Gefängnisse für Daten

Im Netz müssen die Informationen noch viel freier fliessen.

«Informationen müssen frei sein», sagte Stewart Brand schon vor 31 Jahren. Schade, dass sie es noch immer nicht sind.

«Informationen müssen frei sein», sagte Stewart Brand schon vor 31 Jahren. Schade, dass sie es noch immer nicht sind. Bild: frontiersofinteraction/Flickr.com

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Informationen wollen frei sein, lautet der Schlachtruf der Technologieaktivisten. Geprägt hat ihn Stewart Brand im Jahr 1984. Brand ist der Mann, der dem Personal Computer seinen Namen gab, über seinen «Whole Earth Catalog» die abenteuerlichsten Erfindungen vertrieb und Querdenkern wie Steve Jobs ihre Inspiration lieferte.

Frei sind Informationen auch 31 Jahre später nicht. Sie können sich in digitaler Form via Internet zwar in Lichtgeschwindigkeit verbreiten. Doch sie sind in Apps gefangen und in Dateien eingepfercht. Und sie werden durch proprietäre Formate an das Produkt eines Herstellers gekoppelt. Es ist eine gängige Methode der «Kundenbindung»: Der Nutzer muss bleiben, weil er seine Daten nicht mitnehmen könnte, wenn er gehen würde.

Es gibt auch technische Hindernisse, die den freien Fluss der Informationen hemmen. Microsoft hat das 1992 mit seiner OLE-Technologie erfahren. Sie erlaubte es, in einem Dokument ­Elemente aus Drittprogrammen zu integrieren. Doch ob der Komplexität dieser Verbunddokumente war die damalige Hardware überfordert.

Auch im Onlinezeitalter existieren Informationen isoliert in Apps und in der Cloud. Wiederum Microsoft wollte das ändern. Beim Betriebssystem Windows Phone sollten Hubs die Informationen zentral bündeln. Die Dritthersteller hätten sich in diesen Hub einklinken dürfen. Die Anwender hätten sich bei Musik, Fotos und sozialen Medien ihre eigene Arbeitsumgebung massschneidern können. Doch es zeigte sich, dass die Hersteller lieber separate Apps zur Verfügung stellten. Mit der eigenen App haben sie einen prominenten Auftritt auf dem Home­screen. Im Hub sind sie unsichtbar.

«Das Netz ist der Computer», hat Sun-Gründer Scott McNealy gesagt. Wie dieser Computer funktionieren müsste, führt der Webdienst «If this then that» (ifttt.com) vor Augen – indem er Informationen nach Belieben lenkt: Er vermeldet Topresultate aus der Fitness-App automatisch auf Facebook. Er trägt die (von der Maps-App vermeldete) Ankunft in eine Tabelle bei Google Docs ein. Er speichert in der Leseliste abgelegte Artikel in der Dropbox – er macht das Leben leichter! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.06.2015, 19:42 Uhr

Der Dienst ifttt.com – kurz für «If this, then that» verknüpft auf klevere Weise im Internet verstreute Dienste und Informationen. Er funktioniert nach dem Prinzip «Wenn das passiert, dann mache jenes». Ein Trigger – beispielsweise ein neues Foto bei Instagram, ein gerade veröffentlichter Artikel in einem Blog oder ein Ortswechsel am Smartphone – löst eine Aktion aus. Das neue Foto von Instagram lässt sich so bei Facebook oder Twitter veröffentlichen. Der Blog-Beitrag wird in der Browser-Leseliste gespeichert und der Ortswechsel in einer Tabelle bei Google-Docs dokumentiert – das ist übrigens bei dem oben abgebildeten Rezept der Fall.
Apropos Rezept: So werden die Kombination aus Trigger und Aktion genannt. Man kann sie selbst erstellen oder aus einer grossen Liste vorgefertigter Rezepte auswählen und für die eigenen Zwecke adaptieren.

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