Video-Interview

«Information zu den Aktivisten bringen»

Openleaks geht online. Im Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Interview erzählt der ehemalige Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg, wie seine neue Whistleblower-Plattform funktioniert.

Kämpfer für Transparenz: Daniel Domscheit-Berg, Mitgründer des Whistleblower-Portals Openleaks. (Video: Jan Derrer)

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Daniel Domscheit-Berg war nebst Julian Assange die bekannteste Figur von Wikileaks. Am Freitag stellte Domscheit-Berg in Davos sein neues Projekt Openleaks vor. Er tat dies nach der Verleihung des Public Eye Awards, mit dem die Erklärung von Bern und Greenpeace das übelste Unternehmen auszeichnen.

Die Informationen über die Machenschaften des mit dem Schmähpreis ausgezeichneten ghanaischen Goldschürfunternehmens Anglogold Ashanti wären nie ohne Whistleblower an die Öffentlichkeit gelangt, so Domscheit-Berg zu Beginn seiner Rede. «Es braucht Whistleblower, weil Geheimhaltung die Wurzel einer ungesunden Entwicklung von Gesellschaften ist», sagte er. Es brauche Transparenz, damit man wisse, was hinter dem Schmuckstück aus Gold aus Ghana stecke oder hinter dem Sportschuh aus Asien.

Whistleblower bestimmen, wer die Information bekommt

Openleaks versteht sich als Plattform, auf welcher Whistleblower ihre Informationen hochladen und entscheiden können, welcher Organisation, welchem Medium die Informationen zukommen sollen. Die Informationen würden auf die Website des Adressaten geladen. Ob die Informationen stimmen, muss jeweils der Adressat überprüfen. Anders als bei der Vorgängerorganisation Wikileaks kontrolliere Openleaks die Informationen nicht, antwortet Domscheit-Berg auf die Frage eines Journalisten. Die Quelle entscheidet, was mit der Information geschieht. Openleaks sorge dafür, dass die Quelle nicht auffliegt, etwa anhand der IP-Adresse oder anderer Spuren.

Auf den Aufstand der Massen in Ägypten und anderen Ländern angesprochen, sagt Domscheit-Berg, dass Openleaks zwar nicht helfen könne, eine Internet-Blockade zu umgehen, «aber wir können helfen, dass die Information dahin kommt, wo sie eine Rolle spielt, zu Aktivisten, zu lokalen Medien, zu Bloggern», damit vor Ort auf Missstände aufmerksam gemacht werde.

Gönner gesucht

Hinter der neuen Whistleblower-Plattform stecken zur Hälfte ehemalige Wikileaks-Mitarbeiter und zur Hälfte Interessierte, die ihn kontaktiert hätten, so Domscheit-Berg. Openleaks ist eine Nonprofit-Organisation, die Finanzierung soll über freiwillige Beiträge zustande kommen. Viel Geld hat die Plattform noch nicht. «Wir haben das meiste in Wikileaks gesteckt», sagte Domscheit-Berg. Openleaks.org ist seit heute online, in einer Testphase wird jetzt geprüft, wie gut die Plattform funktioniert. Ende Jahr soll sie voll funktionsfähig sein.

Erstellt: 28.01.2011, 15:58 Uhr

Gegen Geheimnisse: Daniel Domscheit-Berg von «Openleaks». (Video: Jan Derrer)

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