Psychologische Kriegsführung reloaded

Das Pentagon manipuliert über eine Spezialsoftware soziale Netzwerke. Dies berichtet die «Washington Times». Das US-Militär verlagert somit den Kampf gegen den Terrorismus offiziell ins Internet.

«Extremistischen Ideologien und feindlicher Propaganda entgegenwirken»: Der Cyberwar ist auch in sozialen Netzwerken Realität.

«Extremistischen Ideologien und feindlicher Propaganda entgegenwirken»: Der Cyberwar ist auch in sozialen Netzwerken Realität. Bild: AFP

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Das United States Central Command (Centcom) ist Teil der operativen Kontrolle des Pentagons und unter anderem zuständig für Afghanistan, Nahost, Ägypten und den Sudan – für Regionen also, die höchst instabil sind und mehrere US-Militäreinrichtungen beherbergen.

Die dem dortigen Regionalkommando unterstellten US-Soldaten kämpfen nicht nur mit Waffen, sondern auch mit virtuellen Realitäten. Laut Recherchen der «Washington Times» hat die Centcom eine Software erworben, mit der falsche Online-Profile errichtet werden können, die sich von Gegnern unmöglich als Täuschungen identifizieren lassen.

Hackerangriffe nicht ausgeschlossen

Mit dem vom Unternehmen Ntrepid in San Diego entwickelten Programm will Washington antiamerikanische Online-Propaganda bekämpfen. Ein einzelner Mitarbeiter soll zehn Profile bedienen können, die dank falschen IP-Adressen den Anschein erwecken, für Menschen aus unterschiedlichen Regionen zu stehen.

Die Centcom hat die Informationen der Zeitung bestätigt. Die Software ermögliche geheime Netzwerk-Aktionen ausserhalb der USA, die «extremistischen Ideologien und feindlicher Propaganda entgegenwirken», wird Centcom-Sprecher Bill Speaks zitiert. Das US-Militär schliesst nicht aus, über die Fake-Profile Hackerangriffe gegen feindliche Einrichtungen zu starten.

Facebook offiziell ausgenommen

Wenigstens offiziell ist das weltgrösste soziale Netzwerk Facebook ausgenommen. Denn dabei handle es sich um ein amerikanisches Unternehmen. Die im Militärjargon Military Information Support Operations bezeichneten Online-Aktivitäten der US-Armee beschränkten sich auf Netzwerke ausserhalb der Vereinigten Staaten. (rek)

Erstellt: 22.03.2011, 10:46 Uhr

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