«Kein Programm an diesem Tag»: iPhone-App des Parlaments floppt

Seit kurzem ist auch Bundesbern offiziell auf dem Apple-Handy vertreten. Doch die App Parlament.ch ist ein totaler Reinfall.

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Basierend auf der Homepage Parlament.ch hat das Berner Informatikunternehmen Gridsoft die offizielle Applikation des Schweizer Parlaments entwickelt. Die iPhone-App «stellt alle Ratsmitglieder vor, informiert über die aktuellen Geschäfte und ermöglicht sogar einen virtuellen Rundgang durch das Bundeshaus», heisst es in einer Medienmitteilung.

Mark Stucki, Leiter Information und Kommunikation Parlamentsdienste, ist voll des Lobes über das Programm. «Die Parlamentsdienste fokussieren bei der Entwicklung der Applikation insbesondere auf regelmässige Nutzer unserer Informationen, also Ratsmitglieder, Journalisten und Interessenvertreter. Gleichzeitig soll aber gerade eine iPhone-App auch jüngere Menschen ansprechen.»

«Zeitgemässe Darstellung politischer Information»?

Soweit die Statements der Hersteller. Doch was taugt die App in der Praxis? Das Resultat eines Tests von Tagesanzeiger.ch/Newsnet ist erschreckend. Was als «zeitgemässe Darstellung politischer Information» für Nutzer, «die sehr mobil sind und daher dieses übersichtliche und attraktive Informationsangebot auch für das iPhone zu schätzen wissen» angepriesen wird, ist in Tat und Wahrheit eine einzige Enttäuschung:

  • Zum wichtigsten Tagesgeschäft des Herbst, der Bundesratsersatzwahl am 22. September, findet sich lange Zeit so gut wie nichts (siehe Bildstrecke oben). Das Programm der Vereinigten Bundesversammlung wird zuerst nur kurz erwähnt, dann gar nicht mehr. «Kein Programm an diesem Tag» ist die einzige Info, welche die App ab 7.30 Uhr anzeigt.
  • Manchmal ist Schlichtheit eine Tugend, doch in diesem Fall täten der Applikation etwas mehr optische Reize gut: Parlament.ch wirkt mit der durchgehend schwarz-rot-grauen Aufmachung extrem billig.
  • Auch inhaltlich bietet die App extrem wenig. Wer etwa mehr über die einzelnen Ratsmitglieder erfahren will, wird einfach auf die Homepage von Parlament.ch weitergeleitet. Dafür braucht es wahrlich kein eigenes iPhone-Programm.
  • Die Fotogalerie wird von Gridsoft als «Diashow mit virtuellem Rundgang» verkauft. Dabei füllt keines der gerade mal 21 Bilder der National- und Ständeratssäle und des Bundeshauses den ohnehin kleinen Smartphonebildschirm aus.

Die Rezensionen im iTunes Store sind entsprechend: «Lässt sich nur hoffen, dass im Parlament besser gearbeitet wird als bei dieser App», «wenig informativ» oder «weder ganz fertig gedacht, noch wirklich ausgereift», ist dort zu lesen.

Erstellt: 22.09.2010, 10:08 Uhr

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