Für einen Abgesang auf Microsoft ist es zu früh

Abgänge an der Firmenspitze und mieser Aktienkurs: Microsoft kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. IT-Spezialist Matthias Zacher glaubt jedoch weiter an das Unternehmen.

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Matthias Zacher, Steve Ballmer ist seit 2000 Microsoft-Chef. Die Konkurrenz hat in den vergangenen elf Jahren einige Pflöcke eingeschlagen, Microsoft aber scheint zu stagnieren.
Das Unternehmen hat sicher bei der Internetwirtschaft und dem Thema Web 2.0 nicht alles richtig gemacht. Entweder wurden Entwicklungen nicht richtig bewertet oder zögerlich umgesetzt.

Was machen Apple, Google und Facebook besser?
Sie verfügen im Vergleich zu Microsoft über ein eher begrenztes Produktspektrum und daher über ein anderes Geschäftsmodell. Innerhalb von diesen gelingt es ihnen, die Produkte schnell zu entwickeln und mit interessanten Funktionen zu versehen. Insbesondere die Entwicklung von Google muss man genau beobachten. Denn auch dieses Unternehmen hatte wie Microsoft einige Misserfolge zu verzeichnen (Google Wave, Google Buzz) und ist herausgefordert, weitere Internet-Produkte zu entwickeln.

Anders als eben Google scheint Microsoft nur noch zu reagieren – und erst noch mit Jahren Verspätung.
In den Bereichen Suche, Werbung, Web-Dienste und Web 2.0 hat Microsoft in der Tat anfänglich nicht richtig oder zögerlich reagiert. Bei Betriebssystemen aber ist die Dominanz von Microsoft unübersehbar. Auch bei vielen Anwendungen für Unternehmen ist Microsoft innovativ und erfolgreich. Nicht zu vergessen der Erfolg von Office.

Das Tablet-Geschäft aber hat Microsoft verschlafen. Die iPad-Alternative von Microsoft kommt frühestens 2012.
Die Tablet-PC-Entwicklung macht in der Tat rasche Fortschritte. Heute sind einige interessante Produkte auf dem Markt. Der Faktor «Coolness» ist das eine. Für viele Nutzer zählen aber Funktionalität und Leistungsumfang. Ich bin nicht so pessimistisch wie Sie: Wenn Microsoft hier sorgfältig arbeitet, kann das Unternehmen auch auf diesem Feld erfolgreich sein.

Management-Professor Karl Moore kritisiert auf silicon.de, dass Microsoft sechs bis zwölf Hierarchieebenen im Mittelmanagement hat, Facebook und Google hingegen verfügten über eine extrem flache Hierarchie mit direktem Zugang zu den Topmanagern. Ist Microsoft vielleicht einfach zu gross und zu hierarchisch strukturiert?
Kleine IT-Unternehmen sind in der Tat oftmals flexibler. Grosse Unternehmen neigem häufig zu bürokratischen Strukturen. Solchen Entwicklungen versucht Microsoft aber regelmässig entgegenzusteuern.

Konkret?
Auf die Änderungen der Computerwelt hin zu Internet und Cloud Computing hat Microsoft reagiert.

Beim Internet nicht immer mit dem gewünschten Erfolg.
Einverstanden. Das Thema Cloud Computing jedoch hat Microsoft als ein wichtiges Thema für sich definiert. Die On-Demand Lösungen und Azure werden von Microsoft intensiv vorangetrieben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.07.2011, 11:57 Uhr

Der Informationstechnologie-Spezialist Matthias Zacher ist Senior Consultant beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC in Frankfurt.

Genervte Aktionäre, genervter Ballmer

Microsoft laufen die Topmanager davon, unter ihnen Softwarelegende Ray Ozzie und Strategieschef Hank Vigil. Die Beweggründe sind nicht ganz klar, fest steht indes, dass die Geduld der Aktionäre ausgereizt ist: Seit 2003 hat die Microsoft-Aktie nur um 1,8 Prozent zugelegt. Das Hoch von Ende 2007 (34.10 Dollar) scheint derzeit bei einem Kurs von 26.45 Dollar in weiter Ferne. Kurzzeitig – im März 2009 – tauchten die Microsoft-Papiere sogar auf 15.20 Dollar.

In Übersee wird darum seit längerem über einen Rücktritt von Steve Ballmer spekuliert - der enervierte Unternehmenschef, seit 2000 an der Spitze des Windows-Herstellers, hat vor wenigen Tagen persönlich Stellung genommen zu diesen Spekulationen (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

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