Computer-Steuerung per Gedanken vor dem Durchbruch

Neue technische Systeme können die Hirnsignale von gelähmten Patienten in Sekundenschnelle entschlüsseln und in Aktionen umsetzen.

Auch Menschen, die unter dem seltenen Locked-in-Syndrom leiden, können BCI nutzen: Szene aus dem Film «Schmetterling und Tauchglocke».

Auch Menschen, die unter dem seltenen Locked-in-Syndrom leiden, können BCI nutzen: Szene aus dem Film «Schmetterling und Tauchglocke».

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Neue technische Systeme können die Hirnsignale von gelähmten Patienten in Sekundenschnelle entschlüsseln und in Aktionen umsetzen. Entwickelt wurden solche Computer von Neurophysiologen der Berliner Charité und Computerwissenschaftlern der TU Berlin, wie die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) mitteilte, die sich auf ihrer Jahrestagung Mitte März in Köln mit dem Thema beschäftigen wird.

Mit früheren Varianten sogenannter Brain-Computer Interfaces (BCI) war es Betroffenen möglich, in einem langen Training etwa die Bedienung eines Textprogramms zu erlernen. Um den Prozess zu verkürzen, verfolgten die Berliner Forscher einen neuen Weg: Bei ihrem BCI lernt nicht mehr, wie bisher, der Nutzer, spezielle Hirnsignale für den Computer zu erzeugen, sondern der Computer lernt, typische Elektroenzephalografie (EEG)-Muster der Nutzer zu entschlüsseln.

Treffergenauigkeit von 90 Prozent

Nach einer Kalibrationsphase von weniger als 20 Minuten sind die ersten rein «gedanken-gesteuerten» Aktionen möglich. Erfahrene Nutzer erzielen heute in Studien eine Treffergenauigkeit von 90 Prozent. «Mit einer 'mentalen Schreibmaschine' können sie in 30 Minuten mehrere Sätze mit bis zu 210 Buchstaben verfassen», sagt Gabriel Curio von der Abteilung für Neurologie und klinische Neurophysiologie an der Charité.

«Jüngste Weiterentwicklungen der EEG-gestützten BCI-Technik ermöglichen auch Anwendungen, die sehr rasche Reaktionen erfordern, wie das Steuern eines Rollstuhls», erklärt der Neurophysiologe. Denn anhand des EEGs lassen sich motorische Absichten des Patienten in Echtzeit erfassen.

In klinischen Studien erprobt

Auch Menschen, die unter dem seltenen Locked-in-Syndrom leiden, können BCI nutzen. Diese Patienten sind vollständig gelähmt, können auch nicht sprechen, sind aber bei Bewusstsein. Die Technik wird derzeit in klinischen Studien erprobt, um sie künftig auch in der Praxis verfügbar zu machen. (rek/dapd)

Erstellt: 10.03.2012, 11:05 Uhr

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