Services für Kollaborateure

Google, Microsoft und Facebook bieten Dienste, mit denen sich Dokumente im Team teilen lassen. Eigenbrötlerisch gibt sich hingegen Apple.

Mit «Docs» kann man gut texten – und die Texte mit Facebook-Freunden teilen.

Mit «Docs» kann man gut texten – und die Texte mit Facebook-Freunden teilen. Bild: Screenshot Tages-Anzeiger

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Bekanntlich lebt ja niemand auf einer Insel, besonders in der modernen Arbeitswelt. Unsere wichtigsten Arbeitsinstrumente, die PCs, sind dennoch stark auf den einzelnen Nutzer ausgerichtet: mein Desktop, mein Adressbuch, meine Dokumente. Was meistens Sinn macht, verkompliziert die Arbeit im Team. Denn wie und wo legt man «unser Dokument» ab? Grössere Firmen betreiben dafür ein Intranet, doch auch kleine Bürogemeinschaften, Vereine oder einfach Bekannte möchten ab und zu Dokumente teilen. Für sie halten die üblichen Verdächtigen Lösungen im Internet bereit, allesamt kostenlos.

So etwa «Google Docs», das Cloud-Office, das es bereits seit bald 6 Jahren gibt (docs.google.com). Voraussetzung ist ein Google-Account, den man auch für Gmail oder Google+ nutzt. Im Webbrowser lassen sich Text-Dokumente, Tabellenkalkulationen, Präsentationen und Formulare erstellen. Teilen kann man diese wahlweise mit anderen Google-Anwendern oder dem ganzen Web. Mehrere Nutzer können zudem gleichzeitig am selben Dokument arbeiten.

Office als Facebook-App

Google Docs bietet weniger Funktionen als MS Office (insbesondere die Tabellenkalkulation hat den Ruf, unausgereift zu sein), für kleinere Projekte reicht es aber aus. Allerdings trübt der Google-übliche, eher technoide Auftritt das Vergnügen. Und der Import/Export von Dokumenten von und ins Word-Programm funktioniert zwar, doch gehen oftmals Formatierungs-Details verloren.

Trotz den Einschränkungen hat es Google geschafft, Microsoft aus der Reserve zu locken – die Abteilung des Software-Riesen, die unter anderem Office-Lizenzen verkauft, ist dessen grösster Umsatzträger. So bietet Microsoft mittlerweile mit «Office 365» eine Cloud-Office-Suite für Firmen an. Für Private gedacht sind das Browser-Office von Skydrive (live.docs.com) sowie ein – zu bevorzugender – Ableger davon, der sich schlicht «Docs» nennt (docs.com). Fürs Docs-Login verwendet man einfach sein Facebook-Konto. Dokumente lassen sich mit einzelnen Facebook-Freunden, -Gruppen oder aller Welt teilen. Und Docs lässt sich direkt als App in Facebook einbinden.

Google und Microsoft können den Inhalt der Dokumente einsehen

Microsoft liefert hierbei eine den meisten Nutzern vertraute Benutzeroberfläche sowie gute Import/Export-Funktionen von und nach der Office-Suite. Facebook steuert im Gegenzug die derzeit grösstmögliche Nutzergemeinschaft bei. Dass beide den Beta-Dienst bisher so stiefmütterlich vermarkten, dürfte daran liegen, dass Microsoft Geschäftseinbussen befürchtet (die der Konzern wegen Google allerdings sowieso hat).Ein Nachteil gegenüber Google Docs ist, dass immer nur ein Nutzer gleichzeitig ein Dokument bearbeiten kann. Beide Cloud-Office-Suiten funktionieren in den gängigen Browsern (Chrome, Firefox, Internet Explorer, Safari). In unseren Versuchen auf dem iPad hat ausserdem Google Docs etwas besser abgeschnitten. Wer nebst Dokumenten auch Ordner erstellen möchte, dem bietet Google eine halbherzige und Facebook leider gar keine Lösung.

Beide Anbieter beteuern, dass die übermittelten Daten sicher verschlüsselt sind. Allerdings können sowohl Google wie Microsoft den Inhalt der Dokumente einsehen. Für Staatsgeheimnisse sollte man sich also eine andere Lösung suchen, im normalsterblichen Alltag spielt das weniger eine Rolle.

Teilen ohne Browser

Dokumente lassen sich auch via Cloud-Speicher mit anderen teilen, beispielsweise mit Dropbox (www.dropbox.com). Auch deren Betreiber können die Dokumente theoretisch lesen. Bei diesem Dienst teilt man einfach einen Unterordner seiner Dropbox mit anderen Dropbox-Nutzern, mitsamt den darin abgelegten Dokumenten. Zum bearbeiten öffnet sie jeder einfach auf seinem PC oder Mac. Im Konfliktfall erstellt Dropbox zwei Versionen davon, was zum Nachteil werden kann.

Teams, die mehr als nur lose Dokumente teilen möchten, können ihr gesammeltes Wissen verlinkt in einem eigenen Wiki ablegen. Auch dafür gibt es kostenlose Lösungen, etwa Wikispaces, das für eine nicht kommerzielle Verwendung gratis ist (www.wikispaces.com).

Lücke in der iCloud

Der grosse Abwesende auf diesem Gebiet ist Apple. Abgesehen vom kaum genutzten (weil unbrauchbaren) iwork.com, das bald wieder verschwindet, bietet Apple weder die Möglichkeit, Dokumente im Browser zu bearbeiten, noch diese einfach mit anderen zu teilen. Apple-Nutzer können ihre Office-Dateien zwar via iCloud auf all ihren Apple-Geräten nutzen, jedoch keine Ordner oder Dokumente mit anderen teilen (was mit dem iCloud-Vorgänger MobileMe möglich war). Das dürfte sich hoffentlich bald ändern, immerhin hat Steve Jobs einst den Machern von Dropbox 800 Millionen Dollar für eine Übernahme geboten. Diese hatten allerdings abgelehnt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.04.2012, 08:16 Uhr

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