Wie gefährlich sind Handys für Kinder?

Das Tumorrisiko von minderjährigen Handynutzern ist statistisch nicht signifikant erhöht – auch nicht fünf Jahre nach dem ersten Gebrauch. Völlige Entwarnung geben können Forscher allerdings nicht.

Minderjährige Vieltelefonierer haben nicht öfter Tumore als Wenigtelefonierer, so eine neue Studie. Allerdings bleiben Unsicherheiten – Hirntumore im Kindesalter sind selten, darum war die Zahl der Probanden für die Studie eher klein.

Minderjährige Vieltelefonierer haben nicht öfter Tumore als Wenigtelefonierer, so eine neue Studie. Allerdings bleiben Unsicherheiten – Hirntumore im Kindesalter sind selten, darum war die Zahl der Probanden für die Studie eher klein. Bild: Keystone

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Handys sind auch für Kinder und Jugendliche aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch die Strahlung, die von den Geräten ausgeht, weckt Ängste. Gerade die noch im Wachstum befindlichen Körper von Kindern, so wird befürchtet, könnten besonders empfindlich auf die Mikrowellenstrahlung der Mobiltelefone reagieren.

Eine Hauptsorge ist, dass das ans Ohr gehaltene Handy das Risiko von Hirntumoren erhöhen könnte. Studien bei Erwachsenen lieferten dazu widersprüchliche Resultate. Erstmals haben nun Forscher des mit der Universität Basel assoziierten Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts die Frage bei Kindern und Jugendlichen untersucht.

Studie in vier Ländern

Das Team um den Epidemiologen Martin Röösli schloss gemeinsam mit Kollegen aus Dänemark, Norwegen und Schweden 352 Kinder und Jugendliche in die Studie ein, bei denen zwischen 2004 und 2008 ein Gehirntumor festgestellt wurde. 85 der Patienten, die zwischen 7 und 19 Jahre alt waren, stammten aus der Schweiz.

Die Forscher verglichen den Handygebrauch der Patienten vor der Diagnose mit jenem von 646 zufällig ausgewählten Kontrollpersonen mit gleichem Alter, Geschlecht und gleicher Wohnregion. Wie sie im «Journal of the National Cancer Institute» berichten, ist das Tumorrisiko von Handynutzern nicht statistisch signifikant erhöht – auch nicht fünf Jahre nach dem ersten Gebrauch.

Von den Hirntumor-Patienten gaben 75 Prozent an, vor der Diagnose mehr als 20-mal mit dem Handy telefoniert zu haben. Bei den Kontrollpersonen waren es 72 Prozent. 55 Prozent der Patienten und 51 Prozent der Kontrollen waren laut eigener Aussage regelmässige Mobilfunknutzer. Beides sind geringe, am ehesten zufällige Unterschiede.

Effekt verschwand bei tatsächlichem Gebrauch

Für etwa ein Drittel der Studienteilnehmer standen den Forschern von Mobilfunkbetreibern aufgezeichnete Daten zum Handygebrauch zur Verfügung. Solche Daten gelten als verlässlicher als Befragungen, bei denen Probanden selber aus der Erinnerung angeben müssen, wie oft sie in einem bestimmten Zeitraum telefoniert haben.

In dieser Untergruppe fanden die Forscher einen signifikanten Zusammenhang: Jugendliche, die schon lange ein Handy-Abo besassen, hatten ein rund doppelt so hohes Tumorrisiko wie nicht regelmässige Handynutzer. Beim tatsächlichen Gebrauch verschwand der Effekt aber: Vieltelefonierer hatten nicht öfter Tumore als Wenigtelefonierer.

Auch die Art der Tumore deutet darauf hin, dass kein Zusammenhang zur Handynutzung besteht, wie Röösli auf Anfrage sagte: Die Tumore traten nicht häufiger in den Hirnregionen auf, die während eines Telefonats am stärksten bestrahlt werden. So gab es zum Beispiel nicht mehr Tumore in der Kopfhälfte, an welche die Patienten ihr Handy hielten.

Kleines Risiko bleibt

Trotzdem bleiben Unsicherheiten. Weil Hirntumore im Kindesalter selten sind, war die Zahl der Probanden nicht sehr gross. Zudem benützten die Studienteilnehmer das Handy relativ selten. Aufgrund der Studie könne ein kleines Risiko nicht ausgeschlossen werden, sagte Röösli: Etwa dass Handys zu ein oder zwei zusätzlichen Tumorfällen pro 100'000 Personen und Jahr führten.

Allerdings müsste sich ein solches Risiko in einem Anstieg der Häufigkeit von Hirntumoren niederschlagen. Doch aktuelle Zahlen aus Schweden und auch den USA zeigen, dass die Rate der Neuerkrankungen in den letzten 20 Jahren nicht angestiegen ist. Mit Krebsregistern sollte die Entwicklung aber auf jeden Fall weiterverfolgt werden, empfiehlt Röösli. (rek/sda)

Erstellt: 28.07.2011, 08:21 Uhr

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