netzwerk bindend ist, müssen daran allerdings 30 Prozent der aktiven Nutzer teilnehmen.

Facebooks Entwurf für die Datenschutz-Richtlinie sieht neben zahlreichen Erläuterungen und Präzisierungen unter anderem auch vor, dass einige Informationen länger als bisher aufgehoben werden können. «Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen.

Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über Dich sammeln und erhalten, einschliesslich Informationen von Werbetreibenden», heisst es an einer Stelle. Zugleich betont Facebook, dass Daten zu sogenannten Social Plugins wie dem «Gefällt mir»-Button maximal 90 Tage gespeichert werden.

Kritik von Datenschützern

Datenschützer hatten das Verfahren unter anderem angesichts der hohen Beteiligungshürde als Farce kritisiert. Zudem habe Facebook die Mitglieder nicht ausreichend über die Abstimmung informiert. Schrage erklärte, Facebook habe «erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Abstimmung einfach und zugänglich zu machen». Unter anderem seien Nutzer mit Hilfe von Anzeigen über die Abstimmung informiert worden.

Angesichts der Bemühungen und der am Ende niedrigen Beteiligung wolle Facebook den Prozess auf den Prüfstand stellen und überlegen, wie man in Zukunft die Beteiligung der Nutzer verbessern könne. Die 30-Prozent-Regelung stammt noch aus einer Zeit, da das Netzwerk deutlich weniger Mitglieder hatte.

(rek/sda)

Erstellt: 10.06.2012, 13:21 Uhr

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