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Mikrojobs im Selbstversuch

Clickworker-Plattformen versprechen, in vielen Bereichen die Zukunft der Arbeit zu sein. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat einige der Mikrojob-Sites ausprobiert.

Weltweit arbeiten Hunderttausende von Menschen als sogenannte Clickworker.

Weltweit arbeiten Hunderttausende von Menschen als sogenannte Clickworker. Bild: Reuters

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Als eine Art digitaler Ein-Franken-Laden bieten Onlineplattformen wie Fiverr.com Dienstleistungen zu Tiefstpreisen. Bei Fiverr.com liegt der Einheitspreis für diese Angebote stets bei fünf Dollar. Kleinsttexte schreiben, Comics zeichnen, Photoshop-Aufträge, das Testen von Smartphone-Apps: Die Bildstrecke vermittelt einen Eindruck davon, was bei Fiverr.com feilgeboten wird. Bei drei Angeboten machten wir die Probe aufs Exempel und testeten Dienstleistungen. Einmal das Erstellen eines animierten TA-Logos, weiter eine personalisierte Visitenkartenvorlage. Digitalredaktor Matthias Schüssler liess sich zudem sein Konterfei im Stil der TV-Serie «Die Simpsons» zeichnen. Das Ergebnis zeigen die angefügten Bilder. Die Schrulligkeit der Angebote ist in gewisser Weise repräsentativ für die Beliebigkeit und den Ramschcharakter vieler Angebote auf Fiverr.com. Allerdings kann, wer sich nicht scheut, für so kleine Preise einzukaufen, mit Glück auch solide Dienstleistungen vorfinden.

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Doch wie sieht die Gegenseite des Billiggeschäfts aus? Weltweit arbeiten Hunderttausende von Menschen als sogenannte Clickworker. Das bedeutet, sie stellen ihre Arbeitskraft als Selbstständige über das Internet zur Verfügung und erledigen Kleinstjobs, wie sie auf Fiverr.com zu finden sind. Alternativ gibt es für Arbeitssuchende online auch Websites, die digitale Fliessbandjobs offerieren. Dort lagern zumeist Unternehmen Aufgaben zu Niedrigstlöhnen an Clickworker aus. Dies offerieren Plattformen wie Mechanical Turk von Amazon, Crowdflower oder der gleichnamige Dienst Clickworker.

Neugierig, wie das digitale Outsourcing von der Arbeiterseite her aussieht, unternehme ich einen Selbstversuch auf solchen Plattformen. An die Stelle eines Vorstellungsgesprächs tritt bei den Mikrojob-Websites die Registrierung. Nach dieser kann der Clickworker bei einzelnen Anbietern direkt starten, anders bei Amazons Mechanical Turk. Hier ist man erst nach einer manuellen Prüfung zugelassen, die 48 Stunden dauert. Amazon lehnte meine Anfrage auch prompt ab, ohne Angabe von Gründen, und verwies auf einen geheimen Kriterienkatalog.

Tests statt Lebenslauf

Bei den Sites Clickworker und Crowdflower habe ich mehr Glück. Ich gelange schnell zu einer Liste möglicher Mikrojobs, jeweils mit einer kurzen Aufgabenbeschreibung und einer Angabe zur Entlöhnung. Zur Auswahl stehen Tätigkeiten wie Adressrecherche im Web und auf sozialen Netzwerken, das Vergleichen von Bildern von Weinetiketten, das Prüfen von Produktbeschreibungen oder das Aussortieren anstössiger Bilder aus einer Liste. Crowdflower bietet mir für diese Aufgaben, die jeweils eine bis mehrere Minuten in Anspruch nehmen, je zwei bis zwölf US-Cent.

Da vorgängig keine Prüfung der Qualifikationen eines Clickworkers stattfindet, prüfen die Mikrojob-Sites bei Bedarf gleich selbst, welche Kandidaten welche Aufgaben ausführen dürfen. Je nach Plattform und Aufgabe muss ich daher zuerst einen Onlinetest bestehen, um Zugang zu diesen Jobs zu bekommen. Beim Dienst Clickworker absolviere ich zur Probe zwei davon. Der erste prüft meine Qualifikation zu Onlineadressrecherche und verlangt, dass ich vorgegebene Firmenwebsites nach Kontaktdaten durchsuche und diese in ein Formular eintrage. Nach mehreren Durchgängen erhalte ich die Freigabe und darf nun Adresskarteien vervollständigen.

In der Textermühle

Ich schiele allerdings mehr auf die lukrativeren Texteraufträge, die hier ebenfalls zu finden sind. Zum Beispiel das Verfassen eines Artikels für ein «Neuwagen-Portal», in der Länge von 500 Wörtern. Mit einem Lohn von 6 Euro 65 Cent ist es einer der bestbezahlten Aufträge, die mir die Plattform anbietet. Auch hier ist erst ein Test zu absolvieren, in meinem Fall sind es mehrere Lückentexte, die online ausgefüllt werden müssen, ausserdem ein Probeartikel in der Länge von 150 Wörtern. Alles in allem eine halbe Stunde nimmt die Qualifikationsaufgabe in Anspruch. Anschliessend bin ich für Schreibarbeiten in Deutsch zugelassen. Zur Auswahl stehen Texteraufgaben für KMU-Websites, das Formulieren von FAQs oder Gastrotexten.

Ich bleibe vorerst bei Aufgaben wie Adressrecherche und probiere mich durch Aufgaben auf Crowdflower. Eine davon ist, die Suchmaschinenpositionierung eines Onlinecasinos zu testen. Der Job nennt sich «Sonntags Aufgabe #2 für die Switzerland!». Ich klicke mich durch und beantworte eine Reihe von Auswahlfragen, nachdem ich wie befohlen den Namen des Casinos gegoogelt habe. Das Abschicken des Formulars klappt erst nach dem x-ten Versuch und nachdem ich das Supportteam wegen der anzeigten Fehlermeldung kontaktiert habe. Verdient habe ich nach einer Stunde Herumprobieren umgerechnet rund 23 Rappen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.05.2014, 10:27 Uhr

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