Wer braucht da noch Fernsehsender?

An der heute eröffneten IFA präsentieren alle grossen TV-Hersteller ihre internetfähigen Geräte, die mit Apps erweitert werden können.

Platz für die gleichzeitige Darstellung von Apps, Filmen und TV-Programmen: Der 21:9-Fernseher aus Philips' 7000er-Serie.

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Am Freitag hat die IFA ihre Tore für Besucher geöffnet. Zu den grossen Trends – nebst brillenlosem 3-D – zählen internetfähige Fernseher. Die vernetzten Mattscheiben verstehen sich mit Smartphones, Tablets und PC, die als Fernsteuerungen oder Lieferanten von Musik und Video fungieren. Die multimediale Heimvernetzung, von der seit Jahren die Rede ist, scheint nun tatsächlich Wirklichkeit geworden zu sein – ein erfreulicher Fortschritt.

Das «nächste grosse Ding», glaubt man den Herstellern, sind jedoch Apps für den TV. Wie bei den Smartphones, bei denen sich das App-Modell ja längst als äusserst erfolgreich etabliert hat, sollen kleine Erweiterungen von Drittanbietern weitere Inhalte ins Wohnzimmer bringen.

Die Hoffnungsträger

Zu den am meisten gezeigten Beispielen zählt Youtube. Die beliebten Filmchen von klavierspielenden Katzen und sprechenden Hunden kann man künftig ohne Umweg via PC direkt auf den TV holen. Auch richtige Spielfilme findet man bei allen Herstellern im Angebot. Video-on-Demand-Apps sind grosse Hoffnungsträger, da sie bisher die einzigen Apps sind, bei denen auch zusätzlich Geld zu holen ist.

Anders als auf den Smartphones sind bei den TV-Plattformen die Apps stets gratis und die Inhalte fast immer auch: Ob Wetterprognosen, Sportresultate, Twitter, Facebook oder Google-Suche, hier lässt sich mit den Apps wohl kaum zusätzlich Geld beim Endkonsumenten abholen. Etliche der kleinen Programme sind hingegen mit Werbung versehen.

Identische Funktionen

Ähnlich wie bei den Smartphones kämpfen auch die TV-Hersteller darum, die beste und grösste App-Plattform anzubieten. Die verschiedenen Lösungen sehen sich alle zum Verwechseln ähnlich und bieten identische Funktionen. Sony und Samsung setzen auf eigene Lösungen. Toshiba ebenfalls, wobei deren Plattform auf Opera basiert und völlig offen ist.

Und immerhin haben sich Philips, LG, Sharp und Loewe zusammengetan, um eine gemeinsame App-Plattform zu entwickeln und anzubieten. Vor allem in Europa und in Südamerika hat dieses Herstellerteam eine gewichtige Rolle, was die Marktanteile angeht. Und so verringert sich der Entwicklungsaufwand für die App-Anbieter etwas, die derzeit immer noch für ein halbes Dutzend TV-Plattformen entwickeln müssen.

Apps von Real Madrid und den Berliner Philharmonikern

Interessant ist diese Entwicklung aber nicht zuletzt auch deshalb, weil sie einen direkten Weg zwischen Anbietern und Endkonsumenten eröffnet, der bisher kaum verfügbar war, zumindest nicht für durchschnittliche Anwender direkt auf dem TV. Samsung hat beispielsweise (leider exklusive) Apps von Real Madrid oder den Berliner Philharmonikern präsentiert, die ihre jeweiligen Fans mit aktuellen Informationen, Videos und Tonaufnahmen versorgen. Wer braucht da noch TV-Stationen? Diese selbst wiederum könnten ihre Online- oder Podcast-Archive via TV-Apps zugänglich machen und damit wahrscheinlich ein noch grösseres Publikum erreichen.

Um in den Genuss der Fernseh-Apps zu kommen, muss man ausserdem nicht zwingend einen neuen TV kaufen. Praktisch alle Hersteller bieten auch Settop-Boxen an, mit denen bestehende Fernseher ebenfalls App-fähig werden, einige liefern die App-Plattform auch mit den Blu-Ray-Playern mit.

Erstellt: 02.09.2011, 13:46 Uhr

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