Analyse

Warum Steve Jobs kein Geld spendet

In den USA gehören wohltätige Aktionen von Milliardären und Konzernen zum guten Ton. Nicht so bei Steve Jobs und Apple.

Wird auch ohne Stiftung vergöttert: Apple-Gründer Steve Jobs.

Wird auch ohne Stiftung vergöttert: Apple-Gründer Steve Jobs. Bild: Keystone

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Kein anderes Land zählt mehr Philanthropen als die USA. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gehört dieses Bekenntnis zum guten Ton. Bill Gates und Warren Buffett gehören zu den berühmtesten lebenden Wohltätern. Zusammen haben sie die Organisation Giving Pledge gegründet, welche die reichsten Familien einlädt, zumindest die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Fast 60 Milliardäre haben dieses Versprechen inzwischen unterschrieben. Selbst der 27-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gehört inzwischen zu dieser Prominentenliste.

Doch eine grosse Figur hält sich beharrlich aus dem Kreis der Philanthropen heraus: Apple-Gründer Steve Jobs. Weder auf dem Giving Pledges noch auf irgendeinem Spitaltrakt oder Universitätsgebäude stehe sein Name, heisst es in einem Kommentar der «New York Times». Und dies, obwohl Jobs ein geschätztes Vermögen über 8,7 Milliarden Dollar in Aktienanteilen an Apple und Disney besitzt.

Dass keine Stiftung seinen Namen trägt, sei indes nicht wertend zu verstehen, betont die US-Zeitung. Denn vielleicht hat der wieder erkrankte Steve Jobs bereits in aller Ruhe einen Teil seines Vermögens gespendet. Es sei jedoch bemerkenswert, wie einige Millionäre und Milliardäre für ihr öffentliches Abseitsstehen kritisiert würden, während bei Jobs diese Frage gar nie zur Debatte stehe. Im Gegenteil, der Apple-Gründer wird ganz ohne Stiftung für sein Werk und Leben vergöttert.

Die gescheiterte Stiftung

Einzig 1986, nachdem Jobs von Apple entlassen wurde, gründete er die Steven P. Jobs Foundation. Nach nur einem Jahr wurde sie wieder eingestellt. «Weil er schlichtweg nicht die Zeit dafür hatte», wie Mark Vermilion, der die Stiftung führte, später erklärte. «Ich konnte ihn nie wirklich dafür begeistern.» Auch sein Konzern hält sich mit Philanthropie zurück. Als Steve Jobs 1997 zu Apple zurückkehrte, strich er sämtliche Wohltätigkeitsprogramme des damals in Finanznot geratenen Unternehmens. Das ist bis heute so geblieben, abgesehen von einer Spende im Jahr 2008 über 100'000 Dollar gegen einen Vorstoss, der die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien verbieten wollte.

Der Technologiekonzern ist in den USA damit ein Einzelfall. Denn wenn es um Spenden geht, blättern Konkurrenten wie Microsoft, Intel, Cisco oder Google gerne mal zweistellige Millionenbeträge hin. Jobs selbst hat sich nie über seine Zurückhaltung geäussert. Selbst bei seiner Krebserkrankung hat der Apple-Gründer nur begrenzt seinen Prominentenstatus genutzt, um das öffentliche Bewusstsein für diese Krankheit zu wecken. Er setzte sich zwar dafür ein, dass Kalifornien als erster US-Bundesstaat eine Lebendspenderliste für Nierentransplantationen bekommt. Doch auch hier findet man keine Stiftung, die seinen Namen trägt. Es wird jedoch gemunkelt, dass eine anonyme 150-Millionen-Dollar-Spende für ein Krebszentrum der University of California von Jobs stammen könnte.

Gründe für die Zurückhaltung

Womöglich braucht der 56-Jährige seine Grosszügigkeit nicht öffentlich zu machen, weil er im Gegensatz zu vielen Milliardärskollegen nie um seinen guten Ruf bangen musste. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» vermutet einen anderen Grund für die öffentliche Zurückhaltung. So habe eine Studie ergeben, dass ein Grossteil der anonymen Wohltäter mit ihrer Diskretion Anfragen Dritter auf einem Minimum halten wolle.

Oder vielleicht liegt es ganz einfach an Steve Jobs' legendärem Perfektionismus. Es sei stets um die Entwicklung von Apple und um seine Familie gegangen, betont denn auch ein Freund gegenüber der «New York Times». «Das ist sein Vermächtnis. Alles andere ist Ablenkung.» Auch Perla Ni, Gründerin des Charity-Netzwerks Great Nonprofits, glaubt im Gespräch mit der «Zeit», dass in diesem Punkt der Grund für die ablehnende Haltung von Jobs und Apple liegen könnte. «Apple wird von Perfektionisten geleitet, die die volle Kontrolle über alles haben wollen, was sie in die Hand nehmen.» Das sei bei gemeinnützigen Programmen schwierig. (jak)

Erstellt: 31.08.2011, 19:28 Uhr

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