Mit Google zu Besuch in einer Geisterstadt

21'000 Einwohner hatte der unweit von Fukushima gelegene Ort Namie. Nach dem Tsunami wurde er zur Geisterstadt, in die niemand mehr einen Fuss setzte – bis auf die Fotografen von Google Street View.

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Internetnutzer können ab sofort einer Stadt in der Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima einen virtuellen Besuch abstatten. Der Ort Namie, der einst 21'000 Einwohner hatte, ist seit Donnerstag im Strassenfoto-Dienst Google Street View zu sehen, wie der US-Internetkonzern mitteilte. Die Bilder zeigen die vollkommen verwaiste Stadt, die von ihren Bewohnern nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami vor zwei Jahren und dem anschliessenden GAU im AKW Fukushima fluchtartig verlassen wurde.

Namie liegt in der strahlenverseuchten, immer noch komplett evakuierten Zone rund um das teilweise zerstörte AKW. Auf den Strassen stehen kaum Autos, in Blumenkästen vor den Häusern hängen verdorrte Pflanzen. Teilweise liegen Trümmer in der Stadt. Auf den Strassen um Namie ist das durch die Flutwelle komplett platt gewalzte Land zu sehen. Verstreut liegen dort Fischerboote, die vom Tsunami weit an Land geschwemmt wurden.

Mit Schutzanzügen unterwegs

Die Idee für die besondere Aktion hatte nach eigenen Angabe der Bürgermeister von Namie, Tamotsu Baba. Er kontaktierte Google, das Unternehmen schickte anschliessend ein Team mit den Spezialautos für die Street-View-Aufnahmen. Die Techniker befuhren mit einer Sondergenehmigung die Sperrzone. Sie trugen Schutzanzüge und verliessen nie ihre Fahrzeuge.

«Die Welt bewegt sich, sie richtet ihren Blick auf die Zukunft. Aber hier ist die Zeit angehalten», schrieb Baba in einem Beitrag im offiziellen Blog von Google Japan. «Ich hoffe, dass diese Strassenbilder den künftigen Generationen zu verstehen helfen, was das grosse Erdbeben und die Atomkatastrophe hier angerichtet haben.»

Im Atomkraftwerk Fukushima im Nordosten Japans war es infolge des verheerenden Erdbebens und Tsunamis am 11. März 2011 in einigen Reaktoren zur Kernschmelze gekommen. Es war das folgenschwerste Atomunglück seit der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. (fko/AFP)

Erstellt: 29.03.2013, 11:21 Uhr

Tepco nimmt Schuld auf sich

Der japanische Atombetreiber Tepco gibt sich die grösste Schuld an der Katastrophe im havarierten Atomkraftwerk Fukushima. In einem am Freitag veröffentlichten Bericht räumte das Unternehmen ein, nicht auf das Erdbeben und den anschliessenden Tsunami vorbereitet gewesen zu sein, der im März 2011 mehrere Kernschmelzen in der von Tepco betriebenen Atomanlage zur Folge hatte. Tepco hatte zuvor erklärt, der Tsunami sei grösstenteils an der Atomkatastrophe schuld.

In dem Bericht heisst es weiter, Ausrüstung und Sicherheitsvorkehrungen in der Anlage seien unzureichend gewesen. Die Kernschmelzen hätten verhindert werden müssen. Tepco habe auch nicht versucht, die Öffentlichkeit über Gefahren und Probleme in der Atomanlage aufzuklären.

Der Bericht ist Teil einer internen Untersuchung, die Tepco vergangenes Jahr in Auftrag gegeben hatte. (AP)

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