Schnitzeljagd im Internet

Knobeln mit Wikipedia, Spass mit Google: Webdienste lassen sich zu Gesellschaftsspielen umfunktionieren.

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Google: Die Suchmaschine auf den Kopf stellen
Die allwissende Suchmaschine ist oft ein Spielverderber. Statt Allgemeinwissen zählt immer öfter allein die Fähigkeit, schnell und unauffällig per Smartphone bei Google vorbeizuschauen. Das ist bei hitzigen Wortwechseln lästig und verdirbt den Spass, wenn man gemeinsam vor dem Fernseher bei «Wer wird Millionär?» miträtselt.

Auf Agoogleaday.com werden Quizfragen gestellt, bei denen Googeln nicht verpönt, sondern eine Notwendigkeit ist, denn ohne geschickte Suchstrategie lassen sich die ungemein schweren (englischen) Fragen nicht beantworten. Es gewinnt, wer souverän auch die Büchersuche, Google Translate und Maps beherrscht. «A Google a Day» kann auch als Gesellschaftsspiel betrieben werden, wenn jeder Mitspieler ein Tablet oder Netbook zur Hand hat.

Ein Klassiker bei den Google-Gesellschaftsspielen ist das Google-Prügeln oder in Englisch «Google Whaking». Nach der ursprünglichen Spielregel musste man zwei Begriffe finden, die zusammen genau einen Suchtreffer ergeben. Das ist beim ständig wachsenden Datenbestand inzwischen fast unmöglich. Als realistische Variante sollte man versuchen, unter zehn Treffer zu gelangen – beispielsweise mit den beiden Begriffen onomatopoetischer Langhaarschneider (9 Treffer) oder südalaskische Meeresflora (3 Treffer).

«Google-Schlange» ist ein bewährtes Partyspiel. Ein Spieler beginnt mit einem Wort, das als Satzanfang dient und das reihum von den Mitspielern um jeweils ein Wort ergänzt wird. Der Spieler, bei dem der in Anführungszeichen gesetzte Satz null Treffer ergibt, hat verloren.

Das klassische Fernsehquiz «Jeopardy» stellt den Spielern die Aufgabe, auf eine vorgegebene Antwort die passende Frage zu finden. Auf die Google-Suche angewandt, bedeutet das: Was ist der Suchbegriff, der eine bestimmte Trefferliste zur Folge hat? Gerätselt wird unter Gamesforthebrain.com/game/whatsearch/. Unter Googlefight.com oder Tussle.de treten zwei Suchbegriffe gegeneinander an – gewonnen hat der mit mehr Treffern. Welche Begriffe global mehr interessieren, kartet man unter Google.com/trends aus, indem man zwei Begriffe per Komma abtrennt.

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Wikipedia: Der heitere Wettlauf durch die Enzyklopädie
Wikipedia ist nicht nur ein faszinierendes Lexikon, sie ist auch eine grossartige Spielwiese. Ziel des Wiki-Spiels ist es, sich vom einen Lexikonartikel nur mit den Verlinkungen zum nächsten zu hangeln. Wer schneller oder mit weniger Klicks ans Ziel gelangt, gewinnt. Je unterschiedlicher der Start- und der Zielbegriff sind, desto lustiger wird das Rennen durch die Enzyklopädie.

Man versuche zum Beispiel, mit möglichst wenig Klicks vom Britisch-Sansibarischen Krieg zum Wikipedia-Eintrag des «Tages-Anzeigers» zu kommen. Nach mehreren Sackgassen führt im Selbstversuch schliesslich eine Route über Grossbritannien, Frankreich, Schweiz, Letzigrund und Zürich zum gewünschten Lexikoneintrag. Insgesamt waren sieben Klicks nötig.

In einer zweiten Runde brauchte es nur noch fünf Klicks für die Route von den Versailler Verträgen zu Charles Darwin. Hier führte der Weg über Resources, Biology, Species und On the Origin of Species schliesslich zum Ziel.

In dieser einfachsten Form lässt sich das Spiel allerdings nur allein oder mit Bürokollegen in Rufdistanz spielen. Wer es kompetitiver und komfortabler mag, für den gibt es Thewikigame.com. Die Internetplattform übernimmt das Klickzählen, bestimmt Start- und Zielwort und lässt einen gegen automatisch ausgesuchte Konkurrenten antreten. Alle 2 Minuten startet eine neue Runde, in die man sich einfach einklinken kann.

Auch hier gilt: Wer am schnellsten beim Zielartikel angekommen ist, gewinnt. Nebst diesem Wettrennen durch Wikipedia bietet die Internetplattform auch andere Spielvarianten an. Wenn man nicht so gestresst durch das Lexikon hetzen mag, gibt es auch ruhigere Disziplinen, zum Beispiel: Wer braucht am wenigsten Klicks bis zum Ziel? oder: Wer erreicht das Ziel in weniger als sechs Klicks? Mit einem Augenzwinkern zu sehen ist die knifflige Variante «Mit fünf Klicks zu Jesus». Dabei geht es, wie es der Name schon andeutet, darum, über maximal fünf Verlinkungen zum Wikipedia-Artikel von Jesus zu gelangen. Ein Benutzerkonto ist für ein gelegentliches Spiel zwischendurch nicht nötig. Erst wenn man in die Tages- und Wochenrangliste möchte, muss man sich registrieren.

Will man das Spiel auf dem iPhone oder iPad spielen, braucht man die kostenpflichtige App (1 resp. 2 Franken im App-Store). Für Android gibt es derzeit noch keine mobile Lösung. Leider nutzt Thewikigame.com derzeit nur die englische Wikipedia. Wer lieber auf Deutsch spielt, muss seine Klicks auch weiterhin selber zählen. Spass machen beide Varianten.

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Streetview und Google Books: Ein Gespür für Orte und Epochen entwickeln
Wie es wäre, innert Sekunden an einen beliebigen Ort teleportiert zu werden – das lässt einen Geoguessr.com spüren. Dieses Geografiequiz setzt den Spieler mitten auf einer zufällig gewählten Strasse unserer Erde ab und gibt ihm die Aufgabe, seinen Aufenthaltsort auf der Weltkarte mit einer Stecknadel zu markieren.

Die Strassenansichten stammen von Streetview, doch die normalerweise eingeblendeten Strassennamen fehlen. Zur Orientierung hält man sich an die Landschaft, die Architektur, an Autos und das Strassenbild. Falls man Glück hat, entdeckt man Wegweiser oder Leuchtreklamen, die es erlauben, Mutmassungen zum Land oder wenigstens zum Kontinent anzustellen. Doch mitunter landet man auch auf einer abgelegenen, kargen Schotterpiste ohne charakteristische Anhaltspunkte – und muss sich per Maus auf die Socken machen oder die Stecknadel auf gut Glück platzieren. Bei jeder Runde wird die Distanz zwischen dem richtigen und dem vermuteten Aufenthaltsort addiert – und es ist möglich, eigene Aufgaben zu stellen, die die Freunde dann knacken müssen.

Eine Reise durch die Zeit unternimmt man via Ngrams.googlelabs.com. Mit diesem Werkzeug lassen sich die von Google digitalisierten Bücher analysieren. Der Datenbestand enthält mehr als 5 Millionen Bücher, die zwischen 1800 und 2000 erschienen sind und etwa 500 Milliarden Wörter in Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch enthalten.Per Suche erfährt man nun etwas über die zeitliche Verteilung eines oder mehrerer Suchbegriffe, die man per Komma abgetrennt eingibt. Das öffnet Tür und Tor, um sein kulturhistorisches Wissen zu prüfen.

Wer ist näher dran, wenn es darum geht, zu erraten, wann das Wort «Yoga» im breiten Sprachgebrauch auftauchte? Welches Wort war zuerst? «Emanze» oder «Yuppie»? Wann hat, sprachlich, der «Plattenspieler» das «Grammofon» abgelöst? Und wann hat in der Welt der Sagenwesen der «Werwolf» den «Kobold» an Popularität überflügelt? Die Antworten sind manchmal einleuchtend und oft genug überraschend. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.07.2013, 07:56 Uhr

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