Wie aus Bürolisten Heimarbeiter werden

Immer und überall in der Cloud arbeiten statt von 9 bis 17 Uhr im Büro: Wir zeigen, welche Programme für Texten und Kalkulation sich für die neuen Arbeitsgewohnheiten eignen.

Immer und überall verfügbar: Cloud Computing machts möglich.

Immer und überall verfügbar: Cloud Computing machts möglich. Bild: Fabrizio Bensch/Reuters

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Heute kann man jederzeit und überall texten und rechnen, gleichzeitig mit Kollegen am gleichen Dokument arbeiten und parallel dazu eine Videokonferenz abhalten. Alle diese Hilfsmittel stehen auch Privaten zur Verfügung.

Eigentlich hat es ja ganz romantisch angefangen. Weil die Gräfin Carolina Fantoni da Fivizzono erblindete und keine Briefe mehr schreiben konnte, erfand ihr Nachbar und Freund Pellegrino Turri im Jahre 1808 für sie die Schreibmaschine. Es dauerte dann allerdings nochmals fast 70 Jahre, bis in der amerikanischen Waffenfabrik Remington die ersten Schreibmaschinen als Serienprodukt gefertigt wurden. Danach war sie für fast 100 Jahre Sinnbild für Büroarbeit.

Weder Büro noch Bürolisten

Inzwischen haben die Computer die Schreibmaschine ins Museum vertrieben und sogar die echten Bürolisten sind vom Aussterben bedroht. Denn schon längst wird nicht mehr im Büro getippt oder gerechnet. Stattdessen kommunizieren, kalkulieren und vor allem kooperieren heute Heerscharen von Fachspezialisten im «Office» oder an einem unpersönlichen Mobile-Worker-Desk.

Sogar der persönliche Bürorechner wird zunehmend durch Notebooks und Smartphones abgelöst. Dokumente sind nicht mehr aus Papier, sondern nur noch digitale Daten. Und sogar die sind nicht mehr auf der eigenen Festplatte, sondern irgendwo in einem zugemieteten Rechenzentrum gespeichert oder gar «irgendwo im Internet» im sogenannten Cloudspeicher abgelegt.

Durch diese rasante technische Entwicklung wurden ehemalige Bürolisten aber befreit. Sie sind nicht mehr länger an Pult und Bürozeiten gekettet. Weil die digitalen Arbeitsunterlagen dank Internet und mobiler Kommunikation immer und überall verfügbar sind, arbeiten immer mehr Fachkräfte zu Hause.

Statt ihre Zeit als Pendler zu vertrödeln, starten sie morgens im Heimbüro. Wer dennoch pendelt, nutzt die Zeit im Zug bereits für die Arbeit, indem er sich via Handynetz ans Internet und an Firmendaten koppelt.

Neue Werkzeuge

Auch die Programme für Texten und Kalkulation haben sich natürlich auch den neuen Arbeitsgewohnheiten angepasst. Viel zitiertes Beispiel sind die Programme für Textverabeitung und Kalkulation von Google Drive. Direkt im Webbrowser kann damit man überall und jederzeit im Internet Dokumente und Tabellen erstellen.

Gibt man seine Werke für andere frei, können mehrere Benutzer parallel an einem Dokument arbeiten. Dabei sieht jeder Nutzer eine in Echtzeit aktualisierte Version auf seinem Bildschirm.

Auch Microsoft als Entwicklerin der bekanntesten Bürosoftware Office hat sich an die moderne Arbeitstechnik angepasst. Hier werden Dokumente über den Internet-Speicherdienst Skydrive gemeinsam genutzt und bearbeitet. Das neuste Büro-Programmpaket Office 2013 integriert Cloudspeicher und lokale Dokumente vollständig. Der Anwender arbeitet dabei immer mit der neusten Version, egal wo die Dokumente letztlich liegen.

Nötigenfalls werden sogar Programme wie Word und Excel direkt aus dem Internet angeliefert. Mit einer On-demand-Funktion kann man Office auf einen fremden Rechner ohne Office nutzten. Die Büroprogramme werden dabei innert Minuten aus dem Internet temporär auf dem PC installiert und danach wieder spurlos entfernt.

Auch bei den Lizenzbedingungen haben sich die Softwareverkäufer dem neuen Arbeitsverhalten angepasst. Für 10 Franken monatlich kann man beispielsweise Microsofts Office mieten und dann auf fünf verschiedenen Rechnern mit unterschiedlichen Betriebssystemen nutzen.

Videokonferenz statt Sitzung

Auch Sitzungen sind sprachlich zu Meetings mutiert und in der Praxis oft ortsunabhängig geworden. Auf Smartphones sind Konferenzgespräche mit einem Tastendruck eingerichtet. Auf dem Display von iOS und Android wird dazu lediglich «Anruf hinzufügen» und danach «Konferenz» angetippt.

Auch über Internet-Telefondienste wie Skype lassen kostenlose Gruppengespräche führen. Gegen Bezahlung kann man sogar eine Video-Konferenz mit bis zu 10 Teilnehmern abhalten. Über mehrere Plattformen hinweg funktioniert die kostenlose Videokonferenz von Zoom. Dabei treffen sich Besitzer von Macs, Windows-PC, iOS- und Android-Geräten in einer gemeinsamen Videokonferenz mit recht guter Bildqualität.

Nachteil: Mangelnde Vertraulichkeit

Ergänzend gibt es viele weitere Programme, welche die Teamarbeit aus der Ferne erleichtern. Bei www.join.me teilt man beispielsweise seinen Bildschirminhalt in Echtzeit mit bis zu 255 Sitzungsteilnehmern. Bei der Bezahl-Version kann dann sogar jeder Teilnehmer Maus und Tastatur des Präsentations-PC übernehmen.

Nachteile viele dieser verteilten Lösungen ist allerdings die mangelnde Vertraulichkeit, bei der man sich lediglich auf die Versprechen der Dienstbetreiber verlassen kann. Ferner sollte man bei der Nutzung aller Web-Dienste daran denken, dass diese ausfallen oder Daten verlieren können. Die persönlichen wertvollen Arbeitsdateien sind dann nicht mehr einfach «irgendwo im Web», sondern schlicht nirgendwo mehr. (rek/sda)

Erstellt: 27.02.2013, 08:29 Uhr

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