Wenn der Papst das Internet kritisiert

Wer folgte Benedikt XVI. auf Twitter? Welche Nachrichten verschickte er und welche Fragen stellte das Oberhaupt der katholischen Kirche? Eine Bilanz.

«Wahrheiten und Werte vor grossen Herausforderungen»: Auch Benedikt XVI. nutzt mobile Geräte. (12. Dezember 2012)

«Wahrheiten und Werte vor grossen Herausforderungen»: Auch Benedikt XVI. nutzt mobile Geräte. (12. Dezember 2012) Bild: Gregorio Borgia/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Tag des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. am 28. Februar wird das Oberhaupt der katholischen Weltkirche exakt 79 Tage im Kurzbotschaftendienst Twitter registiriert gewesen sein. Seit seiner Botschaft zur Begrüssung am 12. Dezember mit einem Segen «von Herzen» schickte er 34 Nachrichten auf Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch und Spanisch in die Welt. «Finde Jesus», «Gott ist der sichere Fels», «Wir sind Kinder eines liebenden Vaters» und «Alles ist Gabe Gottes», verkündete er etwa - seit dem 20. Januar dann auch auf Latein.

Doch der 85-Jährige stellte auch Fragen. «Wie können wir das Jahr des Glaubens in unserem Alltag besser leben?», wollte er anfangs wissen. «Sprich mit Jesus im Gebet», gab er wenige Minuten später selbst eine Antwort. «Wie können wir den Glauben an Christus in einer Welt ohne Hoffnung leben?», hiess es kurz darauf weiter. Es folgte: «Wer glaubt, ist bestimmt nicht allein.»

«An Bratwürstel und Sauerkraut»

An Heiligabend hiess es: «An welche Weihnachtsbräuche in der Familie aus der Zeit Ihrer Kindheit erinnern Sie sich noch?» Eigenantwort: «Besonders freute ich mich über die Krippe, die wir daheim aufbauten, wir schmückten sie mit Moos und fügten jedes Jahr Figuren hinzu.» Doch es gab im deutschen Konto auch 99, eher belustigte, Reaktionen. Ein Nutzer: «An Bratwürstel und Sauerkraut.»

Einen Monat später, am 24. Januar, beklagte sich Benedikt XVI. dann in der realen Welt über die Gepflogenheiten in den sozialen Onlinenetzwerken. Berühmtheiten setzten sich dort mit viel Lärm leicht gegen Nutzer durch, die ernsthafte Botschaften hätten, befand er. Wer «Wahrheiten und Werte» verkünde, stehe vor «grossen Herausforderungen».

Eine Bekanntheit in sozialen Netzwerken habe «oft eher mit Berühmtheit oder Überzeugungsstrategien als mit logischen Argumenten» zu tun, kritisierte der Papst. Benedikt XVI. hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 2,5 Millionen sogenannte Follower weltweit. Zum Vergleich: Angeführt wurde die Statistik von dem 18-jährigen kanadischen Sänger Justin Bieber mit mehr als 33 Millionen Fans.

22'500 lesen die Nachrichten auf Latein

Die meisten Nutzer folgen Benedikt XVI. auf seinem englischen Twitterkanal, zuletzt waren es fast 1,6 Millionen. Knapp 700'000 Beobachter konnte der Papst zuletzt für die spanischen und gut fast 335'000 für italienische Botschaften verbuchen. Auf Deutsch wollten gut 57'000, auf Latein etwa 22'500 Menschen die Nachrichten lesen. Insgesamt gab es zuletzt knapp 2,9 Millionen Follower.

Am Tag seines Rücktritts blieb der Papst trotz reger Debatten im Internet auf Twitter übrigens stumm. Allerdings konnte, wer wollte, seinen Eintrag vom Vortag als Trost auffassen. «Wir dürfen der Kraft der Barmherzigkeit Gottes vertrauen», hiess es am 10. Februar. Seither folgten noch zwei Botschaften mit Empfehlungen für die Fastenzeit zwischen Karneval und Ostern. (rek/afp)

Erstellt: 23.02.2013, 23:21 Uhr

Artikel zum Thema

Brisanter Bericht wirft Fragen zu Papst-Rücktritt auf

Laut der italienischen Presse könnte der Rücktritt von Benedikt XVI. mit einem Bericht über ein Netzwerk homosexueller Priester zu tun haben. Mehr...

«Wir werden dich vermissen»

Zehntausende haben Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz zugejubelt. Dieser sprach zum vorletzten Mal den Sonntagssegen. Inzwischen sind die ersten Kardinäle aus dem Ausland im Vatikan eingetroffen. Mehr...

«Er hatte den Vatikan nicht im Griff»

Interview Benedikt XVI. ist der erste Papst seit 700 Jahren, der sein Amt freiwillig abgibt. Vatikan-Kenner Michael Meier sagt, welche Gründe zum Rücktritt geführt haben könnten und was ein Papst im Ruhestand tut. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Geldblog Vorsicht beim Verrechnungsverzicht!

Mamablog Nehmt euch Zeit fürs Kranksein!

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Sehen so Gewinner aus? Der Britische Premierminister Boris Johnson ist für kreative (Wahl-)Kämpfe bekannt, aber ob er mit Boxhandschuhen den Brexit voran und seine Wähler an die Urnen bringt? (19. November 2019)
(Bild: Frank Augstein/Getty Images) Mehr...