«Osama Bin Laden NOT DEAD»

Photoshop-Fälschungen werden immer raffinierter. Selbst Experten haben Mühe zu erkennen, ob ein Bild echt ist. Das ist Wasser auf die Mühlen der Verschwörungsfanatiker – erst recht, wenn die USA keine Fotos zeigen.

«Alles muss abgebildet werden»: Foto des getöteten Terroristenführers Osama Bin Laden.

«Alles muss abgebildet werden»: Foto des getöteten Terroristenführers Osama Bin Laden. Bild: Reuters

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Ein toter Osama Bin Laden liegt auf dem Boden, seine linke Gesichtshälfte ist weggerissen. Die Bilder sind blutig, grotesk und überzeugend, aber sie sind Fälschungen. Bereits kurz nachdem der Tod bin Ladens bekannt gegeben worden war, gingen die ersten gefälschten Fotos online, tauchten im Fernsehen und in Zeitungen auf. Mittlerweile sind auch Internet-Betrüger auf den Zug aufgesprungen, angebliche Links zu Bin-Laden-Fotos verbreiten stattdessen Viren (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Die Öffentlichkeit «erträgt das Unsichtbare nicht mehr»

Angesichts der immer raffinierteren Photoshop-Fälschungen wird die Entscheidung für die Medien und die Öffentlichkeit, welches Bild echt ist und welches nicht, immer schwieriger. Und die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, kein Foto des toten Bin Laden zu veröffentlichen, dürfte das Interesse noch wachsen lassen.

«Ich glaube nicht, dass die Öffentlichkeit das Unsichtbare noch erträgt», sagt der Fotografie-Professor Fred Ritchin von der New York University. «Alles muss abgebildet werden.» Ritchin hat unter anderem Texte dazu veröffentlicht, dass die digitale Technologie das Vertrauen in die Echtheit von Fotos untergräbt.

Leiche in Bild hinein retuschiert

Eines der am weitesten verbreiteten Fotos zeigt einen blutigen bin Laden, dem das linke Auge zu fehlen scheint, sein Gesicht eine Grimasse, als ob er unter grossen Schmerzen gestorben wäre. Das Weisse Haus hatte bekannt gegeben, dass der Al-Qaida-Chef über dem linken Auge getroffen worden war. Laut der Nachrichtenagentur Reuters stimmen ein Ohr, der Mund und der Bart genau mit einem ihrer Bin-Laden-Fotos von einer Pressekonferenz 1998 überein. Der andere Teil des Gesichts scheint von einer anderen Leiche zu sein.

Ein anderes Foto, das auf der Seite liveleaks.com erschien, zeigt bin Laden mit einer Wunde über einem Auge, während ein Soldat mit amerikanischer Flagge auf der Schulter über der Leiche steht. Das Foto ist grün-schwarz, als ob es mit einer Nachtsichtlinse aufgenommen worden wäre. Liveleaks zog später das Foto zurück, bei dem bin Laden offenbar in ein Bild aus dem Film «Black Hawk Down» hinein retuschiert wurde.

Ein drittes gefälschtes Foto - das grausigste von allen - zeigt ein blutiges Gesicht, das bin Laden gleicht. Auf dem Bild ist der Schädel des Opfers weggeschossen und das Gehirn zu sehen.

Verschwörungstheorien auf Facebook

Das Schwierige ist, die Fotos auch als Fälschungen zu erkennen, sagt Santiago Lyon, Foto-Chef der Nachrichtenagentur AP. «Ein guter Photoshop-Fälscher kann es einem sehr schwer machen, auf den ersten Blick zu sehen, ob das Bild manipuliert wurde oder nicht.»

Am ehesten sind Fälschungen für erfahrene Bildredakteure durch uneinheitliche Farbgebung, Kontraste oder Veränderungen der Lichtquelle erkennbar, sagt Lyon. Die AP habe zusätzlich Software, die Fotos bis auf Pixelebene analysieren könne. Dennoch musste die Agentur sechs ursprünglich von anderen Medien veröffentlichte Fotos wieder aus ihrem Dienst nehmen, nachdem sie als Fälschungen entlarvt worden waren.

Während mittlerweile durch manche Links zu Bin-Laden-Bildern auf sozialen Netzwerken wie Facebook Viren verbreitet werden, gibt es dort auch jene Gruppen, die Obamas Weigerung, die echten Fotos zu veröffentlichen, als Anlass für Verschwörungstheorien verwenden. Fans der Facebook-Seite «Osama Bin Laden NOT DEAD» glauben, dass die US-Regierung selbst die Fälschungen veröffentlicht habe und dass die Nachricht vom Tod des Al-Qaida-Chefs erfunden ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.05.2011, 19:19 Uhr

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