Nokias Staatsfeind Nummer 1

In Las Vegas soll laut dem Starblogger und Technikjournalisten Eldar Murtazin das Ende der finnischen Handyschmiede im Smartphone-Markt beschlossen werden. Wie wird Microsoft entscheiden?

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27'300 Follower auf Twitter – aber kein Eintrag auf Wikipedia, enormer Einfluss in der IT-Szene – aber beinahe völlige Abwesenheit in den grossen Medien: Eldar Murtazin einzuordnen, fällt nicht ganz leicht. Wenn man etwas mit Bestimmtheit sagen kann, dann dies: Die Online-Publikationen des Chefredaktors des Handyportals «Mobile Review» lassen Interessierte nicht kalt. Entweder man liebt, was Murtazin schreibt, oder man wünscht den russischen Technikexperten zum Teufel.

Die russischen Behörden eingeschaltet

Insbesondere in Skandinavien dürfte Murtazin wenig Freunde haben: Der finnische Handykonzern Nokia befindet sich in einer Dauerfehde mit Murtazin, seit dieser im Jahr 2010 fast gleichzeitig zur offiziellen Vorstellung des damaligen Firmenflaggschiffs Nokia N8 Fotos des Smartphone-Prototyps sowie eine vernichtende Kritik dazu publiziert hatte.

Das Unternehmen, welches das Gerät unbedingt zurückhaben wollte und Murtazin in einem offiziellen Statement des Firmendiebstahls beschuldigte, sah sich daraufhin veranlasst, die russische Justiz einzuschalten.

Geheimtreffen an der CES

Murtazin war es auch, der vor der offiziellen Bekanntgabe die Partnerschaft zwischen dem Handyhersteller und Microsoft verkündete. Und nun dies: In mehreren Tweets berichtet der Handyexperte von einem Geheimtreffen in Las Vegas, an welchem Microsoft die Smartphonemarke Nokia zu Grabe tragen will. Die Details zur Abspaltung der Mobile-Sparte würden Steve Ballmer und Andy Lees von Microsoft sowie Stephen Elop und Kai Öistamö von Nokia an der am 10. Januar beginnenden Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ausarbeiten.

Erst vor einem Monat überraschte die dänische Danske Bank die Öffentlichkeit mit einer Publikation, wonach die Übernahme Nokias durch Microsoft bis Mitte 2012 abgeschlossen sein soll. Murtazin indes nennt keinen Verkaufstermin, schreibt aber, dass die Verhandlungen relativ rasch zu einem Ende kommen könnten, falls Microsoft dies nur wolle. Der (von Microsoft gekommene) Nokia-Chef Stephen Elop müsste dann laut Murtazin zurücktreten. Ausserdem würde die Marke Nokia nur noch für Handys, nicht aber für Smartphones Bestand haben.

Das Dementi von Nokia

Nokia hat mittlerweile gegenüber N-TV zu Murtazins Spekulationen Stellung genommen: «Wir haben diese Art von Gerüchten schon vor langer Zeit ausgeräumt. Der Fokus für Nokia liegt nun ganz klar auf der Umsetzung unserer Partnerschaft rund um Windows Phone und darauf, das Ecosystem wachsen zu lassen. Beide Firmen verfügen über das, was sie dazu brauchen.»

Erstellt: 06.01.2012, 13:01 Uhr

Noch ein Betriebssystem

Nokia hat sich mit Smarterphone, einem norwegischen Softwareunternehmen, ein weiteres Handy-Betriebssystem eingekauft. Wie die Investmentfirma Ferd Capital berichtet, sei die Transaktion bereits im November abgeschlossen worden. Ferd Capital hatte nach eigenen Angaben seit 2007 insgesamt 6,5 Millionen Euro in die Firma investiert.

Smarterphone hat ein Handy- Betriebssystem entwickelt, das einige für Smartphones übliche Funktionen auch auf einfachen Handys zum Laufen bringt. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Ob Nokia neben seinem bisherigen Betriebssystem Symbian und dem Windows Phone des Partners Microsoft tatsächlich an einem weiteren Betriebssystem oder eher an dem Know-how und möglichen Patenten Interesse hat, blieb unklar. (SDA)

Eldar Murtazin.

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