Hintergrund

Showdown in Kalifornien

Heute beginnt der bislang umfangreichste Patentprozess der Wirtschaftsgeschichte: Apple und Samsung treffen sich vor dem Richter. Die Hintergründe und mögliche Folgen.

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Am Montag startet in San José der bislang umfangreichste Patentprozess (siehe linke Spalte) der Wirtschaftsgeschichte. Die Parteien: Samsung und Apple, deren Anwälte laut «Computerworld»-Autor Martyn Williams für einen Stundenlohn von 582 bis 821 Dollar arbeiten und darum schon jetzt als Sieger feststehen.

  • Der Hauptvorwurf von Apple: Samsung habe mit dem Galaxy Nexus und dem Galaxy Tab 10.1 das Design des iPhones respektive des iPads kopiert. Beide Geräte dürfen nach einer einstweiligen Verfügung derzeit in den USA nicht verkauft werden. Cupertino fordert vom südkoreanischen Rivalen eine Entschädigung von 2,5 Milliarden Dollar – für entgangene Gewinne und Lizenzgebühren.
  • Der Konter von Samsung: Der Galaxy-Produzent wiederum wirft dem Apfel-Konzern vor, Technologiepatente aus Südkorea zu verwenden. Samsung arbeite schon seit 20 Jahren an Mobile-Technologien, und ohne diese hätte Apple das iPhone 2007 gar nicht auf den Markt bringen können. Zudem habe Apple das iPhone-Design vor sechs Jahren Sony abgekupfert.

«Die beiden Platzhirsche auf dem globalen Smartphone-Markt liefern sich einen erbitterten Kampf um die Gunst der Kunden», analysiert Analyst Marco Günther von der Hamburger Sparkasse gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Ausgangslage. «Mit Blick auf die Absatzzahlen konnten sich die beiden Unternehmen sukzessive von ihren internationalen Wettbewerbern absetzen.» Weder die asiatischen Anbieter noch die Allianz Nokia/Microsoft könnten gegenwärtig nachhaltig Marktanteile gewinnen – im Gegenteil.

Das Selbstbewusstsein des iPhone-Herstellers

Aus Günthers Sicht bildet der Prozess «einen vorläufigen Höhepunkt» – den Einfluss auf die weitere erfolgreiche operative Geschäftsentwicklung beider Gesellschaften hält er allerdings für begrenzt: «Mit Blick auf andere Technologiebereiche und marktführende Konzerne wie Google und Oracle sind Patentklagen inzwischen allgegenwärtig.» Darum sei ein Ende der juristischen Auseinandersetzungen «nicht absehbar». In der Tat hat die Klagewelle der beiden Unternehmen, welche zusammengerechnet über die Hälfte aller weltweit verkauften Smartphones herstellen, mittlerweile 50 Länder erreicht.

Einige Beobachter sehen die juristischen Machtkämpfe als Folge der schwindenden Dominanz von Apple im Smartphone-Markt. Günther glaubt indes nicht, dass Apple sich die Konkurrenz mit juristischen Mitteln vom Hals schaffen will, weil es marktwirtschaftliche Probleme gibt, gegen Samsung-Mobiles zu bestehen. «Apple ist nicht allein auf dieser Welt und muss zugeben, dass Samsung ein harter Konkurrent ist, der zuletzt in Bezug auf die Absatzzahlen grosse Erfolge gefeiert hat.»

Gleichwohl hält er das Selbstbewusstsein der Kalifornier für gross genug, um nicht allein auf juristische Mittel zurückgreifen zu müssen: «In wenigen Wochen wird Apple das neue iPhone auf den Markt bringen und abseits der Gerichtssäle die bekannte Marktmacht demonstrieren.»

Imageschaden für beide Parteien

Perspektivisch sei der Absatzmarkt gross genug für beide Unternehmen. «Beide Konzerne werden weiterhin technologisch hochwertige Produkte auf den Markt bringen. Die juristischen Streitigkeiten dürften mit mal höherer und mal geringerer Intensität im Hintergrund weiterlaufen.» Die Risiken in Bezug auf die finanzielle Situation der beiden Gesellschaften schätzt Marco Günther als sehr gering ein. Ein Imageschaden allerdings könne schwerer wiegen.

Beobachter sehen Apple derzeit im Vorteil: Der Prozess wird nach US-Recht geführt und findet ganz in der Nähe des Apple-Hauptquartiers in Cupertino statt. Ausserdem hat die vorsitzende Richterin Lucy Koh im Vorfeld Verkaufsverbote für die Samsung-Geräte Galaxy Tab 10.1 und Galaxy Nexus erwirkt.

Was wären die Folgen, sollte der Apfelkonzern sich vor Gericht durchsetzen? IT-Experten sind sich darüber nicht eins. Weil Apple indirekt auch Google respektive dessen in Samsung-Geräten eingebautes Betriebssystem Android im Visier hat (siehe Bildstrecke), halten es einige Beobachter für möglich, dass in diesem Fall die Preise von Smartphones und Tablets in die Höhe schiessen.

Der Ausgang des Prozesses könnte laut «Computerworld»-Autor Martyn Williams auch entscheiden, wo die amerikanische Justiz «die Linie zwischen Erfindung und Kopie zieht. Das könnte den Streit über das US-Patentsystem beeinflussen, welches Kritiker für zu liberal halten, wodurch zu viele Patente erteilt werden, was wiederum zu vielen überflüssigen Gerichtsprozessen führt.»

Was halten Sie vom Patentstreit? Wie wird er Ihrer Ansicht nach ausgehen? Schreiben Sie uns – Ihre Meinung interessiert uns.

Erstellt: 30.07.2012, 11:41 Uhr

Die Ausgangslage

Im Patentstreit zwischen dem US-Technologiekonzern Apple und seinem südkoreanischen Konkurrenten Samsung beginnt am Montag in Kalifornien ein Prozess um Schadenersatz in Milliardenhöhe. Als erster Schritt steht an dem Bundesgericht in San José die Auswahl der Geschworenen an.

Apple fordert von Samsung 2,5 Milliarden Dollar, weil die Südkoreaner das iPhone und den Tablet-Computer iPad kopiert haben sollen. Samsung weist dies zurück und legt seinerseits Apple Patentverstösse im Bereich der Mobilfunktechnologie zur Last.

Apple und Samsung fechten ihren Kampf um die Rechte an Technologien bei Smartphones und Tablets in mehreren Ländern aus.

Das Dossier zum Thema finden Sie hier. (AFP)

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