Hohe Roamingkosten: EU-Bürger besser geschützt als Schweizer

Für EU-Bürger gilt: Wer ab 1. Juli im Ausland für über 80 Franken surft, wird vom Provider geschützt. In der Schweiz hingegen gibt es weiterhin keinen wirklich wirksamen Schutz vor Schockrechnungen.

Keine gute Idee: Wer im Ausland mit dem Notebook oder Handy surft, muss sich auf saftige Schockrechnungen gefasst machen. Ausser er sorgt mit einer Roaming-Option vor.

Keine gute Idee: Wer im Ausland mit dem Notebook oder Handy surft, muss sich auf saftige Schockrechnungen gefasst machen. Ausser er sorgt mit einer Roaming-Option vor.

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Wer in den Ferien schnell seine E-Mails, Fussballergebnisse oder das Wetter im Internet checken möchte, kann dies auch mit seinem Handy tun. Ganz billig ist das zwar nicht, aber immerhin: Die EU sorgt für Verbesserungen.

Ab dem 1. Juli sind EU-Bürger automatisch vor Schockrechnungen fürs Surfen im Ausland geschützt. Dies dank der Einführung einer automatischen Kostenobergrenze von umgerechnet 80 Franken. Nach deren Überschreiten wird die Datenverbindung gekappt. Bei 80 Prozent des maximalen Kostenvolumens erhalten die Telefonkunden eine Nachricht - als SMS, E-Mail oder sogenanntes Pop-up-Fenster im Browser. Bei Erreichen der Grenze kommt in aller Regel noch eine Nachricht.

Bis zu 15 Franken pro Megabyte

Da die Schweiz nicht Mitglied der Europäischen Union ist, gelten diese Regelungen für Schweizer, die mobil im Ausland surfen, nicht. Für das mobile Surfen im europäischen Ausland verrechnen die grossen Anbieter weiterhin satte Preise von 8 bis 15 Franken pro Megabyte.

Comparis-Telekomexperte Ralf Beyeler rät darum, das Handy erst gar nicht in die Ferien mitzunehmen. Wer auch am Strand nicht ohne Internet sein kann, dem empfiehlt Beyeler eine entsprechende Roaming-Option zu lösen.

Neu: SMS-Kurzmitteilung

Warum aber führen die Schweizer Telekomgrössen keine Obergrenze für Roaming-Gebühren ein? «Die Nutzung des Mobiltelefons im Ausland wird Orange durch den ausländischen Netzbetreiber verrechnet. Eine Kosten- oder Nutzungslimite kann daher bei Abonnementskunden nicht eingerichtet werden. Prepay-Kunden können Mobilfunkverbindungen im Ausland solange nutzen, bis ihr Prepay-Guthaben aufgebraucht ist», sagt Therese Wenger von Orange.

Auch Sunrise hat laut Mediensprecher Roger Schaller keine Datenobergrenze vorgesehen.«Wir raten unseren Kunden die Sunrise Global Option abzuschliessen. Wer sparen will, deaktiviert am besten das Daten-Roaming und verzichtet auf das Surfen im Ausland.»

Eine Änderung gibt es per 1. Juli gleichwohl. Wer im Ausland mit seinem Handy telefoniert, muss ab Donnerstag über die Kosten informiert werden. Beispiel Orange: Sobald sich das Handy eines Orange-Kunden mit einem fremden, ausländischen Netz verbindet, erhält der Kunde neu eine SMS-Kurzmitteilung mit folgenden Informationen:

  • Maximale Kosten für ankommende Anrufe
  • Maximale Kosten für ausgehende, lokale Anrufe
  • Maximale Kosten für ausgehende Anrufe in die Schweiz
  • Maximale Kosten für SMS-Versand
  • Maximale Kosten für MMS-Versand
  • Maximale Kosten für Datenverbindungen

Datentarife sollen weiter sinken

Das heisst: Der Kunde muss selber aktiv werden, um keine böse Überraschung zu erleben. Nicht eben kundenfreundlich. Diesen Vorwurf lässt Therese Wenger nicht gelten: «Wir senken die Roaming-Tarife seit Jahren kontinuierlich.» Konkret habe Orange im März für die Internetnutzung mit dem Mobiltelefon in Europa einen neuen speziellen Tarif eingeführt. Mit Travel Data Daily gäbe es für 4 Franken 2 Megabyte (MB) Datenguthaben pro Tag. Wer mehr als 2 MB pro Tag brauche, bezahle für jedes weitere MB 2 Franken. Weitere Senkungen, insbesondere der Datentarife, seien für nächsten Monat geplant.

Was kann man für 2 MB machen? Ruft man auf einem normalen Nachrichtenportal eine Seite auf, werden je nach Ausstattung der Site 0,5 bis 2 MB übertragen. Bei für mobile Anwendungen optimierten Sites (also zum Beispiel m.tagesanzeiger.ch statt tagesanzeiger.ch) muss man mit etwa 25 bis 50 KB rechnen.

Was kann man mit 2 MB machen?

«Kunden, die in den Ferien lediglich hin und wieder mit Freunden oder der Familie telefonieren oder eine SMS schicken wollen, müssen mit dem Standardtarif bereits heute keine Angst vor bösen Überraschungen haben», erklärt Olaf Schulze vom Konkurrenten Swisscom. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren die Roamingpreise «um bis zu 50 Prozent gesenkt». Im Schnitt über die verschiedenen Roamingangebote liege die Swisscom bereits heute auf EU-Niveau.

Für Kunden, die jedoch viel telefonieren und vor allem für diejenigen, die auch mit dem Handy ihre E-Mails prüfen oder ins Internet gehen wollen, empfiehlt Schulze die Roamingoption World Option Flex. «Bei dieser Option lassen sich sowohl bei Telefonaten wie auch bei SMS und der Datenkommunikation deutlich sparen.» Damit koste das Megabyte weltweit 2 Franken und das weltweit. Die Optionsgebühr von 9 Franken werde dabei nur fällig, wenn der Kunde tatsächlich im Ausland ist.

Swisscom denkt über Obergrenze nach

Auch die Swisscom begnügt sich mit einem SMS-Schutz, diesen hat das Unternehmen 2006 eingeführt. «Die Swisscom informiert die Kunden per Textnachricht über die für sie geltenden Roamingpreise, sobald sie sich im Ausland befinden.» Diese Information war zu Beginn auf bestimmte Abokunden beschränkt, die Swisscom hat den Service über die Jahre immer weiter ausgebaut, so dass heute alle Kunden - auch Mobile Unlimited Kunden (PC-Karten und USB-Sticks) - eine entsprechende Preisinformation erhalten.

Anders als bei Orange denkt die Swisscom über einen so genannten Cut-off-Mechanismus nach, bei welchem die Data-Roaming-Nutzung bei Erreichung einer bestimmten Kostenobergrenze getrennt wird. Eine solche Verbindungstrennung berge jedoch eine «hohe technische Komplexität und hohe Implementierungskosten».

Erstellt: 30.06.2010, 13:33 Uhr

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Spartipps zum Thema Handys im Ausland

Surfen Sie im Ausland nicht auf dem Telefonnetz, nutzen Sie WLAN-Netze (so genannte Hotspots). Oft ist der Zugang dazu sogar gratis.

Deaktivieren Sie die Anrufumleitung auf die Sprachbox. Der Kunde bleibt auf dem Mobiltelefon im Ausland erreichbar. Je nach Anbieter wird die Nummer des verpassten Anrufes angezeigt.

Orang rät, alle Anrufe an eine Schweizer Festnetz-Nummer umzuleiten, dabei würden lediglich Inlandgebühren anfallen. Der Kunde ist damit jedoch auf dem Mobiltelefon im Ausland nicht mehr erreichbar. Abgehende Anrufe aus dem Ausland sind weiterhin möglich.

Aktivieren Sie die Anrufsperrung, um alle eingehenden Anrufe während des gewünschten Zeitraums einzuschränken.

Einige Handys sind so eingestellt, dass diese versuchen, ein MMS solange zu versenden oder zu empfangen, bis die Nachricht erfolgreich übermittelt wurde. Diese Versand- und Empfangsversuche können zu erhöhten Kosten führen. Am besten, Sie verzichten auf die MMS-Funktion.

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