Google vergleicht jetzt auch Flüge

Der Internetgigant baut seinen Service aus: Die Flugsuche Google Flights ist seit heute für die Schweiz verfügbar. Ein Konkurrent hat bereits reagiert.

Die Konkurrenz reagiert gelassen auf den neuen Service: Die Website www.google.ch/flights.

Die Konkurrenz reagiert gelassen auf den neuen Service: Die Website www.google.ch/flights.

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Vor vier Jahren schaltete Google seine Flugsuche Google Flights in den USA erstmals auf. Seit heute gibt es Google Flights auch für die Schweiz optimiert. Das Prinzip ist einfach und von anderen Flugsuchmaschinen – beispielsweise derjenigen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet – bekannt: Der Nutzer wählt Start- und Zielflughafen sowie das Reisedatum und erhält mit einem Klick eine Liste der angebotenen Flüge.

Google entscheidet dabei selber, welche Ergebnisse standardmässig zuoberst erscheinen. Die Topsuchergebnisse werden anhand eines Mix aus Preis, Reisedauer, Anzahl der Stopps «und manchmal auch im Hinblick auf andere Faktoren wie Ausstattung oder Gepäckgebühren» bestimmt, schreibt Google. Ein nettes Feature ist die Weltkarte, auf der sämtliche anfliegbaren Flughäfen eingezeichnet sind, zusammen mit dem Preis, den ein Flug dorthin kosten würde.

Übersichtliches Angebot: Die Weltkarte mit den möglichen Zielflughäfen und den Preisen. Bild: Screenshot Google Flights

Doch Google verkauft Flüge nicht selber, der Nutzer wird direkt zur Fluggesellschaft weitergeleitet, wenn er einen Flug buchen möchte – das sieht die Konkurrenz als eine der Schwächen des Google-Dienstes. «Der Nutzer wird auf eine Partnerseite weitergeleitet, das kann je nach Gerät mühsam werden, zum Beispiel bei Buchung über das Smartphone», sagt Matthias Thürer, Marketingchef des Onlinereisebüros Ebookers. Zudem würden nicht alle Fluggesellschaften angezeigt, und nicht alle Routen seien online buchbar.

Konkurrenz unbeeindruckt

Dies hielten auch zahlreiche Tests aus Ländern fest, in denen Google Flights schon länger aufgeschaltet ist. Bei einem Test des britischen «Telegraph» Anfang des letzten Jahres schaffte es das Google-Tool zudem hinsichtlich günstiger Flugpreise lediglich auf Platz acht – es war rund 12 Prozent teurer als der Testsieger.

Die Konkurrenz beeindruckt Googles Offensive nicht. «Konkurrenz stimuliert den Markt, wir sind aber nicht beunruhigt», sagt Thürer von Ebookers. Der Flugsuchdienst Skyscanner will sich auf Anfrage nicht zu Aktivitäten der Konkurrenz äussern und betont stattdessen eigene Vorteile wie Übersicht. Auch die Firma Kayak, die mit Swoodoo.com ebenfalls einen Flugvergleich anbietet, will sich nicht zu Produkten von Mitbewerbern äussern. «Doch, natürlich beobachten wir den Markt. Ohne Frage ist alles, was Google tut, dabei für uns relevant. Aber keinesfalls besorgniserregend», sagt Europa-Chef Jan-Frederik Valentin.

Mögliche Wettbewerbsverzerrung

Auch klassische Reiseveranstalter sehen keinen Grund zur Sorge. «Ein Vergleichsdienst mehr auf dem Markt», kommentiert Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir das neue Angebot. «Solange das Suchresultat neutral gestaltet wird, sehen wir es mit Gelassenheit», sagt Huguenin-dit-Lenoir weiter und spricht damit Googles Möglichkeit an, eigene Suchergebnisse bevorzugt zu behandeln. Massnahmen werde Hotelplan wegen des neuen Konkurrenten nicht treffen. «Aber wir werden Google Flights sicher beobachten.»

Ebookers hingegen hat bereits einen Schritt in Richtung des neuen Anbieters gemacht. «Eine Partnerschaft ist geplant und in Umsetzung», sagt Matthias Thürer. Damit werde das Angebot von Ebookers auf der Ergebnisseite von Google Flights ebenfalls angezeigt. Google kassiert dafür Geld und erweitert sein Angebot, Ebookers erhofft sich eine grössere Reichweite des eigenen Angebots.

(rar)

Erstellt: 03.02.2015, 17:06 Uhr

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