Selbst speichern, was man wirklich braucht

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Myspace hat es leider verpasst, einen scharfen Blick auf die Datensicherheit zu werfen.

Myspace hat es leider verpasst, einen scharfen Blick auf die Datensicherheit zu werfen. Bild: Mark Lennihan

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Das Internet vergesse nicht, wird gern behauptet. Dabei ist das Gegenteil wahr: Das digitale Gedächtnis des Internets ist grottenschlecht. Wie wenig inzwischen vom Internet der ersten Stunde noch übrig ist, beschreibt der Artikel Die Internet-Archäologen. Im Artikel Löchrige Playlists und verschwundene Netflix-Serien haben wir einen weiteren Fall aufgezeigt: wie die früher riesige Musikplattform Myspace die ganze Musik verloren hat, die Nutzer während zwölf Jahren dort hochgeladen haben.

Auch mit Google+ sind im April 2019 Millionen von Accounts verschwunden. Der Suchmaschinenkonzern hat sein soziales Netzwerk eingestampft, weil es nie an Facebook oder Twitter herangekommen ist. Trotzdem hatte es eine treue Nutzerschaft, deren Inhalte nun nicht mehr greifbar sind. Auch die BBC konstatiert: Vom frühen Internet ist heute nicht mehr viel übrig. Viele Websites sind abgeschaltet worden, und Archivare können nur einen kleinen Teil davon retten.

Warum Web-Inhalte verschwinden

Doch digitale Inhalte gehen nicht allein deswegen verloren, weil Homepages nicht mehr betreut werden und Webserver offline gehen. Youtube beispielsweise löscht tagtäglich und im grossen Stil Videos. Im Transparenzbericht weist Youtube-Besitzerin Google die Zahlen aus (siehe auch Glasnost bei Google): In drei Monaten (Januar bis März 2019) wurde die schwindelerregende Zahl von fast 8,3 Millionen Videos entfernt. 60 Prozent, weil sie irreführende oder betrügerische Botschaften enthielten. 20 Prozent wegen «Nacktheit oder sexueller Inhalte» und fast 10 Prozent zum Schutz von Kindern.

Was tun, wenn etwas Wichtiges aus dem Netz abhanden gekommen ist – ein Zeitdokument, auf das man nicht verzichten möchte, eine wertvolle Erinnerung? Oder gar eine Website, die in einem Rechtsstreit eine entscheidende Rolle spielt? Mit etwas Glück sind die gelöschten Inhalte noch über den Google Cache abrufbar. Auf den greifen Sie am einfachsten via cachedview.com zu. Unbegrenzt werden Webinhalte bei archive.org gespeichert – aber dort findet sich nur ein kleiner Teil der Sites und deren Inhalte.

Es gibt aber die Möglichkeit, Web-Inhalte lokal zu speichern, um sie für Dokumentations- oder Beweiszwecke zur Verfügung zu haben, selbst wenn sie verschwinden sollten:

Um eine einzelne Website zu speichern, gibt es bei Google Chrome und Firefox den Befehl «Seite speichern unter». Er findet sich jeweils im Menü, das über den Knopf am rechten Ende der Adressleiste zur Verfügung steht; bei Chrome im Untermenü «Weitere Tools». Sie können auch einfach die Tastenkombination Ctrl + s betätigen.

Mit einem Klick Websites sichern

Komfortabler funktioniert die Speicherung über die Erweiterung Save Page WE, die es für Chrome und Firefox gibt. Sie erscheint als Knopf in der Menüleiste und speichert den gesamten Inhalt einer Seite in einer einzigen Datei. Mit einem Rechtsklick auf das Symbol sichern Sie die Seite ggf. ohne Audio und Video, um die Dateigrösse zu reduzieren.

Bei Firefox gibt es im Menü neben dem Adressfeld den Befehl «Bildschirmfoto aufnehmen». Er speichert einen Teil oder die gesamte Seite als Screenshot. Das ist eine hervorragende Methode, um den Inhalt einer Website gerichtsverwertbar zu dokumentieren. Der Nachteil ist, dass bei einem Bildschirmfoto der Text nicht markier- und kopierbar ist.

Mit printfriendly.com werden von beliebigen Websites druckfreundliche Ansichten generiert, indem Werbung, Navigation und Bedienelemente ausgefiltert werden. Über den Knopf «PDF» lässt sich diese Ansicht auch in einem praktischen Archivformat speichern, wo Sie Textpassagen markieren oder eigene Kommentare anbringen können. Printfriendly gibt es auch als App fürs Smartphone. Ausführliche Hinweise zu Printfriendly finden Sie hier.

Ganze Sites retten

Die kostenlose Windows-Software HTTrack (httrack.com) speichert nicht nur einzelne Seiten, sondern lädt ganze Websites herunter. Die Archivierung erfolgt in Standard-Webformaten. Das kann zur Folge haben, dass gewisse interaktive Elemente nicht mehr funktionieren. Es hält aber eine Website am Leben, selbst wenn die verwendete Webtechnologie (das sogenannte CMS) nicht mehr funktioniert. Tipps zu HTTrack finden Sie auch hier.

Und schliesslich Youtube: Wer einen Clip sicher greifbar haben will, muss ihn (für den persönlichen Gebrauch) herunterladen. Das geht am einfachsten über den alternativen Youtube-Katalog invidio.us (hier ausführlich beschrieben). Ersetzen Sie in der Youtube-Adresse das «youtube.com» durch «invidio.us»: Es erscheint das gleiche Video, bei dem Sie am linken Rand einen Download-Knopf zur Verfügung haben.

Erstellt: 21.08.2019, 06:10 Uhr

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