Mit Schweizer Technik zum Traumjob

Vier junge Zürcher sorgen in der Techbranche für Aufsehen: Sie haben einen Dienst für Leute lanciert, die einem neuen Job nicht abgeneigt sind – ihn aber nicht aktiv suchen möchten.

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Dominik Grolimund ist in der internationalen IT-Szene kein Unbekannter: 2008 lancierte er Wuala, welches dem Nutzer eine Online-Festplatte zur Verfügung stellt. Bereits mit 14 Jahren gründete er seine erste Firma. Nach dem Verkauf von Wuala im Jahr 2009 wurde es indes ruhiger um den 31-Jährigen. Was nicht heisst, dass der studierte ETH-Informatiker untätig geblieben wäre. Seit Mittwoch ist sein neustes Projekt online, das sich wie ein Verschreiber liest: Silp.

«Es ist schon sehr hilfreich, wenn man den ganzen Prozess schon einmal gemacht hat», blickt Grolimund auf die Zeit bei Wuala zurück. «Das zahlt sich im Start-up-Alltag aus, indem man Leerläufe vermeiden kann und schneller vorankommt.» Vielleicht zu schnell? Silp ist – zumindest für Arbeitgeber – noch in einer Pilotphase und öffentlich noch nicht verfügbar. Dominik Grolimund verneint: «Bei Wuala hatten wir fast zu lange gewartet, um mit dem Produkt auf den Markt zu gehen. Bei Silp gehen wir deshalb sehr früh raus, um herauszufinden, was funktioniert und was nicht.»

Die wandernden Jobs

Wie aber funktioniert und was kann Silp? Silp.com gleicht Jobs mit Interessen ab. Der Service berücksichtigt dabei verschiedene Informationen, etwa Berufsinfos (Arbeit, Ausbildung etc.). Da viele Leute von Ihrem Facebook-Profil auf andere Websites verlinkten, könne Silp auch Fähigkeiten und Interessen von anderen Onlineprofilen wie etwa Twitter oder Linkedin extrahieren.

Dann gleicht Silp Jobs mit dem sozialen Netzwerk ab. «Silp gibt Arbeitgebern Werkzeuge an die Hand, mit denen sie schauen können, wer in ihrem erweiterten Netzwerk und dem ihrer Freunde und Mitarbeiter auf die Stelle passen könnte. Freunde können die Stellenanzeige passenden Freunden vorschlagen oder sie um Hilfe bitten, sodass Jobs durch das soziale Netzwerk «wandern», um zu den richtigen Kandidaten zu gelangen», heisst es in einer Medienmitteilung.

Nur Arbeitgeber müssen zahlen

Für Arbeitnehmer ist dieses Angebot gratis. Laut Grolimund wird es für Arbeitgeber später sowohl kostenlose wie auch kostenpflichtige Angebote geben. Beispielsweise werde man für diese Gratis-Werkzeuge anbieten, mit denen man passende Kandidaten im eigenen erweiterten Netzwerk und in dem seiner Mitarbeiter finden könne. Interessierte Kandidaten ausserhalb seines Netzwerks zu erreichen, werde hingegen etwas kosten.

Wann diese Services bereitstehen, kann Grolimund zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen: «Mit den Angeboten für Arbeitgeber befinden wir uns momentan in einer Pilotphase. In dieser geht es unter anderem darum, das Pricing zu definieren.» Daneben arbeite man an Lösungen für die Personalwirtschaft.

Eine halbfertige Lösung?

Das klingt – wie eingangs erwähnt – nach einem Start mit einem halbfertigen Produkt. Grolimund wehrt sich: Die meisten Start-ups würden nicht am Produkt oder an der Technologie scheitern, sondern am Markt: «Sie bauen ein Produkt, das niemanden interessiert.» Die grösste Chance, das zu vermeiden, habe ein Jungunternehmer, wenn er früh auf den Markt gehe und das Produkt an die realen Bedürfnisse anpasse.

Die ersten Reaktionen auf diese Vorwärtsstrategie sind für das im Stadtzürcher Technopark angesiedelte Viererteam erfreulich. Sowohl Techportale wie Techcrunch und Gigaom als auch das «Wall Street Journal» haben den Namen Silp bis ins Silicon Valley verbreitet.

Keine Jobbörse, ein Talentpool

Dieses Produkt – Silp – sei weder ein professionelles Netzwerk noch eine Jobbörse, sondern ein Talentpool auf Facebook. Angesichts der zunehmenden Facebook-Müdigkeit kein Risiko? «Silp baut auf Facebook auf, weil das Jobmatching und die Empfehlungen über Freundesbeziehungen funktionieren. Auf Xing oder Linkedin habe ich Kontakte, die ich während fünf Minuten an einer Konferenz kennen gelernt habe, denen ich aber keinen Job empfehlen würde.»

Sowieso spiele die Facebook-Müdigkeit für Silp keine Rolle, denn Silp wolle für den Benutzer gerade unsichtbar sein und erfordere Interaktion. «Wir möchten unbedingt die Einfachheit für den Benutzer beibehalten, um so möglichst viele Leute anzusprechen – vor allem auch solche, die momentan einen guten Job haben und nicht auf Jobsuche sind. Silp macht die Arbeit im Hintergrund und informiert die Benutzer über spannende Karrierechancen», so Grolimund weiter.

Und der Datenschutz?

Das Angebot setzt voraus, dass man möglichst viel Berufliches von sich auf Facebook preisgibt. «Wir stellen fest, dass immer mehr Leute auch ihre beruflichen Informationen auf Facebook erfassen. Silp übernimmt von Facebook ausschliesslich den Wohnort, Ausbildung und Arbeitsstellen», entgegnet Jonas Kamber vom Silp-Team. Alternativ könne der Benutzer die Daten direkt auf Silp erfassen. Werbefachmann Kamber hält zudem fest, dass Silp nur berufliche Informationen nutzt, um Stellen mit den Kandidaten abzugleichen. Diese schütze das Unternehmen vor Dritten und nutze sie ausschliesslich für das Jobmatching.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2012, 11:52 Uhr

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